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Das RKI und die Impfbereitschaft der Deutschen

Kommunikation vor Evidenz: Mit der IMPRESS-Studie möchte das RKI herausfinden, warum die Deutschen sich impfen lassen und warum nicht. Mit dem Ziel, die Impfbereitschaft zu steigern. Dazu gehört auch die Erörterung sogenannter Impfmythen. Es zeigt sich, dass das RKI mitunter unsauber arbeitet und selbst manchen Mythos zur Wirksamkeit und Sicherheit von Impfungen stärkt.

Anfang März 2026 hat das Robert Koch-Institut (RKI) erste Ergebnisse seines Forschungsprojekts IMPRESS vorgelegt. IMPRESS steht für „IMpfverhalten verstehen, PReparednESS steigern“. Der sperrige Titel integriert mit Bereitschaft (Preparedness) einen Schlüsselbegriff der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihren Bestrebungen, für künftige Pandemien vorzugsweise durch Impfkampagnen gewappnet zu sein.

Insofern überrascht es wenig, dass mit Ole Wichmann der Vorsitzende der WHO-Impfkommission für Europa (ETAGE) als Ko-Projektleiter der Studie fungiert. Von RKI-Seite ist die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Greta Steckhan in der Projektleitung an Bord. Finanziert wird die Studie aus Mitteln des Bundesgesundheitsministeriums (BMG).

Die Studie geht der Frage nach, warum viele Menschen in Deutschland trotz des pauschal unterstellten immensen Nutzens von Impfungen ungeimpft bleiben – und somit schwere Krankheitsverläufe bis hin zum Tod riskierten. Aus den Ergebnissen will das RKI Gründe für das (Nicht-)Impfen und Maßnahmen ableiten, um die Impfbereitschaft zu erhöhen.

Licht ins Dunkel soll ein regelmäßiges Impfakzeptanz-Monitoring bringen in Ergänzung zu den Impfquoten-Versorgungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen. Dazu hat das RKI im Herbst 2025 seine vorhandene Befragungsplattform „Gesundheit in Deutschland“ genutzt und möchte dies 2026 und 2027 fortsetzen. Dort werden regelmäßig deutschsprachige Personen ab 16 Jahren zu Gesundheitsthemen befragt.

Für die IMPRESS-Studie findet eine Online-Befragung unter der Allgemeinbevölkerung, Personen mit einer Impfempfehlung für Grippe und Eltern von Kindern unter sieben Jahren statt.

Im Folgenden stellen wir wesentliche Ergebnisse der jüngst veröffentlichten IMPRESS-Studie vor. Anschließend diskutieren wir die Limitationen der Erhebung und die Schlussfolgerungen des RKI.


Die Studie und ihre Ergebnisse

Insgesamt 5.450 Personen wurden aus dem bestehenden RKI-Online-Panel „Gesundheit in Deutschland“ befragt. Die bisher veröffentlichten Ergebnisse beziehen sich nur auf die Allgemeinbevölkerung und wurden (noch) nicht in einem Journal veröffentlicht.

Folgende Informationen wurden abgefragt: körperliche und psychische Gesundheit, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Gesundheitsverhalten, Inanspruchnahme medizinischer Leistungen (insbesondere Impfbereitschaft, Impfverhalten und damit verbundene soziale und verhaltensbezogene Faktoren) sowie soziale und ökonomische Lebensbedingungen.

Die Daten sollen auch Aufschluss über die zu erwartende saisonale Impfquote (z. B. gegen Influenza und COVID-19) geben.

Die Fragen wurden nach dem 7C-Modell strukturiert, das sieben Kriterien für Impfbereitschaft untersucht, mit folgenden wesentlichen Ergebnissen:

1. Vertrauen:

  • 61,7 % der Teilnehmer sind eher oder voll und ganz davon überzeugt, dass die Behörden nur wirksame und sichere Impfstoffe zulassen, 15,5 % finden dies eher nicht oder überhaupt nicht.
  • Deutlich negativer war das Verhältnis zur Frage, ob politische Entscheidungen zu Impfungen wissenschaftlich fundiert sind:

2. Risikowahrnehmung:

  • Die Risikowahrnehmung von Infektionskrankheiten ist hoch: 75,4 % stimmen eher nicht oder überhaupt nicht zu, dass Impfungen nicht benötigt werden, weil Infektionskrankheiten bei ihnen selbst nicht schlimm verlaufen.

3. Persönliche Hürden:

  • 72,9 % der Teilnehmer stimmen eher oder voll und ganz zu, sich darum zu kümmern, „die wichtigen Impfungen rechtzeitig zu erhalten“.
  • Jedoch werden Impfungen häufiger wegen anderer Verpflichtungen hintangestellt: Nur 29,5 % priorisieren Impfungen gegenüber anderen Verpflichtungen.

4. Abwägung von Kosten und Nutzen:

  • 65,1 % der Teilnehmer stimmen eher oder voll und ganz zu, sich bei jeder Impfung genau zu überlegen, ob sie benötigt wird.

5. Kollektives Verantwortungsgefühl:

  • 65,8 % der Teilnehmer stimmen eher oder voll und ganz zu, sich deshalb impfen zu lassen, damit andere Menschen geschützt werden. Beim Schutz von Risikogruppen sind es mit 63,5 % etwas weniger; bei der Ansicht, dass Impfungen generell eine gemeinschaftliche Aufgabe gegen die Verbreitung von Krankheiten sind, sind es mit 76,3 % sogar mehr.

6. Compliance:

  • 51,2 % der Teilnehmer stimmen eher oder voll und ganz zu, dass die Gesundheitsbehörden „alle nötigen Mittel einsetzen“ sollten, um hohe Impfraten zu erreichen.
  • Wiederum 22,4 % stimmen eher oder voll und ganz zu, Menschen von öffentlichen Veranstaltungen auszuschließen, wenn sie nicht gegen bestimmte Krankheiten geimpft sind. 52,3 % finden dies eher nicht oder überhaupt nicht.
  • Und so urteilen die Befragten über Strafen:

7. Verschwörungsglaube:

  • Der Frage „Die Gesundheitsbehörden beugen sich blind der Macht und dem Einfluss der Pharmakonzerne“ stimmten 19,5 % eher oder voll und ganz zu, 47,7 % dagegen eher nicht oder überhaupt nicht.
  • 9,1 % glauben eher oder voll und ganz, dass Impfungen Chemikalien in giftigen Dosierungen enthalten.
  • 72,1 % glauben eher nicht oder überhaupt nicht, dass Impfungen Erkrankungen und Allergien verursachen, die schlimmer sind als die Krankheiten, gegen die sie schützen sollen.

Zur Impfung gegen COVID-19/Grippe:

Während 64,6 % der Personen, denen eine Impfung gegen Grippe empfohlen wurden, diese auch in Anspruch nehmen, sind es bei COVID-19 nur 11,2 %.

Zur Gesundheitskompetenz:

Bei 51,8 % der Teilnehmer stellt das RKI eine niedrige oder eher niedrige Gesundheitskompetenz hinsichtlich von Impfungen fest – diese sei vergleichbar mit der allgemeinen Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung.
 

Wie das RKI „impfbezogene Gesundheitskompetenz“ ermittelt

Als „impfbezogene Gesundheitskompetenz“ bezeichnet das RKI die „Fähigkeit, Informationen zu empfohlenen Impfungen zu finden, zu verstehen und zu bewerten, um darauf basierend informierte Impfentscheidungen zu treffen.“ In der Lesart des Instituts läuft dies stets auf eine Impfung hinaus.

Um diese Kompetenz zu ermitteln, wurden Fragen zur Wirksamkeit von Impfungen und zu Impfmythen gestellt mit konkreten vorgegebenen Aussagen. In der Auswertung werden diese entsprechend als richtig (R) oder falsch (F) ausgewiesen, kombiniert mit den ebenso als richtig oder falsch eingestuften Antworten. Dazu einige Beispiele:

  • Aussage: „Die Dosierungen der in Impfstoffen enthaltenen Chemikalien sind für den Menschen ungefährlich“. (R)
    Auswertung: 45,7 % der Antworten wurden als unsicher, 14 % als falsch und 40,3 % als richtig eingestuft.
     
  • Aussage: „Impfungen können Autismus auslösen.“ (F)
    Auswertung: 48,3 % der Antworten wurden als unsicher, 3,0 % als falsch und 48,7 % als richtig eingestuft.
     
  • Aussage: „Impfungen fördern Allergien.“ (F)
    Auswertung: 52,7 % der Antworten wurden als unsicher, 9,0 % als falsch und 38,3 % als richtig eingestuft.
     
  • Aussage: „Viele Impfungen erfolgen zu früh, sodass das eigene Immunsystem gar keine Möglichkeit hat, sich zu entwickeln.“ (F)
    Auswertung: 40,4 % der Antworten wurden als unsicher, 12,9 % als falsch und 46,7 als richtig eingestuft.
     
  • Aussage: „Das Immunsystem von Kindern wird durch zu viele Impfungen überlastet.“ (F)
    Auswertung: 38,6 % der Antworten wurden als unsicher, 12,9 % als falsch und 48,6 % als richtig eingestuft.
     

Stärken und Limitationen der IMPRESS-Studie

Stärken:

  • Die große Stichprobe
  • Die Verwendung des 2021 eingeführten 7C-Modells (ermöglicht auch die Vergleichbarkeit mit anderen Studien)
  • Die Nutzung eines bereits etablierten Online-Portals zur Befragung („Gesundheit in Deutschland“)

Limitationen:

  • Es handelt sich um eine Präsentation zur Vorveröffentlichung mit Daten zur Allgemeinbevölkerung – es gibt (noch) keine Veröffentlichung in einem Journal mit Peer-Review, keine tiefergehenden statistischen Analysen und keine Rohdaten.
  • Die Erhebung erfolgt ausschließlich online – dies könnte zu einem Selektionsbias führen, denn Personen ohne oder mit nur begrenztem Internetzugang (z. B. ältere oder sozioökonomisch benachteiligte Personen) könnten so unterrepräsentiert sein.
  • Alle Daten (auch der Impfstatus) beruhen auf Selbstauskünften – das könnte die Gefahr erhöhen, dass die Befragten sozial erwünschte Antworten geben oder sich nicht richtig erinnern (Recall-Bias).
  • Bisher handelt es sich um eine Momentaufnahme (Querschnittsdesign), die (noch) keine Veränderungen über die Zeit aufzeigt.
  • Es gibt bisher keine Auskünfte über die Nicht-Antwortraten der Teilnehmer, sodass ein möglicher Non-Response Bias nicht bewertet werden kann (z. B. könnten Menschen mit positiver Einstellung gegenüber Impfungen überrepräsentiert sein).
  • In der RKI-Präsentation werden die Limitationen der Studie nicht diskutiert.
  • Insbesondere fällt auf, dass bestimmte Themen vom RKI selbst mit einer Sicherheit bewertet werden (z. B. die Frage, ob Impfungen Allergien begünstigen), für die es keine oder nur eine sehr begrenzte wissenschaftliche Grundlage gibt.

    Dies nährt den Eindruck, dass manche Fragen allein durch ihre Formulierung einen bestimmten Sinn- und Deutungsrahmen erschaffen (Framing), sodass Teilnehmer eher zu einer bestimmten Antwort verleitet werden. Auffällig ist dies beim Thema „Verschwörungsglaube“. Dazu zwei Beispiele:

    Beispiel 1: „Impfungen enthalten Chemikalien in giftigen Dosierungen.“ Die Wörter „Chemikalie“ und „giftig“ werden von den meisten Menschen negativ wahrgenommen. Auch wenn der Begriff Chemikalie ebenso Stoffe natürlichen Ursprungs umfasst (wie H₂O bzw. Wasser) und daher nicht mit künstlich gleichzusetzen ist, kann die Art, wie die Teilnehmer diese Wörter verstehen, in Kombination mit „giftig“ zu einer stärkeren Ablehnung gegenüber den als positiv empfundenen Impfungen führen. Eine Formulierung wie „Impfungen enthalten giftige Inhaltsstoffe“ wäre daher offener gewesen.

    Beispiel 2: „Impfungen verursachen Erkrankungen und Allergien, die schlimmer sind als die Krankheiten gegen die sie schützen sollen.“ Dass Impfungen Erkrankungen und Allergien auslösen können, ist per se schon eine umstrittene Frage. Zumindest Ersteres ist bei einigen Impfstoffen allein schon durch die Fachinformation der Hersteller belegt. Diese Tatsache damit zu verbinden, dass die Erkrankungen und Allergien schlimmer sind als die Krankheiten, gegen die Impfstoffe schützen sollen, führt zu einem stark negativen Framing von Impfskepsis (auch wenn das 7C-Modell dies teilweise so vorsieht).

    Dieses Framing kann bei Teilnehmern zu Kontrasteffekten oder Reaktanz führen. Die Aussagen klingen so radikal, dass entweder eine starke Distanzierung oder eine umso deutlichere Zustimmung stattfindet – obwohl tatsächlich möglicherweise nur leichte Zweifel bestehen.
     

Fazit: Evidenz zu Impfungen tut not

Das RKI erkennt aufgrund seiner Studie Handlungsbedarf:

„Die Ergebnisse verdeutlichen einen klaren Bedarf an gezieltem Debunking von Impfmythen. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Fakten, sondern auch um die gezielte Ansprache der Ursachen falscher Überzeugungen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl entsprechender Angebote und Materialien; das RKI stellt u.a. Faktensandwiches für die Fachöffentlichkeit zur Verfügung.“
 

Die zweifelhafte Qualität der „Faktensandwiches“ in Verbindung mit den sog. „#ImpfstoffFakten“ des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) haben die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung (ÄFI) bereits 2025 analysiert. Dass sich das RKI auch weiterhin und ungeachtet der sich seither stark gewandelten Studienlage vor allem bei den modRNA-Impfstoffen darauf beruft, spricht Bände.

Es drängt sich der Eindruck auf, als agiere das RKI bei Impfungen als verlängerter Arm der WHO. Die ÄFI haben auch deren grundsätzliche Strategie und die Auswirkungen für alle gängigen Impfungen dargestellt.

In dieselbe Kerbe wie das RKI schlägt mit Constanze Rossmann, Professorin für Kommunikationswissenschaft, auch ein STIKO-Mitglied. ÄFI hatte bereits bei der Neubesetzung der Ständigen Impfkommission durch den damaligen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Berufung Rossmanns kritisch beurteilt.

Sie bezeichnet es als „wirklich frappierend“, dass laut IMPRESS nur zwei von zehn Personen zur Grippesaison 2025/26 vorhatten, sich auch gegen COVID-19 impfen zu lassen. Kein Wort zu den traditionell nur eingeschränkt wirksamen Grippeimpfstoffen. Kein Wort zu den zahlreichen und ungeklärten Nebenwirkungen der modRNA-Impfstoffe seit Corona, wodurch das Vertrauen in Impfungen insgesamt erschüttert wurde.
 

Ja zu Impfungen wird zur Erziehungsfrage

Wie das RKI befürwortet auch Rossmann stattdessen ein „intensives Debunking“ von Impfmythen. Allerdings lasse sich die „generelle impfbezogene Gesundheitskompetenz“ nicht allein durch Kommunikationsmaßnahmen steigern. Vielmehr brauche es „langfristige Strategien, die bereits in der Gesundheitserziehung von Kindern und Jugendlichen ansetzen.“ Laut Rossmann sollten dazu Lehrer, Eltern und Ärzte einbezogen werden. Ebenfalls notwendig sei die Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen.

Die Risikowahrnehmung der Bevölkerung will sie durch Kommunikationskampagnen verbessern, die das Risiko und die Schwere einer möglichen Erkrankung für Ungeimpfte besonders betonen. Kein Wort von einer fundierten Risiko-Nutzen-Abwägung bei der Impfentscheidung, wozu auch mögliche Risiken der Impfung gehören.

Darüber hinaus bestürzt die Pauschalität, mit der das RKI alle Impfungen und damit Impfentscheidungen über einen Kamm schert. Das ist schon bei den traditionellen Impfungen nicht gerechtfertigt, bei den neuartigen modRNA-Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 angesichts der mangelhaften Forschungslage vollkommen abwegig. Dies gilt ebenso für die zwischenzeitlich entwickelten saRNA-Impfstoffe. Eine informierte Impf-Entscheidung war und ist nicht möglich – es fehlen weiterhin RCT-Langzeitstudien. Dass viele der herkömmlichen Impfungen auf diese Technologie umgestellt werden sollen, ist daher abzulehnen.

Anstatt in belastbare Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen zu investieren und das Wissen und Nicht-Wissen über Impfungen herauszuarbeiten, geht das RKI einen anderen Weg: Die Kommunikation soll optimiert werden, nicht das Produkt.

Offenbar geht es nicht um die Gesundheit der Bevölkerung, sondern um die Erhöhung von Impfquoten. Dies soll kommunikativ so geschickt wie möglich umgesetzt werden. Eine Nutzen-Risiko-Abwägung ist nicht mehr vorgesehen, da der Nutzen (für wen eigentlich genau?) bereits festgelegt ist. Die Bevölkerung soll nur noch optimierter in die nächste Impfung genudged werden. Koste es, was es wolle.

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