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Windpocken (Varizellen)
Was sind die typischen Symptome einer Windpocken-Infektion? Wie sah die epidemiologische Situation vor Einführung der Impfung aus, wie sieht sie mittlerweile aus? Wie ist die Prognose bei Kindern? Welche Risikofaktoren gibt es? Welche Evidenz gibt es hinsichtlich der Verringerung von Infektionen und Komplikationen? Ist eine Herdenimmunität möglich? Gibt es diametrale Effekte der Impfstrategie? Wie sieht die STIKO-Impfempfehlung aus und welche Kritikpunkte gibt es daran?
Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie im nachfolgenden Fachbeitrag.
Vorbemerkung
Die folgenden Ausführungen dienen der Information und ersetzen keinesfalls das ärztliche Beratungsgespräch. Hier werden Fakten präsentiert, die Eltern wie auch Ärztinnen und Ärzten in einem Aufklärungsgespräch helfen können. Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) übernimmt keine Garantie für Vollständigkeit, hat die hier verfügbaren Inhalte jedoch nach bestem Wissen und Gewissen am aktuellen Fach- und Sachstand zusammengetragen. Über die wissenschaftliche Arbeit des Vereins erfahren Sie hier mehr. Der Fachbeitrag wird jährlich aktualisiert. Das dargelegte Wissen entspricht dem Kenntnisstand zum angegebenen Veröffentlichungs- bzw. Aktualisierungsdatum. Der Fachbeitrag findet sich unterhalb der Zusammenfassung („Auf einen Blick“) über die aufklappbaren grünen +-Elemente („Akkordeons“).
Auf einen Blick:
Infektionsverlauf
Vermutlich bis zu 30 % asymptomatische Fälle, Hauptsymptom ist der charakteristische Ausschlag, der aus 250-500 Läsionen besteht; in der Regel zeigen sich verschiedene Entwicklungsstadien (Makulae, Papeln, Pustula, Crusta); mit dem Abfallen der Krusten startet die Abheilung
Epidemiologie
Typische milde Kinderkrankheit; vor Einführung der Impfung haben sich nahezu alle Kinder unter 15 Jahren (> 90 %) und praktisch alle Erwachsenen bis zum Alter von 40 Jahren (>99 %) infiziert und wiesen VZV-Antikörper auf – in Deutschland vor Einführung der Impfung schätzungsweise 750.000 Fälle pro Jahr, seit der Meldepflicht 2013 zwischen 6.593 (2021) und 25.419 (2016) Fälle
Todesfälle
Laut Infektionsepid. Jahrbüchern des Robert Koch-Institutes sind 2021 und 2022 jeweils 2 Menschen und 2023 1 Mensch an Windpocken in Deutschland gestorben
Schutzwirkung der Impfung
Die für die Zulassung bzw. vor der Impfempfehlung veröffentlichten Daten zur Windpocken-Impfung weisen teils gravierende Mängel auf; anschließend veröffentlichte Studien zeigen eine Reduktion der Inzidenz (um 55 % in allen Altersgruppen in Deutschland, bei Kindern höher), der komplizierten Verläufe (um 81 % bei Kindern in Deutschland); ein Cochrane Review ergab eine relative Schutzwirkung von 95 %
Impfstrategie
In den meisten Industrieländern gibt es bisher keine Impfempfehlung; eine Herdenimmunität ist wahrscheinlich möglich, jedoch könnte durch die Impfstrategie eine Erhöhung der Herpes-Zoster-Inzidenz bei Älteren folgen, da die Impfung Immunkontakte mit dem Virus (und somit die natürliche Auffrischung verhindert); zudem könnte eine nachlassende Impfwirkung bei Erwachsenen, die ein höheres Komplikationsrisiko haben, zur schwereren Erkrankung bei Infektion führen
Mögliche Adjuvantien
Keine
STIKO-Empfehlung
Zwei Impfdosen im Alter von 11 bis 14 Monaten (1. Impfung) und 15 bis 23 Monaten (2. Impfung) für alle Kinder; als Ziele der Impfempfehlung spricht die STIKO von der Reduktion der „hohen Morbidität“, Komplikationen und der ökonomischen Belastung
Kritik an der STIKO-Empfehlung
Die STIKO hat sich hinsichtlich der Komplikationsrate auf fälschlich erhobene Zahlen einer GSK-gesponserten Studie verlassen; das Argument der ökonomischen Vorteile wird unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren wie der nachlassenden Immunität, dem fehlenden Kontakt zum Wild-Virus etc. ungültig; die Erkrankung selbst ist harmlos, sodass nur sehr wenige Kinder von der Impfung profitieren, ältere Menschen könnten durch häufigere Herpes-Zoster-Fälle darunter leiden
Stand: 17. Feb. 2026
Fachbeitrag
Erreger
- Windpocken (auch Varizellen genannt) werden durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) bei Erstinfektion hervorgerufen. Bei Reaktivierung gilt VZV als Ursache für Gürtelrose (Herpes Zoster).
- VZV zählen zu den behüllten, doppelsträngigen DNA-Viren aus der Familie der Orthoherpesviridae, zu der auch die Herpes-simplex-Viren (HSV-1, HSV-2) und das Epstein-Barr-Virus (EBV) gehören. Die genannte Virenfamilie ist in der Hinsicht einzigartig, dass alle zu ihr gehörenden Viren nach Infektion des Menschen lebenslang latent im Körper verbleiben und aufgrund gewisser Faktoren wieder reaktiviert werden können (Gershon & Gershon, 2025).
- Es gibt nur einen Serotypen, aber über 300 Stämme, die in die 3 Haupt-Genotypen E, J und M unterteilt wurden. E1 und E2 dominieren in Europa und Nordamerika, J in Asien und M1–M4 vor allem in Afrika und Teilen Asiens. Die Genotypen beeinflussen die Epidemiologie von Varizellen, da sie eine unterschiedliche Virulenz und Übertragbarkeit aufweisen (Loparev et al., 2004; Breuer, 2010; World Health Organization, 2025a).
- Menschen sind das einzige bekannte Reservoir für VZV (World Health Organization, 2025a).
- Außerhalb des Körpers (insbesondere in feuchten Milieus) können VZV einige Tage überleben und ihre Infektiosität erhalten (Robert Koch-Institut, 2025a).

Abbildung 1: Varizella-Zoster-Virus-(VZV)-/ Human-Herpes-Virus-3-(HHV-3)-Elektronenmikroskopie des Robert Koch-Instituts, Primärvergrößerung x 160.000 (Robert Koch-Institut, 2023).
Infektionsmodus
- Die durchschnittliche Inkubationszeit liegt bei 14-16 Tagen, wobei die kürzeste gemessene Zeit bei 10 Tagen und die längste bei 21 Tagen bis zum Ausbruch von Symptomen liegt (Centers for Disease Control and Prevention, 2025).
- Die Übertragbarkeit (Infektiosität) beginnt 1 bis 2 Tage vor den ersten Symptomen und endet mit der Verkrustung des Hautausschlags (etwa 4-7 Tage nach Beginn des Hautausschlags) (Marin et al., 2021).
- Eine Erkrankung kann nur bei immunnaiven Menschen hervorgerufen werden, die also noch keinen Kontakt zum Varizella-Zoster-Virus hatten – anschließend verweilt es ohne Verursachung von Symptomen in den Nervenzellen des Körpers (latente Infektion). Eine Infektion schützt demnach in der Regel ein Leben lang davor, erneut an Windpocken zu erkranken (Saleh et al., 2025; World Health Organization, 2025b).
- Eine Reinfektion mit erneutem Ausbruch von Symptomen ist sehr selten und eher unter immunkomprimierten Personen verbreitet. Der erneute Kontakt mit dem Virus führt bei gesunden Personen zu einer Erhöhung der Antikörpertiter (A. Lopez et al., 2024).
Asymptomatische Fälle:
- Da die Erfassung der Krankheitslast durch VZV hauptsächlich auf epidemiologischen Modellierungen und retrospektiven Studien mittels Inzidenz-Werten beruht, wird meist davon ausgegangen, dass nahezu alle VZV-Erstinfektionen auch zur Ausprägung von Symptomen führen.
- Eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) von 2021 in zehn europäischen Ländern mit 827 MMR-geimpften und 744 ungeimpften Kindern und einer Nachbeobachtungszeit von über 10 Jahren konnte demgegenüber durch Antikörper-Screenings (mittels ELISA) einen Anteil von etwa einem Drittel an ungeimpften Kindern ausmachen, die keine klinischen Symptome entwickelten (bzw. nicht diagnostiziert wurden) und dennoch eine Immunität (gemessen anhand nachweisbarer Antikörper) entwickelten.
- Die Studienautoren folgern, dass frühere Schätzungen der Varizellen-Inzidenz überprüft werden sollten und zukünftige Studien sowohl auf berichtete Fälle als auch Antikörper-Messungen zurückgreifen sollten.
(Gillard et al., 2021)
Übertragung:
Es ist unbekannt, ob asymptomatische bzw. subklinische Windpocken-Fälle zur Übertragung beitragen (Gillard et al., 2021), daher beziehen sich die folgenden Ausführungen zur Transmission auf symptomatische Windpocken-Infektionen.
- Die sekundäre Befallsrate (SAR) im Haushalt wird für Windpocken unterschiedlich angegeben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von 61-100 % bei ungeimpften (immunnaiven) Kontaktpersonen (Sung et al., 2025; World Health Organization, 2025b). Einschlägige Studien finden SAR im Bereich von 71-75 % bei ungeimpften und 15,1 % bei geimpften Kontaktpersonen (Seward et al., 2004; Ceyhan et al., 2009).
- Die Ansteckung erfolgt über das Einatmen der Aerosole (Tröpfchenkerne) aus der Bläschenflüssigkeit der Hautläsionen, aber auch über den direkten Kontakt mit den Hautläsionen oder Atemwegssekreten (Sung et al., 2025).
Infektionsverlauf
Windpocken (engl. chickenpox) wurden bis 1767 nicht von den Pocken (engl. smallpox) unterschieden. Dann veröffentlichte der englische Arzt William Heberden (*1710- †1801) eine Abhandlung, in der er die beiden Infektionen, die aufgrund der Symptome und Hautausschläge ähnlich erscheinen können, voneinander unterschied (Czinn & Hoenig, 2023; Rasizadeh et al., 2023; Saleh et al., 2025).
- Das Hauptsymptom eines symptomatischen Verlaufes ist der generalisierte, gerötete, juckende, makulopapulöse und vesikuläre Hautausschlag, der typischerweise aus 250-500 Läsionen besteht (Dooling et al., 2022).
- Häufig wird zur Beschreibung der Läsionen die Metapher des „Tautropfens auf einem Rosenblatt“ (engl. „dew drop on a rose petal“) verwendet (Moffat et al., 2007; Arvin, 2023; Dooling et al., 2022; Saleh et al., 2025).
- Die ersten Ausschläge, bei denen es sich zunächst um erythematöse Papeln (Knötchen/Hautverdickung) handelt, die sich aus Makulae (Flecken) entwickeln, erscheinen häufig im Gesicht, auf der Kopfhaut, dem Rücken oder der Brust und breiten sich peripher auf die Extremitäten aus. Innerhalb von 12 bis 24 Stunden entwickeln sich die Papeln zu oberflächlichen Bläschen (Pustula), die mit klarer infektiöser Flüssigkeit gefüllt sind. Die Mundschleimhaut ist fast immer in Form von aphthösen Läsionen mitbetroffen (Moffat et al., 2007; Dooling et al., 2022).
- Weitere Schübe, die sich über einen Zeitraum von 3-7 Tagen erstrecken, führen schließlich zur Verkrustung (Crusta) und Abheilung des Ausschlags durch Abfallen der Krusten. Dass die Läsionen sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien (Makulae, Papeln, Pustula, Crusta) befinden, ist charakteristisch für die Windpocken (Heubnersche’ Sternenkarte). Das Abfallen der Krusten kann jedoch generell als Signal für das Ende der Erkrankung verstanden werden (Dooling et al., 2022).
- Den Hautläsionen kann eine 1-2 tägige, ansteckende Prodromalphase vorausgehen, die durch Fieber, Unwohlsein und gelegentlich Bauchschmerzen gekennzeichnet ist. Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist die Prodromalphase ausgeprägter. Fieber, Kopfschmerzen, Pharyngitis, Unwohlsein und Appetitlosigkeit treten häufig begleitend zum Hautausschlag auf (Dooling et al., 2022; Saleh et al., 2025).
- Selten kann es beispielsweise durch bereits entzündete Hautstellen oder starke Sonneneinstrahlung zu atypischen Windpocken-Erkrankungen kommen. Dabei verändert sich der Hautausschlag morphologisch (Mazzara et al., 2022).
Folgen:
- Als eine positive Folge der (unkomplizierten) Windpocken-Erkrankung konnte eine tasmanische Längsschnittstudie ein geringeres Risiko für die Entwicklung von Asthma bis zum Alter von 32 Jahren (bereinigtes Odds Ratio 0,58; 95% Konfidenzintervall, 0,38-0,88 %) feststellen. Die höhere Belastung durch Infektionskrankheiten generell, aber auch andere Infektionskrankheiten wie Keuchhusten und Röteln waren ebenfalls negativ mit der Entwicklung von Asthma assoziiert (J. A. Burgess et al., 2012). Weitere Studien können diesen Befund für Windpocken (wenn auch über kürzere Zeiträume, dafür aber in Industrieländern wie den USA und Deutschland) bestätigen (Illi, 2001; Silverberg et al., 2009, 2010, 2012).
Komplikationen
Gesunde (ungeimpfte) Kinder haben in der Regel keine Komplikationen durch eine Windpocken-Erkrankung zu erwarten.
- Unter den sehr selten vorkommenden Windpocken-Komplikationen bei gesunden Kindern ist die sekundäre bakterielle Infektion (Superinfektion) beispielsweise mit Staphylococcus aureus oder Streptococcus pyogenes am häufigsten vertreten (Moffat et al., 2007).
- Indem VZV auch die Epithelzellen infizieren können, welche die Lungenbläschen auskleiden, ist sehr selten (um nicht zu sagen ungewöhnlich) auch eine Windpocken-Pneumonie möglich (Moffat et al., 2007).
- Meningoenzephalitis (1 von 33.000-50.000 Kindern) und zerebelläre Ataxie (1 von 4.000 Kindern) sind ebenfalls sehr selten möglich und zeigen die Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS) durch VZV an. In der Regel erholen sich Kinder von der Enzephalitis wieder vollständig (Moffat et al., 2007; Dooling et al., 2022).
- Eine Dehydrierung aufgrund von mangelnder Nahrungsaufnahme, die durch Mundläsionen bedingt wird, kann eine Krankenhausaufnahme notwendig machen (Dooling et al., 2022).
- Einzelfälle von Myokarditis, kornealen Läsionen, Nephritis, Arthritis, Blutungsneigung, akuter Glomerulonephritis und Hepatitis sind möglich (Robert Koch-Institut, 2025a).
Von gesunden Kindern zu trennen sind andere Bevölkerungsgruppen wie Neugeborene, Erwachsene (insbesondere Raucher), Schwangere und immunkompromittierte Personen.
- Diese Bevölkerungsgruppen weisen eine höhere Rate an Komplikationen und damit auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für Hospitalisierungen und Todesfälle im Vergleich zu gesunden Kindern auf (Abro et al., 2009; Dooling et al., 2022; Robert Koch-Institut, 2025a).
- Die häufigste Windpocken-Komplikation stellt hierbei die virale Pneumonie dar (Dooling et al., 2022).
- In bis zu 20 % aller Erkrankungen bei Erwachsenen werden Superinfektionen festgestellt. Schwangere sind besonders von solchen zusätzlichen bakteriellen Infektionen gefährdet (Robert Koch-Institut, 2025a).
- Besonders für immunnaive Schwangere während des dritten Trimesters können Windpocken-Infektionen schwerwiegende Folgen z. B. in Form von Pneumonien haben. Gleiches gilt für den Fötus, wobei allerdings der Zeitpunkt der Infektion entscheidend ist. Eine Infektion im ersten oder zweiten Trimester wird als kongenitales Varizellensyndrom (CVS) bezeichnet und kann zu fetalen Anomalien wie narbigen Hautläsionen, Kontrakturen und Gliedmaßenhypoplasie führen. In fast der Hälfte der Fälle sind das zentrale Nervensystem (Mikrozephalie, Lähmungen, Krämpfe, Enzephalitis und geistige Entwicklungsverzögerung) sowie die Augen (Mikrophthalmie, Chorioretinitis, Katarakt, Horner-Syndrom) betroffen (Dooling et al., 2022). In einer prospektiven Studie in Deutschland und Großbritannien wurde die Häufigkeit des CVS vor Einführung der Impfung mit 0,4 % (bis Woche 13) sowie 2 % (Woche 13-20) ermittelt (Enders et al., 1994).
Abbildung 2: Flussdiagramm zur Darstellung des Infektionsverlaufs einer Windpocken-Infektion, eigene Darstellung. Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken.
Pathogenese
- Der Eintritt in den Körper erfolgt über die oberen Atemwege und die Bindehaut. Die Replikation erfolgt an der Eintrittsstelle über die Schleimhautepithelzellen im Nasen-Rachen-Raum und den regionalen Lymphknoten (Arvin, 2023; A. Lopez et al., 2024).
- Die primäre Virämie erfolgt 4-6 Tage nach Infektion mit Ausbreitung auf Leber, Milz, sensorische Ganglien. Anschließend folgt die sekundäre Virämie, welche die Haut betrifft (A. Lopez et al., 2024).
- Trotz zahlreicher Versuche ist bisher nicht geklärt, wie das VZV von den oberen Atemwegen in die Haut und die sensorischen Ganglien gelangt. Die Herausforderung besteht darin, dass VZV für den Menschen hochgradig artspezifisch ist (und sich die Immunprozesse während der Infektion somit von anderen Säugetieren unterscheiden). Wahrscheinlich spielen lokale T-Zellen (insbesondere Gedächtniszellen bzw. T-Lymphozyten) eine Rolle, in denen VZV sich replizieren (Sorel & Messaoudi, 2019; Arvin, 2023).
- VZV-infizierte T-Zellen könnten dann über die zellassoziierte Virämie zu Hautstellen gelangen. Dort vermehrt sich das VZV und tritt mittels infizierter T-Zellen aus den Kapillaren in der Nähe der Haarfollikelzellen aus (Arvin, 2023).
Prävention
- Die Meldepflicht besteht nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) seit 2013. Dem Gesundheitsamt müssen laut § 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod sowie laut § 7 Abs. 1 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von VZV namentlich gemeldet werden.
- Leiterinnen und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen sind nach § 34 Abs. 6 IfSG ebenfalls zu solchen Meldungen verpflichtet.
- Im häuslichen Umfeld sind für Patientinnen und Patienten sowie Kontaktpersonen laut RKI keine speziellen Maßnahmen notwendig. Immungeschwächte Personen sollten keinen Kontakt zu Erkrankten haben.
- Bei Einzelerkrankungen unter stationären Bedingungen gelten dieselben Regeln wie z. B. bei Mumps und Röteln: Erkrankte, stationäre Patienten sollen für die Dauer von 9 Tagen isoliert werden und bei Betreten des Isolierzimmers soll Schutzkleidung (Kittel, Einmalhandschuhe, Mund-Nasen-Schutz) getragen werden. Die Übertragungswahrscheinlichkeit ist bei Windpocken höher als bei Herpes Zoster, weswegen hier andere Regeln gelten (Robert Koch-Institut, 2025a).
- Wie z. B. bei Mumps und Röteln auch gilt für Gemeinschaftseinrichtungen, dass alle ungeimpften Personen, die an Windpocken erkrankt sind oder bei denen ein solcher Verdacht besteht, keinen Zutritt mehr erhalten sollen – die Wiederzulassung kann nach Abklingen der klinischen Symptome (frühestens 5 Tage nach Symptombeginn) bzw. bis zum Ausschluss der Weiterverbreitung des Virus erfolgen. Ähnliches gilt für Kontaktpersonen. Zweifach geimpfte Personen werden somit nicht ausgeschlossen, einfach geimpfte Personen nur im Alter von unter 18 Jahren und bei Kontakt zu Schwangeren und immunsupprimierten Personen ohne Mumps-Anamnese oder fehlender bzw. unsicherer Mumps-Immunität (kein IgG) (Robert Koch-Institut, 2025a).
- Desinfektionsmittel sind mit nachgewiesener Wirksamkeit laut der Liste des RKI anzuwenden (Robert Koch-Institut, 2025a).
- Falls das Ausbruchsgeschehen nicht eingedämmt werden kann, soll eine dritte MMR-Impfung bei zweifach geimpften Personen erwogen werden (Robert Koch-Institut, 2025a).
Prognose
- Windpocken (Varizellen) gelten wie Mumps als milde Kinderkrankheit (Gillard et al., 2021) mit ausgezeichneter Prognose (Saleh et al., 2025).
- Die Fallsterblichkeit (CFR) bei Kindern wird mit durchschnittlich 0,0043 % (4,3 pro 100.000 Einwohnern) angegeben. Wird die Häufigkeit von etwa 30 % asymptomatischen bzw. subklinischen Fällen einbezogen, liegt die Infektionssterblichkeit bei 0,00141 % (1,41 pro 100.000 Einwohner) (Kernbach-Wighton et al., 2003).
- Je nach Land und Altersgruppe fallen die Angaben zur Fallsterblichkeit leicht unterschiedlich aus: In den USA ist die Fallsterblichkeit bei Säuglingen (0,007 %) und Kindern im Alter von 1-14 Jahren (0,0014 %) etwas höher als in Australien (Fallsterblichkeit für Säuglinge 0,0005-0,0006 % und Kinder im Alter von 1-11 Jahren 0,0012 %) (Breuer & Fifer, 2011). Die geschätzte Fallsterblichkeit für Europa in allen Ländern und Altersgruppen liegt bei 0,2 pro 100.000 Einwohnern (0,0002 %) (Riera-Montes et al., 2017). Mit eine der niedrigsten Fallsterblichkeiten hatte Deutschland vor Einführung der Impfung 2003/2004 mit 0,04 je 100.000 Kindern pro Jahr (0,00004 %) (Grote et al., 2008).
- Die Gefährlichkeit für Erwachsene liegt etwa 20-30x höher (bezogen auf die Fallsterblichkeit 0,086-0,129 %) (Kernbach-Wighton et al., 2003).
Risikofaktoren
Als Risikofaktoren für den Erwerb einer Infektion gelten (Qin et al., 2020):
- Negativer Windpocken-Impfstatus
- Längere Zeitspanne seit der letzten Windpocken-Impfung
Außerdem gehen folgende Faktoren mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf (z. B. Varizellen-Pneumonie) einher (Médart et al., 2018; A. Lopez et al., 2024):
- Immunschwäche (inkl. HIV)
- Schwangerschaft
- Starkes Rauchen
- Höheres Alter
- Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
- Schwererer Hautausschlag
Therapie
- Die Behandlung dient der Linderung der Symptome (z. B. des Juckreizes) (Saleh et al., 2025).
- Es gibt keine wirksamen antiviralen Mittel. Aciclovir, das unter anderem auch als rezeptfreie Creme gegen Lippenherpes und als rezeptpflichtige Tabletten und Augensalben bei Herpes-simplex-Viren eingesetzt wird, hat laut einem systematischen Review bei gesunden Kindern und Erwachsenen möglicherweise einen Effekt zur Reduzierung der Krankheitsdauer bei Gabe innerhalb von 24 Stunden nach Ausbruch von Hautausschlägen, der über den eines Placebos hinausgeht – dieser ist jedoch so gering, dass er von eher unbedeutender klinischer Wichtigkeit ist. Intravenöse Gaben von Aciclovir sind bei immungeschwächten Kindern aufgrund der schlechten Prognose ohne Behandlung und die geringe Anzahl der Nebenwirkungen indiziert (Cohen & Breuer, 2015; Robert Koch-Institut, 2025a; Saleh et al., 2025).
- Acetylsalicylsäure (Aspirin®) sollte nicht zur Fiebersenkung eingesetzt werden, da das Risiko für die Entwicklung des Reye’s Syndrom besteht (Pinsky et al., 1988; Ward, 1997; Belay et al., 1999).
Epidemiologie
- Vor Einführung des Impfprogramms haben sich nahezu alle Kinder unter 15 Jahren (> 90 %) mit Windpocken infiziert und praktisch alle Erwachsenen über 40 Jahren (> 99 %) wiesen VZV-spezifische Antikörper auf (Marin et al., 2008; Shah et al., 2024).
- Generell wird von einer Untererfassung der Komplikationen von Windpocken ausgegangen. Dafür kommen verschiedene Ursachen infrage wie z. B. Fehler in der Kodierung (ICD-Codes) von Versorgungsdaten oder bestimmten Bevölkerungsgruppen, die bei Windpocken-Komplikationen keine Versorgung in Anspruch nehmen (Piazza et al., 2021; Zhou et al., 2022; Joint Committee on Vaccination and Immunisation, 2023).
Weltweit:
- VZV sind weltweit endemisch und weisen eine saisonale Verbreitung im Winter und Frühjahr auf (Robert Koch-Institut, 2025a).
- Vor Einführung der Impfung gab es jährlich in den USA schätzungsweise 4 Millionen Fälle (15-16 pro 1000 Einwohner) mit einem Peak in der Altersgruppe der 5- bis 9-Jährigen sowie 10.632 Hospitalisierungen (Spanne: 8.198-16.586 bzw. 2,3-6,3 pro 100.000 Einwohner). Kinder unter 5 Jahren machten 43-44 % der Hospitalisierungen aus, Erwachsene ab 20 Jahren 32-33 %. Die häufigsten Komplikationen betrafen Haut- und Weichteilinfektionen, Lungenentzündung, Dehydrierung und Enzephalitis (Marin et al., 2008).
- Durch die Impfung hat sich die Inzidenz der Erkrankung (∼90 %, in den anfälligen Altersgruppen noch mehr) sowie deren Komplikationen (∼88 %), weltweit stark verringert (Marin et al., 2008).
- Die meisten Studien (USA, Deutschland, Dänemark) zeigen keinen Anstieg der Varizellen-Inzidenz hin zu älteren Kindern und Jugendlichen (Altersverschiebung) bei einer hohen Impfquote (>80 %) und einem 2-Dosis-Impfschema (Baxter et al., 2014; García Cenoz, 2014; Wutzler et al., 2017; C. Burgess et al., 2023; Moek & Siedler, 2023).
- Es könnte jedoch sein, dass die Windpocken-Impfung zu einem Anstieg der Herpes-Zoster-Inzidenz aufgrund fehlender wiederholter Immunkontakte mit dem VZV geführt hat. Dazu gibt es bisher widersprüchliche Ergebnisse (Papaloukas et al., 2014; Horn et al., 2016; Marra et al., 2016; Forer et al., 2023). Weitere Informationen zu Herpes Zoster (Gürtelrose) finden sich hier.
Europa:
- Das European Centre for Disease Prevention and Control veröffentlicht keine jährlichen epidemiologischen Berichte (AERs) zu Windpocken (European Centre for Disease Prevention and Control, 2025a). Nur vergleichsweise wenige EU/EEA-Länder (13 von 30) weisen allgemeine Impfempfehlungen gegen Windpocken auf, weswegen anders als in Deutschland in den meisten europäischen Ländern Windpocken-Fälle gewöhnlich sind (European Centre for Disease Prevention and Control, 2025b).
- Die Windpocken-bedingte Hospitalisierungsrate in Europa liegt (bezogen auf alle Altersgruppen) zwischen 1,3 und 5,3 pro 100.000 Einwohnern, bei Kindern unter 14-17 Jahren (je nach Studie) bei durchschnittlich 14,1-28 pro 100.000. Eine Studie aus UK/Irland fand eine Hospitalisierungsrate von 0,82 pro 100.000 Kindern unter 16 Jahren, da die Komplikationen auf Pneumonie, Bakteriämie/septischer Schock, Enzephalitis, Ataxie, toxisches Schocksyndrom, nekrotisierende Fasziitis, Purpura fulminans, fulminante Varizellen und neonatale Varizellen beschränkt wurde. Andere Studien, die wesentlich höhere Hospitalisierungsraten zeigen, schätzen die jährliche Anzahl an Windpocken-Fälle basierend auf Seroprävalenz-Studien, da z. B. keine Meldepflicht besteht oder das System hohe Untererfassungsquoten aufweist. Generell muss beachtet werden, dass die Daten aus europäischen Ländern aufgrund unterschiedlicher Definitionen und Systeme schwer miteinander zu vergleichen sind (Helmuth et al., 2015).
Deutschland:
- Vor der allgemeinen Impfempfehlung gab es durchschnittlich schätzungsweise 750.000 Windpocken-Erkrankungen pro Jahr (Robert Koch-Institut, 2025a). Die jährlich seit 2013 gemeldeten Windpocken-Fälle liegen zwischen 6.593 (2021) und 25.419 (2016) – hierbei muss die Untererfassung im Zuge der COVID-19-Pandemie von 2020 bis 2023 beachtet werden (s. Abbildung 3 & 4).
Abbildung 3: Windpocken-Fälle in Deutschland von 2013 bis 2024 nach IfSG-Meldepflicht laut SurvStat@RKI2.0 (Robert Koch-Institut, 2025b). Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken.
Abbildung 4: Windpocken-Fälle in Deutschland nach Altersgruppen in den Jahren 2013 bis 2024 (mit Datenbeschriftung für die drei Altersgruppen mit den häufigsten Windpocken-Fällen) laut SurvStat@RKI2.0 basierend auf der IfSG-Meldepflicht (Robert Koch-Institut, 2025b). Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken.
- Die altersbereinigte Hospitalisierungsrate sank von schätzungsweise 3,3 pro 100.000 Einwohnern vor Einführung der Impfung auf 1,9 pro 100.000 Einwohnern nach der Einführung der Impfung (Siedler & Dettmann, 2014).
- Laut der prospektiven landesweiten Überwachung in allen pädiatrischen Krankenhäusern der Erhebungseinheit für Seltene Pädiatrische Erkrankungen in Deutschland (ESPED) lag die Hospitalisierungsrate aufgrund von Windpocken von Januar 2003 bis Dezember 2004 (also vor Einführung der Impfung) bei 14,1 pro 100.000 Kindern (KI 95 %, 9,7-18,6 %) (Liese et al., 2008). Durch die Impfung hat sich die geschätzte Hospitalisierungsrate bei Kindern unter 17 Jahren von 7,6-12,1 pro 100.000 (2005 bis 2008) auf 4,3 pro 100.000 (2009) verringert (Streng et al., 2013).
- Laut Todesursachenstatistik verstarben von 1998 bis 2002 durchschnittlich 6 Personen an Varizellen (arznei-telegramm, 2004).
- Da die Mortalität sowohl vor als auch nach Einführung der Impfung extrem niedrig lag, ist ein Vergleich schwierig. Womöglich hat die Impfung das Mortalitätsrisiko weiter verringert, aber es ist fraglich, ob dieser Nutzen aufgrund der Seltenheit von Todesfällen durch Windpocken tatsächlich nachweisbar ist (Kauffmann et al., 2020).
Zugelassene Impfstoffe
- Derzeit stehen vier Impfstoffe gegen Windpocken zur Verfügung, davon zwei Mono- und zwei Kombinations-Impfstoffe mit Masern-, Mumps- und Röteln-Komponente (s. Tabelle 2).
- Da es sich bei allen Windpocken-Impfungen um attenuierte Lebendimpfstoffe handelt, werden keine Adjuvantien als Wirkverstärker benötigt.
- Zur Geschichte der Impfung: Der erste Windpocken-Impfstoff (Varilrix®) wurde bereits 1984 in Deutschland zugelassen (Paul-Ehrlich-Institut, 2025). Die generelle Impfempfehlung gegen Windpocken mit einer Impfdosis wurde in Deutschland erst 20 Jahre später (2004) ausgesprochen. 5 weitere Jahre später wurde eine zweite Impfdosis in den Impfplan mit aufgenommen. Deutschland zählt damit zu den wenigen Ländern weltweit, welche die Windpocken-Impfung in den nationalen Immunisierungsplan aufgenommen haben (Moek & Siedler, 2023).
Impfstoffname Komponenten Zugelassen ab (Alter) Inhaltsstoffe Priorix-Tetra® Masern, Mumps, Röteln, Windpocken 11 Monaten Eine Dosis (0,5 ml) enthält nach Rekonstitution: Masern-Virus Stamm Schwarz (lebend, attenuiert, mind. 1 x 103 ZKID50, gezüchtet in Hühnerembryozellen), Mumps-Virus Stamm RIT 4385 abgeleitet vom Stamm Jeryl-Lynn (Level B, lebend, attenuiert, mind. 104,4 ZKID50, gezüchtet in Hühnerembryozellen) Röteln-Virus Stamm Wistar RA 27/3 (lebend, attenuiert, mind. 103 ZKID50, gezüchtet in humanen diploiden Zellen MRC-5), Varicella-Viren Stamm OKA (lebend, attenuiert, mind. 103,7 PBE – Plaque-bildende Einheiten, gezüchtet in humanen diploiden Zellen MRC-5); sonstige Bestandteile: 14 mg Sorbitol, Aminosäuren, Lactose (wasserfrei), Mannitol, Sorbitol, Medium 199, Wasser für Injektionszwecke ProQuad® Masern, Mumps, Röteln, Windpocken 12 Monaten Eine Dosis (0,5 ml) enthält nach Rekonstitution: Masern-Virus Stamm Schwarz (lebend, attenuiert, mind. 1 x 103 ZKID50, gezüchtet in Hühnerembryozellen), Mumps-Virus, Stamm RIT 4385 abgeleitet vom Stamm Jeryl-Lynn (Level B, lebend, attenuiert, mind. 104,3 ZKID50, gezüchtet in Hühnerembryozellen) Röteln-Virus Stamm Wistar RA 27/3 (lebend, attenuiert, mind. 103 ZKID50, gezüchtet in humanen diploiden Lungenfibroblasten WI-38), Varicella-Viren Stamm OKA (lebend, attenuiert, mind. 103,99 PBE – Plaque-bildende Einheiten, gezüchtet in humanen diploiden Zellen MRC-5); sonstige Bestandteile: Saccharose, hydrolysierte Gelatine, Natriumchlorid, 16 mg Sorbitol (E 420), Natriumglutamat, Natriumphosphat, Natriumhydrogencarbonat, Kaliumphosphat, Kaliumchlorid, Medium 199 mit Hanks' Salzen, Minimum Essential Medium, Eagle (MEM), Neomycin, Phenolrot, Salzsäure (zur pH-Einstellung), Natriumhydroxid (zur pH-Einstellung), Harnstoff, rekombinantes Humanalbumin (Spuren), Wasser für Injektionszwecke Varilrix® Windpocken 9 Monaten Eine Dosis (0,5 ml) enthält: Varicella-Viren OKA Stamm (lebend, attenuiert, mindestens 103,3 PBE – Plaque-bildende Einheiten, gezüchtet in humanen diploiden Zellen MRC-5), Sorbitol 6 mg; sonstige Bestandteile:Pulver – Aminosäuren (enthält 331 Mikrogramm Phenylalanin), Lactose (wasserfrei), Mannitol (E 421), Sorbitol (E 420); Lösungsmittel – Wasser für Injektionszwecke; enthält Spuren von Neomycinsulfat Varivax® Windpocken 9 Monaten Eine Dosis (0,5 ml) enthält: Varicella-Viren OKA Stamm (lebend, attenuiert, mindestens 103,5 PBE – Plaque-bildende Einheiten, gezüchtet in humanen diploiden Zellen MRC-5); sonstige Bestandteile: Pulver – Saccharose, Hydrolysierte Gelatine, Harnstoff, Natriumchlorid, Natriumglutamat, Wasserfreies Natriummonohydrogenphosphat, Kaliumdihydrogenphosphat, Kaliumchlorid; Lösungsmittel – Wasser für Injektionszwecke; enthält Spuren von Neomycin Tabelle 1: In Deutschland zugelassene Einzel- und Kombinationsimpfstoffe gegen Windpocken und ihre Inhaltsstoffe (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2019, 2021, 2025; European Medicines Agency, 2025c)
Zulassungsstudien:
Im Unterschied zu vielen anderen Impfungen gibt es bei den Windpocken-Einzelimpfstoffen neben dem Nachweis der Immunogenität in den Zulassungsstudien auch einen relativen (!) Nachweis der Wirksamkeit. Dieser Nachweis stützt sich bei den Kombinations-Impfstoffen von GSK und MSD auch jeweils auf die Daten zu den Einzel-Impfstoffen mit demselben Impfstamm.
- Priorix-Tetra® (GSK): Die Wirksamkeit von Priorix-Tetra® und Varilrix® wurde in einer großen, randomisierten, multizentrischen Studie in mehreren Ländern in Europa mit Kindern im Alter von 12 bis 22 Monaten überprüft. Als aktive Kontrolle wurde der Impfstoff Priorix® (kein echtes Placebo) verwendet. Als Endpunkt galten epidemiologisch oder mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) bestätigte Windpocken-Fälle jeglichen Schweregrades. Die mediane Beobachtungsdauer betrug 3,2 Jahre, die Langzeitbeobachtung median 6,4 bzw. 9,8 Jahre. Dahingehend ergaben sich Wirksamkeiten gegen jegliche Art der Varizellen-Erkrankung von 94,9 %, 95,0 % bzw. 95,4 % sowie gegen mittelschwere oder schwere Arten der Varizellen-Erkrankung von 99,5 %, 99,0 % bzw. 99,1 %. Zur Immunogenität: Etwa 2.000 zuvor ungeimpfte Kinder im Alter von 11 bis 23 Monaten wurden in drei klinischen Studien (insgesamt fünf europäische Länder: Österreich, Finnland, Deutschland, Griechenland, Polen) auf die Ausbildung von Antikörpern (ELISA 50 mI.E./ml) nach der Verabreichung von zwei Dosen Priorix-Tetra® untersucht. Gemittelt 89,4 % (nach der ersten Impfung) bzw. 99,2 % (nach der zweiten Impfung) der Kinder entwickelten ausreichende Antikörperwerte. Die geometrischen Mittelwerte der Titer (GMC/GMT) lagen bei 112,0 bzw. 2403,9 (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2019).
- ProQuad® (MSD): Formale Effektivitätsstudien mit Proquad® wurden nicht durchgeführt. Stattdessen wird in der Fachinformation auf die nachgewiesene Wirksamkeit von Varivax® (dem Windpocken-Einzelimpfstoff von MSD) verwiesen (es wird derselbe Impfstamm von Windpocken im Einzel- und Kombinationsimpfstoff von MSD verwendet). Kombinierte klinische Studien ergaben laut Fachinformation eine relative Wirksamkeit des Einzelimpfstoffs gegen alle Formen von Varizellen bei gesunden Kindern von 81 bis 100 % (für weitere Informationen dazu s. Varivax®). Eine große Fall-Kontroll-Studie ergab eine relative Wirksamkeit von 86 % vor allen Formen und 97 % gegen mittelschwere bis schwere Krankheitsverläufe. Der Unterschied in der Wirksamkeit über einen Untersuchungszeitraum von 10 Jahren war zwischen einer Dosis (94 %) und zwei Dosen (98 %) nur geringfügig (p < 0,001). In einer prospektiven Langzeit-Kohortenstudie (14 Jahre, n=7.600) war die Varizellen-Inzidenz bei den geimpften Probanden etwa 10-fach geringer. Zur Immunogenität: Klinische Studien konnten nach der Verabreichung von ProQuad® und Varivax® eine vergleichbare Seroprotektionsrate ≥ 5 gpELISA-Einheiten/ml) ermitteln. In einer klinischen Studie mit 1.620 ProQuad® geimpften Probanden im Impfschema 9 und 12 Monate, 11 und 14 Monate oder 12 und 15 Monate betrug die Serokonversionsrate 93,1 %, 97,0 % bzw. 96,5 % nach der ersten und 100 % (bei jedem Impfschema) nach der zweiten Impfdosis. In klinischen Studien mit 6.987 Probanden lag der Anteil der geimpften Personen mit ausreichenden Antikörpern zwischen 97,9 und 99,8 %. Auch nach zehn Jahren soll der Großteil der geimpften Personen noch nachweisbare Antikörperwerte aufweisen (wobei hier wieder auf Varivax® verwiesen wird) (European Medicines Agency, 2025c).
- Varilrix® (GSK): Die Wirksamkeit von Varilrix® in der Zulassungsstudie (zum Design s. unter Priorix-Tetra®) wurde mit 65,4 % (Jahr 2), 67 % (Jahr 6) bzw. 67,2 % (Jahr 10) gegen jegliche Art der Varizellen-Erkrankung und 90,7 %, 90,3 % bzw. 89,5 % gegen mittelschwere oder schwere Arten der Varizellen-Erkrankung berechnet. Die Wirksamkeit gegen jegliche Art der Varizellen-Erkrankung lag somit deutlich niedriger als bei Priorix-Tetra®. Die Wirksamkeit einer Dosis Varilrix wurde laut Fachinformation in verschiedenen Studien (zu Ausbrüchen, Fall-Kontroll-Studien, Datenbanken-Studien) geschätzt und reichte von 20 bis 92 % (jegliche Art) bzw. 86 bis 100 % (mittelschwere bis schwere Art). Zur Immunogenität: Bei Kindern zwischen 11 und 21 Monaten liegt die Serokonversionsrate gemessen mit ELISA 6 Wochen nach der ersten Impfung bei 89,6 % und 6 Wochen nach der zweiten Impfung bei 100 %. Die intramuskuläre sowie subkutane Verabreichung lösen eine ähnliche Immunantwort aus (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2021).
- Varivax® (MSD): Bei Kindern unter 12 Monaten wurde die klinische Wirksamkeit nicht untersucht. Bei Kindern im Alter von 12 Monaten bis 12 Jahren wurde in drei verschiedenen Studien eine Einzeldosis mit unterschiedlichen Formulierungen in Dosen von ca. 1.000 bis 17.000 plaquebildenden Einheiten (PBE) die relative Wirksamkeit untersucht. 1. Eine Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie mit 956 Probanden ergab eine Wirksamkeit von 95-100 % bei 17.430 PBE (das Placebo war jedoch mit 45mg/ml Neomycin ein Antibiotikum) (Weibel et al., 1984). 2. Eine Haushaltsstudie über einen Beobachtungszeitraum von 7 bis 9 Jahren mit 259 Probanden ergab eine Wirksamkeit von 81-88 % (1.000 bis 9.000 PBE). 3. Eine Vergleichsstudie mit 5.404 Probanden zur Windpockenhäufigkeit von geimpften Personen über einen Zeitraum von 7 bis 9 Jahren mit historischen Kontrollen von 1972 bis 1978 ergab eine Effektivität von 83 bis 94 % (1.000 bis 9.000 PBE). Außerdem wurde in einer Langzeitstudie (10 Jahre) die Wirksamkeit einer zweiten Varizellen-Impfdosis untersucht. Die Wirksamkeit lag bei 98 % im Vergleich zu 94 % bei nur einer Impfung. Eine weitere Studie untersuchte die Wirksamkeit über 6 bis 7 Jahre bei Personen ab 13 Jahren, die mit zwei Dosen geimpft wurden und innerhalb des Haushalts mit Windpocken exponiert waren. Die relative Wirksamkeit lag zwischen 80 und 100 % (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2025).
Impfquote
- Laut Schuleingangsuntersuchung 2020 (Kinder im Alter von 4-7 Jahren, Geburtsjahrgänge 2012 bis 2015) beträgt die Impfquote in Deutschland 88,9 % (1. Dosis) bzw. 85,1 % (2. Dosis) (Robert Koch-Institut, 2022).
Effektivität und Impfstrategie
Die für die Zulassung bzw. vor der Impfempfehlung veröffentlichten Daten zur Windpocken-Impfung weisen teils gravierende Mängel auf.
- Wie unter Zulassungsstudien beschrieben, nutzte die einzige Placebo-kontrollierte Studie an Kindern keine inaktive, sondern eine höchst reaktogene Substanz – ein Antibiotikum (Neomycin). Damit entsteht ein so gravierender Performance Bias, dass die Daten zur Sicherheit des Impfstoffs in der Studie nicht nutzbar sind – denn die Nebenwirkungen des Antibiotikums verschleiern die Nebenwirkungen der Impfungen vollkommen.
- Eine vom Pharma-Unternehmen GSK (Hersteller von Varilrix® und Priorix-Tetra®) gesponserte Studie in Form einer Telefonbefragung von Arztpraxen (Pädiatrie, Allgemeinmedizin und Innere Medizin) mit anschließender Hochrechnung ergab eine extrem hohe Komplikationsrate von 5,7 % nach Windpocken-Infektion. Es wurden jedoch auch Komplikationen wie Otitis media (1 %) und Bronchitis (1 %) einbezogen (die insgesamt über 1/3 aller Komplikationen ausmachten), von denen man weiß, dass sie nicht mit einer Windpocken-Infektion in Verbindung stehen. Von derselben Arbeitsgruppe stammt auch die aus US-amerikanischen Untersuchungen abgeleitete Anzahl von 22 Windpocken Todesfällen pro Jahr in Deutschland (die im Widerspruch zur Todesursachenstatistik steht, s. Prognose). Diese Daten bildeten die Grundlage der Kosten-Nutzen-Analyse des Impfstoffes von GSK, nach der eine Durchimpfungsrate von 85 % mehr als 600.000 Erkrankungen, knapp 33.000 Komplikationen (4.700 schwerwiegend) und 18 Todesfälle sowie 50 Millionen Euro sparen würde (arznei-telegramm, 2004).
Bis 2018 haben 36 Länder weltweit (darunter die USA 1995 als erstes Land weltweit und Deutschland 2004 als erstes Land in Europa) eine allgemeine Impfempfehlung gegen Windpocken ausgesprochen. In vielen der Länder gibt es jedoch keine Daten über die Auswirkungen dieser Entscheidung (Varela et al., 2018).
- In den USA hat sich die allgemeine Hospitalisierungsrate geschätzt (!) von 4,2 pro 100.000 auf 1,2 pro 100.000 (bei allgemeiner Empfehlung einer Impfdosis) reduziert, wobei die Verringerung in der Altersgruppe der Kinder unter 4 Jahren noch größer war (A. S. Lopez et al., 2011). Nachdem immer wieder Ausbrüche mit Windpocken in hochgeimpften Bevölkerungen den USA festgestellt wurden und Forscher von einem Impfversagen sprachen (Galil et al., 2002; B. R. Lee et al., 2004; Tugwell et al., 2004), wurde schließlich 2006 eine zweite Impfdosis in das Impfprogramm aufgenommen. Dies führte nicht nur zu einer signifikanten Reduktion der Anzahl, des Ausmaßes und der Dauer von Varizellen-Ausbrüchen (Leung et al., 2015), sondern auch zur Reduktion der Hospitalisierungsraten um 85 bis 93 % im Vergleich zum Zeitraum vor der Impfung (Bialek et al., 2013; Leung & Harpaz, 2016).
- In Deutschland wurde eine Impfdosis 2004, die zweite Impfdosis 2009 empfohlen. Eine Sentinel-Überwachung im Zeitraum der Impfempfehlung gegen Varizellen mit einer Impfdosis (2005 bis 2009) bei Kindern > 11 Monaten ergab eine Reduktion komplizierter Windpocken-Verläufe (definiert als krankenhauspflichtig oder mit Antibiotika behandlungsbedürftig) um 81 % (Spackova et al., 2010). Eine weitere Studie mit Sentinel-Daten im gleichen Zeitraum ergab eine Reduktion der Fallzahlen um 55 % in allen Altersgruppen, 63 % im Alter von 0 bis 4 Jahren und 38 % im Alter von 5-9 Jahre (Siedler & Arndt, 2010). Eine deutsche Fall-Kontroll-Studie ergab eine Reduktion PCR-bestätigter Erkrankungen mit einer Impfdosis Varilrix® um 71,5 % (adjustiert 86,4 %) und bei moderaten bis schweren Erkrankungen um 94,7 % (adjustiert 97,7 %) (Liese et al., 2013). Studien mit Sentinel-Daten und Daten von Krankenkassen zur zweiten Impfdosis ergaben eine Verringerung der Inzidenz bei Kindern im Alter von 1-4 Jahren bis 2014 um 97,3 % (95 % KI, 97,0-97,6 %) (Siedler et al., 2016). Eine Analyse von Krankenkassendaten im Zeitraum von 2006 bis 2016 ergab eine Schutzdauer der Impfung von mindestens 8 Jahren und ein doppelt so hohes Risiko für ungeimpfte Kinder an Varizellen in einem Gebiet mit niedriger Impfquote zu erkranken (Rieck et al., 2017).
- Nicht zu vergessen sind die Ergebnisse des systematischen Cochrane-Reviews über die Varizellen-Impfstoffe. Bei einer hohen Vertrauenswürdigkeit in die vorhandene Evidenz folgern die Studienautoren aus den 14 eingeschlossenen Studien (3 RCTs, 4 Kohortenstudien, 4 Fall-Kontroll-Studien, 4 ökologische Case-only-Studien) eine Impfstoffeffektivität gegen jegliche Art von Varizellen von 95 % nach zwei Impfdosen bei Kindern im Alter von 11 bis 22 Monaten mit 10-jähriger Nachbeobachtung (Pietrantonj et al., 2021).
Forscher gehen davon aus, dass die Windpocken-Impfung eine Herdenimmunität erzielen kann, da die Impfung die Zirkulation des Wild-Virus stark verringert und so eine Reduktion der Inzidenz in Altersgruppen erreicht wird, die nicht geimpft werden können (z. B. Säuglinge bzw. Kinder, die jünger als 11-12 Monate sind, und immunkompromittierte Personen, die nicht geimpft werden können). Dafür ist jedoch eine hohe Impfquote mit zweimaliger Impfung notwendig (Chaves et al., 2011; Khandaker et al., 2011; Gershon et al., 2021).
Die entstehende Herdenimmunität war aber wahrscheinlich auch der Grund, warum der britische National Health Service bzw. das ihm unterstehende Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI) lange Zeit (bis Ende 2023) keine Impfempfehlung ausgesprochen hat: Es wurde befürchtet, dass die verringerte Zirkulation des Wild-Virus und damit einhergehend weniger bis keine Auffrischungskontakte mit dem VZV zu einer Erhöhung der Herpes-Zoster-Inzidenz bei Erwachsenen führen würde (Gershon, 2017; Y. H. Lee et al., 2022; UK Health Security Agency, 2023).
- Seit Einführung der Impfempfehlung in Großbritannien werden Bedenken bezüglich zu geringer Impfquoten laut, die benötigt werden, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Dies liegt auch an der Wahrnehmung von Eltern, dass es sich bei Windpocken um eine generell milde Erkrankung handelt. Daher empfehlen Experten, dass die potentiellen Risiken von Windpocken hervorgehoben werden sollten, um die Impfquoten zu steigern (Jordan et al., 2025; Thomas, 2025).
- Während Großbritannien derzeit die MMRV-Impfung einführt (diese soll ab Januar 2026 zur Verfügung stehen), läuft die Entwicklung in den USA unter Führung von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy in die gegensätzliche Richtung. Das Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) hat im September 2025 aufgrund des leicht höheren Risikos für Fieberkrämpfe nach MMRV-Impfung für eine Nutzung der MMR-Impfung mit separater Gabe der Windpocken-Einzelimpfung gestimmt (U.S. Department of Health & Human Services, 2025).
- Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in ihrem Positionspapier von 2014 (aktuellste Version), dass adäquate Überwachungssysteme vorhanden sein sollten bevor eine Kinder-Impfung gegen Windpocken in einem Industrieland eingeführt wird. Länder, in denen Windpocken eine erhebliche Belastung der öffentlichen Gesundheit darstellen und in denen Ressourcen vorhanden sind, um eine Impfquote über 80 % zu erreichen (ansonsten könne es zur Altersverschiebung von Komplikationen kommen), können eine allgemeine Impfempfehlung in Betracht ziehen. Die “erhebliche Belastung der öffentlichen Gesundheit” wird jedoch nicht genauer definiert. Eine allgemeine Empfehlung spricht die WHO also nicht aus (World Health Organization, 2014).
Zwei Fragen bleiben zur Effektivität und Impfstrategie abschließend zu klären: Hat die Einführung der Impfung wie bei Mumps trotz hoher Impfquoten eine Verschiebung der Komplikationen in ein höheres Alter bedingt? Führt die Windpocken-Impfung für ältere Erwachsene zu einem höheren Risiko, an Herpes Zoster zu erkranken?
Altersverschiebung des Komplikationsrisikos:
- Die WHO stellt fest: „Da die Komplikationsraten bei Erwachsenen höher sind als bei Kindern, könnte eine Verschiebung des Spitzenalters der Infektion nach oben zu einem leichten Anstieg der Gesamtmorbidität führen, auch wenn die Gesamtzahl der Fälle zurückgehen würde. […] Die Varizelleninzidenz bei älteren Kindern und Erwachsenen blieb jedoch deutlich unter den Raten, die in der Zeit vor der Impfung gemeldet wurden“ (Übersetzung des Verfassers). Eine Modellierungsstudie der WHO ergab langfristig nur bei Impfquoten zwischen 30 und 70 % das Risiko einer Altersverschiebung (World Health Organization, 2014).
- Wahrscheinlich ist, dass sich das Haupterkrankungsalter in Industrieländern nur leicht verschoben hat – von den 3- bis 6-Jährigen zu den 9- bis 11-Jährigen. Allerdings könnte sich schon dadurch das Komplikationsrisiko leicht erhöht haben (Papaloukas et al., 2014).
- Eine Altersverschiebung in Richtung der Erwachsenen, die wesentlich häufiger kritische Verläufe zu befürchten haben als Kinder, kann in den US-Studien mit den längsten Zeiträumen (bis 25 Jahre) jedoch nicht beobachtet werden (Baxter et al., 2014; Marin et al., 2022).
- Nach wie vor nicht ausgeschlossen durch die vorhandene Evidenz ist jedoch das theoretische Risiko einer nachlassenden Immunität (sekundäres Impfversagen) über längere Zeiträume (Marin et al., 2022). Dies kann erst die Erfahrung (insbesondere in den USA, die als erstes eine allgemeine Impfempfehlung eingeführt haben) über die nächsten Jahrzehnte zeigen (derzeit stehen kaum Daten zur Verfügung) (Bonanni et al., 2013).
Höheres Herpes-Zoster-Risiko im Erwachsenenalter:
- Der Anstieg der Herpes-Zooster-Inzidenz wird mit der VZV-Boosting-Hypothese begründet, wonach wiederholter Kontakt mit dem Wild-Virus zu einer Auffrischung der Immunität und damit geringerem Risiko für Herpes Zoster führt. Die Impfung verhindert diese Auffrischung der Immunität (Varela et al., 2018).
- Laut WHO haben in vielen Industrieländern (Australien, Kanada, Japan, Spanien, Großbritannien, USA) Studien auf einen Anstieg der Inzidenz von Herpes Zoster hingewiesen. In Ländern mit einem Varizellen-Impfprogramm habe der Anstieg jedoch bereits Jahre vor der Einführung des Impfstoffs aus nicht bekannten Gründen stattgefunden. Studien zum Auffrischungseffekt durch wiederholte Wild-Virus-Expositionen seien dagegen widersprüchlich (World Health Organization, 2014).
- Neuere Studien kommen ebenfalls zu uneinheitlichen Ergebnissen hinsichtlich der Erhöhung der Herpes-Zoster-Inzidenz und damit verbunden Komplikationen durch die Windpocken-Impfung, auch wenn es inzwischen stärkere Evidenz für den Auffrischungseffekt durch das Wild-Virus („Exogenous Boosting Hypothesis“) gibt (Heywood et al., 2014; Ogunjimi et al., 2015; Varela et al., 2018; Harder & Siedler, 2019; Marin et al., 2022; Forer et al., 2023; Yoshikane et al., 2024).
- Eine Modellierung deutscher Forscher nimmt einen Anstieg der Herpes-Zoster-Inzidenz um 20 % für mindestens 50 Jahre in der deutschen Bevölkerung an. Eine niedrige Impfquote von 20 % – wie sie auch aktuell noch besteht (Deutsches Ärzteblatt, 2025) – kann diesen Effekt der Windpocken-Impfung auch nicht auffangen (Horn et al., 2016).
- Wie bei der Altersverschiebung muss auch bei dem Einfluss auf die Herpes-Zoster-Inzidenz die mögliche nachlassende Immunität (sekundäres Impfversagen) der Impfung berücksichtigt werden. Das gilt umso mehr für die Kinder, die im Kindesalter gegen Windpocken geimpft wurden und dann nach mehreren Jahrzehnten in das für Herpes Zoster anfällige Alter kommen. Ob es ein sekundäres Impfversagen nach zwei Impfdosen gibt und wie stark dieses ausgeprägt ist, ist nicht gut untersucht (Bonanni et al., 2013).
Nebenwirkungen
Impfstoff Sehr häufig (>1/10) Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10) Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100) Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000) Unbekannt / weitere mögliche Nebenwirkungen / Post-Marketing-Surveillance Priorix-Tetra® Schmerzen und Rötung an der Injektionsstelle, Fieber (rektal: ≥ 38°C bis ≤ 39,5°C; axillar/oral: ≥ 37,5°C bis ≤ 39°C) Reizbarkeit, Hautausschlag, Schwellung an der Injektionsstelle, Fieber (rektal: > 39,5°C; axillar/oral: > 39°C) Infektion der oberen Atemwege, Lymphadenopathie, Appetitlosigkeit, Schreien, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schnupfen, Parotisvergrößerung, Durchfall, Erbrechen, Lethargie, Unwohlsein, Müdigkeit Mittelohrentzündung, Fieberkrämpfe, Husten, Bronchitis, Leukozytose, Lymphadenopathie Meningitis, Herpes Zoster*, masernähnliches Syndrom, mumpsähnliches Syndrom (einschließlich Orchitis, Epididymitis und Parotitis), Thrombozytopenie, thrombozytopenische Purpura, Allergische Reaktionen, einschließlich anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen, Enzephalitis, Zerebellitis, Schlaganfall, GuillainBarré-Syndrom, transverse Myelitis, periphere Neuritis, zerebellitisähnliche Symptome (einschließlich vorübergehende Gangstörungen und vorübergehende Ataxie), Vaskulitis, Erythema exsudativum multiforme, windpockenähnlicher Hautausschlag, Arthralgie, Arthritis, Lymphadenitis, Thrombozytopenie ProQuad® Fieber, Erythem oder Schmerz/ Druckschmerz/ Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle Reizbarkeit, Diarrhoe, Erbrechen, masernartiger Ausschlag, Ausschlag, windpockenartiger Ausschlag, Ekchymose oder Schwellung an der Injektionsstelle, Ausschlag an der Injektionsstelle Ohreninfektion, Gastroenteritis, Otitis media, Pharyngitis, Virusinfektion, viraler Hautausschlag, verminderter Appetit, Weinen, Schlafstörung, Fieberkrampf*, Somnolenz, Husten, Atemwegkongestion, Rhinorrhoe, Dermatitis (einschließlich Kontaktdermatitis und atopischer Dermatitis), rötelnartiger Ausschlag, Urtikaria, Erythem, Asthenie, Ermüdung, Blutung an der Injektionsstelle, Verhärtung an der Injektionsstelle, Raumforderung an der Injektionsstelle, Unwohlsein Cellulitis, Atemwegsinfektion, Hautinfektion, Tonsillitis, Windpocken, virale Konjunktivitis, Leukozytose, Lymphadenopathie, Überempfindlichkeit, Dehydratation, Apathie, Anhänglichkeit, Unruhe, Ataxie, Krampfanfall, Kopfschmerzen, Hyperkinesie, Hypersomnie, Lethargie, Tremor, Konjunktivitis, Augenfluss, Blepharitis, Augenreizung, Schwellung des Auges, okuläre Hyperämie, verstärkte Tränensekretion, Augenbeschwerden, Ohrenschmerzen, Flush, Blässe, Erkrankung eines Sinus, Niesen, Giemen, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Stomatitis, kalter Schweiß, exfoliative Dermatitis, Medikamentenausschlag, Henoch-Schönlein-Purpura, papulöser Ausschlag, Pruritus, Hautverfärbung, Hautläsion, zosterartiger Ausschlag, Schmerz im Arm, Muskuloskelettale Steifigkeit, Grippeähnliche Erkrankung, Exfoliation an der Injektionsstelle, Verfärbung an der Injektionsstelle, Jucken an der Injektionsstelle, Reaktion an der Injektionsstelle, Narbenbildung an der Injektionsstelle, Hyperthermie, Schmerz, Gewichtsverlust, Kontusion, eingeschränkte Alltagsaktivitäten aseptische Meningitis, Enzephalitis, Epididymitis, Herpes Zoster, Infektion, Masern, Orchitis, Parotitis, anaphylaktoide/anaphylaktische Reaktion, Angioödem, Gesichtsödem, peripheres Ödem, Bell-Parese, apoplektischer Insult, Schwindelgefühl, Enzephalopathie, Guillain-Barré-Syndrom, Masern-Einschlusskörperchen-Enzephalitis (MIBE) Augenmuskellähmungen, Parästhesie, Polyneuropathie, subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), Synkope, Myelitis Transversa, Augenlidödem, Optikusneuritis, Retinitis, retrobulbäre Neuritis, Schallempfindungsschwerhörigkeit, Extravasat, Bronchospasmus, Bronchitis, Pneumonitis, Pneumonie, Rhinitis, Sinusitis, Schmerzen im Oropharynx, Abdominalschmerz, Hämatochezie, Erythema multiforme, Panniculitis, Purpura, Hautinduration, Stevens-Johnson-Syndrom, Arthritis, Arthralgie, Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems, Myalgie, Schwellung, Beschwerden an der Injektionsstelle (Schmerz, Ödem, Urtikaria, Hämatom, Induration, Raumforderungen, Bläschen), Entzündung, Papillitis Varilrix® Schmerzen, Erythem Hautausschlag, Fieber (axillar / oral: ≥ 37,5 °C; rektal: ≥ 38,0 ° C), Schwellung an der Injektionsstelle Infektion der oberen Atemwege, Pharyngitis, Lymphadenopathie, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Husten, Rhinitis, Erbrechen, Übelkeit, viraler Hautausschlag, Pruritus, Arthralgie, Myalgie, Fieber (axillar / oral: > 39,0 °C; rektal: > 39,5 °C), Müdigkeit, Unwohlsein Konjunktivitis, Durchfall, Bauchschmerzen, Urtikaria Herpes Zoster, Thrombozytopenie, anaphylaktische Reaktionen, Überempfindlichkeitsreaktionen, Enzephalitis, Apoplexie, Krampfanfälle, Zerebellitis, zerebellitisähnliche Symptome (einschließlich vorübergehende Gangstörungen und vorübergehende Ataxie), Vaskulitis (einschließlich Purpura Schönlein-Henoch und Kawasaki-Syndrom), Erythema exsudativum multiforme Varivax® Fieber Infektionen der oberen Atemwege, Ausschlag, makulopapulöser Ausschlag, generalisierter varizellenartiger Ausschlag (im Mittel 5 Effloreszenzen), Rötung, Ausschlag, Schmerz / schmerzhafte Spannung/ Schmerzhaftigkeit, Schwellung und varizellenartiger Ausschlag (im Mittel 2 Effloreszenzen an der Injektionsstelle), Reizbarkeit Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Konjunktivitis, Husten, Obstruktion der Nasen- und Atemwege, Rhinorrhö, Appetitlosigkeit, Gastroenteritis, Otitis, Otitis media, Pharyngitis, Varizellen, virales Exanthem, Virusinfektion, Durchfall, Erbrechen, Kontaktdermatitis, Erythem, Pruritus, Urtikaria, Asthenie / Müdigkeit, Ekchymose, Hämatom, Verhärtung und Ausschlag an der Injektionsstelle, Unwohlsein, Weinen, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen Lymphadenopathie, Lymphadenitis, Thrombozytopenie, Apathie, Unruhe, Hypersomnie, unsicherer Gang, Fieberkrämpfe, Tremor, akute Konjunktivitis, vermehrter Tränenfluss, Lidödem, Irritationen, Ohrschmerzen, Sinusitis, Niesen, Lungenstauung, Rhinitis, pfeifendes Atemgeräusch, Bronchitis, Infektionen der Atemwege, Pneumonie, Infektion, grippeähnliche Erkrankung, Bauchschmerzen, Übelkeit, Hämatochezie (Blutstühle), Ulzera in der Mundhöhle, Gesichtsröte, Bläschen, atopische Dermatitis, Quaddeln, Quetschung, Dermatitis, Arzneimittelexanthem, Hautinfektion, Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems, Muskelschmerzen, Steifheit, Extraversation, Ekzem an der Injektionsstelle, Knoten, Erwärmung, Quaddeln, Verfärbung, Entzündung, Steifheit, Ödem / Schwellung, Wärmegefühl, Überwärmung aplastische Anämie, Thrombozytopenie (einschließlich ITP), Lymphadenopathie, Apoplexie, Krämpfe mit und ohne Fieber; Guillain-Barré-Syndrom, transverse Myelitis, Bell'sche Lähmung; Ataxie, Schwindel / Benommenheit, Parästhesie, Synkope, Pneumonitis, Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema exsudativum multiforme, Schönlein-Henoch-Purpura; sekundäre bakterielle Infektionen der Haut und der Weichteile, einschließlich Zellulitis, Enzephalitis, Pharyngitis, Pneumonie, Varizellen (Impfstamm), Herpes Zoster, aseptische Meningitis, Reizbarkeit, Anaphylaxie (einschließlich anaphylaktischer Schock), angioneurotisches Ödem, Gesichtsödem und periphere Ödeme, Anaphylaxie bei Personen mit oder ohne Allergie in der Anamnese, Übelkeit, Erbrechen Tabelle 2: Unerwünschte Arzneimittelwirkungen der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe gegen Windpocken (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2019, 2021, 2025; European Medicines Agency, 2025c)
Weitere Studien zu Nebenwirkungen
- Die Datenbasis zur Beurteilung der Sicherheit der Windpocken-Impfstoffe wird laut einem Review europäischer Forscher aufgrund von 34 vorhandenen randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und 62 weiteren Studientypen als gut und konsistent beurteilt. Die Windpocken-Impfstoffe seien darauf beruhend als sicher einzustufen. Eingeschränkt wird diese Aussage laut den Autoren jedoch durch häufige methodische Mängel von Übersichtsarbeiten und durch fehlende Analysen zu den Impfstofftypen (Ahern et al., 2023). Es ist wichtig, hinzuzufügen, dass die einzige Zulassungsstudie, die ein Placebo verwendet hat (zu Varivax®), dafür keine Kochsalzlösung („echtes Placebo) sondern ein Antibiotikum (Neomycin) und somit einen höchst reaktogenen Stoff genutzt hat. Damit wird eine reale Bewertung der Sicherheit durch diese Studie unmöglich (Weibel et al., 1984).
- Amerikanische Forscher der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und der Food and Drug Administration (FDA) haben eine Analyse des Spontanmeldesystems VAERS bezüglich der Sicherheit der Windpocken-Impfstoffe im Zeitraum 2006 bis 2020 durchgeführt. Sie stellten bei 132,8 Millionen verimpften Einzel-Impfstoffen 40.684 Berichte über Nebenwirkungen fest. Dies entspricht 30,6 Nebenwirkungen pro 100.000 verimpften Dosen oder 0,0306 % aller geimpften Personen. Die Anzahl schwerwiegender Nebenwirkungen (AEs) lag bei 4,1 % (1,3 pro 100.000 bzw. 0,0013 %). Bei den MMRV-Impfstoffen im selben Zeitraum wurden 35,5 Millionen Dosen verimpft und 13.325 Impfnebenwirkungen berichtet (37,6 pro 100.000 bzw. 0,0376 %). Der Anteil schwerwiegender Nebenwirkungen lag bei 3,3 % (ebenfalls 1,3 pro 100.000). Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen zählten Meningitis, Enzephalitis, Herpes Zoster sowie 6 Todesfälle, die alle auf immungeschwächte Personen mit Kontraindikationen für eine Impfung entfallen. Impffehler machten immerhin 23 % (Einzel-Impfstoffe) bzw. 41 % (Kombinations-Impfstoffe) der Berichte aus, zu denen es keine Informationen über Gesundheitsschädigungen gibt. Die Forscher folgern, dass keine unerwarteten oder neuen Sicherheitssignale durch die Studie gefunden wurden (Moro et al., 2022). Beachtet werden muss aber die hohe Untererfassungsquote von passiven Meldesystemen zu Impfnebenwirkungen wie VAERS – je nach Studie (darunter auch systematische Reviews) wird die Untererfassung auf 94 bis 99,7 % aller Nebenwirkungen und 1 bis 15 % der schweren Nebenwirkungen geschätzt (Hazell & Shakir, 2006; U.S. Department of Health & Human Services, 2023).
- Als eine Folge der generellen Impfempfehlung gegen Windpocken wird von Forschern die Erhöhung der Asthmamorbidität und -mortalität gesehen (Ditkowsky et al., 2016). Dies muss als indirekte Impfnebenwirkung betrachtet werden, da die durchgemachte Windpocken-Infektion mit einem geringeren Asthma-Risiko (auch schweren Asthmas) verbunden ist und die Impfung dies verhindert. Für weitere Informationen s. unter Erkrankung > Infektionsverlauf.
- Als weitere indirekte Impfnebenwirkung kann der mögliche Anstieg der Herpes-Zoster-Fälle nach Einführung der generellen Impfempfehlung gegen Windpocken angesehen werden (für weitere Informationen s. Effektivität und Impfstrategie).
- Auch über die Entwicklung von Herpes Zoster und neurologischen Komplikationen wird bei gesunden (immunkompetenten) Kindern selten nach der Impfung berichtet. Dieser Herpes Zoster kann laut Fallserien genauso schwer verlaufen wie nach einer Infektion mit dem Wild-Virus (Ota et al., 2008; Fahlbusch et al., 2013; Dreyer et al., 2017; Guffey et al., 2017; Kwak et al., 2017; Moodley et al., 2019; Ramachandran & Grose, 2024).
Enzephalitis – erneute Überprüfung nach Todesfall durch Impfung
- Aufgrund des kausalen Todes eines polnischen Kindes an einer durch die Windpocken-Impfung (Varilrix®) ausgelösten Enzephalitis hat einerseits die polnische Arzneimittelbehörde (URPL) die betroffene Charge des Impfstoffes gestoppt, andererseits hat der Sicherheitsausschuss (PRAC) der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) im Juni 2025 eine erneute Sicherheitsbewertung der Windpocken-Einzelimpfstoffe Varilrix® (GSK) und Varivax® (MSD) eingeleitet. Die Impfstoffe wurden bis zum Ergebnis der erneuten Sicherheitsbewertung in ihrer Zulassung nicht eingeschränkt (European Medicines Agency, 2025a, 2025b).
- Am 11. Juli 2025 teilte der PRAC mit, dass die Überprüfung abgeschlossen sei und nach „sorgfältiger Bewertung der verfügbaren Daten aus klinischen Studien, der wissenschaftlichen Literatur und der Erfahrungen nach der Markteinführung“ keine zusätzlichen Maßnahmen zur Risikominimierung erforderlich seien. Die Impfstoffe sind weiterhin für immungeschwächte Personen kontraindiziert. Die Produktinformationen sollen jedoch aktualisiert werden (auch die der MMRV-Impfstoffe), um das Risiko einer Enzephalitis näher zu bestimmen (European Medicines Agency, 2025b).
- Die Aktualisierung der Fachinformationen zu Priorix-Tetra®, Varilrix® und Varivax®, die in Deutschland über die Webseite des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte verfügbar sind, ist bisher nicht erfolgt (Stand: November 2025). Einzig die Fachinformation zu ProQuad®, die über die Webseite EMA abgerufen werden kann, wurde mit den entsprechenden Hinweisen aktualisiert (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2019, 2021, 2025; European Medicines Agency, 2025c).
Non-spezifische Effekte
- Lebend-Impfstoffe werden mit positiven non-spezifischen Effekten (NSE) wie z. B. der Verringerung der Anfälligkeit für andere Krankheiten als die durch den Impfstoff bekämpften Infektionen oder der Verringerung der Mortalität (All-Cause-Mortality) in Verbindung gebracht. Zuerst wurden solche Effekte in Ländern mit niedrigem Einkommen (Bangladesh, Gambia, Ghana, Indien, Kenia, Malawi, Senegal und Sudan) beobachtet. Inzwischen konnten sie aber auch in Ländern mit hohem Einkommen z. B. für die Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR), aber auch für die BCG- (Tuberkulose) und Pocken-Impfung bestätigt werden (Aaby et al., 1995; Sørup et al., 2014; Aaby et al., 2020; Omar & Muhsen, 2021). Bisher existieren jedoch keine Studien über (positive oder negative) NSE der Windpocken-Einzel- oder Kombinationsimpfstoffe. Das liegt womöglich auch daran, dass die meisten europäischen Länder (17 von 30) laut ECDC Scheduler (aber auch die meisten Länder weltweit) keine allgemeine Windpocken-Impfempfehlung ausgesprochen haben – und selbst diejenigen, die sie ausgesprochen haben, keine guten Daten dazu erheben (Varela et al., 2018; European Centre for Disease Prevention and Control, 2025c). In kleinen Studien (auch RCTs) lassen sich NSE nicht beobachten – dazu sind Daten auf Bevölkerungsebene notwendig.
Kosteneffizienz
- Es wurden in vielen Industrieländern Kosten-Nutzen-Analysen zur Einführung der Windpocken durchgeführt. Grundsätzlich gilt die Windpocken-Impfung nur dann als vorteilhaft hinsichtlich der Kosten, wenn von keinem Anstieg der Herpes-Zoster-Inzidenz ausgegangen wird. Doch schon bei einem kurzfristigen Anstieg der Herpes-Zoster-Inzidenz wird die Bilanzierung laut einem systematischen Review hochgradig negativ (Unim et al., 2013; Varela et al., 2018).
- Selbst die STIKO kommt in ihrer Modellrechnung unter Berücksichtigung der Abnahme des Impfschutzes, des fehlenden Kontaktes zum Wild-Virus, der erwartbaren Verdopplung der komplikationsreicheren Erkrankungsfälle bei Erwachsenen und der für einige Jahrzehnte zu erwartenden Zunahme an Herpes-Zoster-Fällen sowie Todesfällen an Windpocken und Herpes Zoster zu dem Ergebnis, dass (mit oder ohne Herpes-Zoster-Impfung) bei sofortigem Stopp der Windpocken-Impfung „langfristig eine Kosteneinsparung“ zu erwarten ist (Robert Koch-Institut, 2016).
Die Empfehlungen
- Die Impfung ist mit zwei Impfdosen im Alter von 11 bis 14 Monaten (1. Impfung) und 15 bis 23 Monaten (2. Impfung) von der STIKO für alle Kinder empfohlen. Die Impfung kann simultan mit dem Masern-Mumps-Röteln-Lebendimpfstoff (MMR) in Form eines MMRV-Lebendimpfstoffes oder als Mono-Lebendimpfstoff frühestens 4 Wochen nach der MMR-Lebendimpfung verabreicht werden.
- Bei Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung kann die erste Impfung bis zu einem Alter von 9 Monaten vorgezogen werden, entsprechend soll die zweite Impfung kurz nach dem ersten Geburtstag durchgeführt werden.
- Die Impfung kann jederzeit bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.
- Eine besondere Empfehlung gilt für Personen mit gesundheitlichen Risiken wie z. B. Patienten vor immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation, empfängliche Personen mit schwerer Neurodermitis, aber auch Personen, die engen Kontakt zu Personen mit gesundheitlichen Risiken haben.
- Die STIKO empfiehlt die Impfung auch seronegativem Personal im Gesundheitswesen, vor allem Mitarbeitenden in den Bereichen Pädiatrie, Onkologie, Gynäkologie/Geburtshilfe, Intensivmedizin und im Bereich der Betreuung von Immundefizienten sowie bei Neueinstellungen in Gemeinschaftseinrichtungen.
- Eine Antikörperkontrolle nach der Impfung wird nicht empfohlen. Eine durchgemachte Erkrankung hingegen kann mit einer Laboruntersuchung die Immunität bestätigen. Dies gilt vor allem für Personen, die vor 2004 in Deutschland geboren wurden (vor Einführung der Impfempfehlung), da diese sich mit hoher Wahrscheinlichkeit infiziert haben.
(Robert Koch-Institut, 2024)
Die Argumente
Als die STIKO die Impfempfehlung gegen Windpocken 2004 erstmals allgemein für alle Kinder aussprach, definierte sie folgende Ziele:
- die „hohe Morbidität“ zu reduzieren
- die Rate an Komplikationen und Hospitalisierungen zu reduzieren
- die ökonomische Belastung zu reduzieren
Als Begründung nutzte die STIKO unter anderem die fälschlich erhobenen Zahlen aus der GSK-gesponserten Studie: Demnach habe der Anteil an Komplikationen 5,7 % an allen Windpocken-Infektionen betragen (fälschlich deshalb, weil 2 % der festgestellten Komplikationen nicht mit Windpocken in Verbindung stehen, s. Die Impfung > Effektivität und Impfstrategie).
Die STIKO hat das theoretische wie empirisch durch einige Studien belegte Risiko für steigende Herpes-Zoster-Fälle schon damals benannt, ist jedoch durch Daten aus den USA davon ausgegangen, dass solche Verläufe leichter seien. Eine Quantifizierung sei zum damaligen Zeitpunkt laut STIKO nicht möglich gewesen. Insgesamt sei das Risiko der Altersverschiebung und Anstieg der Herpes-Zoster-Fälle kein ausreichender Grund gegen die Impfempfehlung gewesen (Robert Koch-Institut, 2004).
Kritik an den STIKO-Empfehlungen
Aus mehreren Gründen erscheint den Ärztinnen und Ärzten für individuelle Impfentscheidung (ÄFI) eine Kritik an der STIKO-Empfehlung angemessen und eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken geboten:
- Auch wenn die Windpocken-Impfung über mindestens zehn Jahre sehr effektiv ist, so handelte es sich bei Windpocken in der Zeit vor Einführung der allgemeinen Impfempfehlung um eine absolut harmlose Kinderkrankheit mit seltensten Komplikationen. Die STIKO hat sich bei ihrer Begründung hinsichtlich der Komplikationsrate auf fälschlich erhobene Zahlen einer GSK-gesponserten Studie verlassen.
- Ihr Ziel, die „hohe Morbidität“ zu senken, ist vor dem Hintergrund, dass die STIKO damals nicht wissen konnte, ob sich die Morbidität nicht einfach in ein höheres Erkrankungsalter verschiebt (entweder durch Windpocken bei Erwachsenen oder vermehrtem Herpes Zoster bei älteren Erwachsenen), nicht ausreichend durchdacht und überprüft worden. Auch heute besteht noch Klärungsbedarf bezüglich der möglicherweise höheren Herpes-Zoster-Inzidenz und der damit verbunden Komplikationen.
- Auch das Argument der ökonomischen Vorteile wird unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren wie der nachlassenden Immunität, dem fehlenden Kontakt zum Wild-Virus etc. ungültig.
- Beachtet werden muss nicht zuletzt auch, dass es jeweils nur in Einzelfällen nach Windpocken-Infektion und Impfung zum Tod kommen kann.
- Das arznei-telegramm hielt die Entscheidung bei Einführung 2004 und bei Überprüfung 10 Jahre später aufgrund der Datenlage für falsch (arznei-telegramm, 2004, 2014).
Allerdings muss bei der individuellen Impfberatung auch beachtet werden, dass die STIKO Eltern vor ein Dilemma gestellt hat, da ungeimpfte Kinder heute nicht mehr im Kindesalter die Erkrankung durchmachen müssen, sondern eine höhere Chance besteht, eine Infektion im kritischen Erwachsenenalter zu erwerben.
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Stand: 26. Nov. 2025
Nächste Aktualisierung: 1. Nov. 2026
Erstveröffentlichung: 18. Okt. 2022




