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Neue Sicherheitsdaten: Weiterhin offene Fragen zum Nutzen-Risiko-Verhältnis der COVID-19-Impfung

Die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. haben turnusmäßig eine umfassende Aktualisierung des COVID-19-Fachbeitrages vorgenommen. Im Fokus stand vor allem eine Reanalyse der Studienlage zum Einfluss der modRNA-Impfstoffe auf die Sterblichkeit sowie die Entstehung von Krebs. Darüber hinaus gibt es neue Ergebnisse zur Sicherheit und Wirksamkeit aus großen Registerstudien und aktiven Meldesystemen. Trotz der inzwischen umfangreichen Forschung bleiben zentrale Fragen zum langfristigen Nutzen-Risiko-Verhältnis der COVID-19-Impfstoffe weiterhin offen.

Die wissenschaftliche Diskussion über die COVID-19-Impfstoffe hat sich zunehmend von der Frage, ob überhaupt eine Schutzwirkung vorhanden ist, hin zu der Frage verschoben, wie groß und wie dauerhaft dieser Schutz im heutigen postpandemischen Setting noch ist und wie er gegenüber möglichen Risiken abzuwägen ist. Gerade Beobachtungsstudien, die den größten Teil der verfügbaren Evidenz ausmachen, sind meist sehr anfällig für Verzerrungen. Dies zeigt sich besonders deutlich bei Untersuchungen zur Gesamtsterblichkeit, aber auch bei den Themen Krebs und Long-COVID.

Anbei finden sich die wichtigsten Neuerungen für den COVID-19-Fachbeitrag. Die einzelnen Studien, ihre Ergebnisse, methodischen Stärken und Limitationen sowie die Gründe für ihre Berücksichtigung oder Nichtberücksichtigung werden ausführlich im dazugehörigen wissenschaftlichen Hintergrundpapier von ÄFI (September 2026) dargestellt.
 

Neue Impfstoffe – wenig Evidenz

2026 wurden in der Europäischen Union weitere modRNA-Impfstoffe zugelassen. Mit mNexspike® kam ein Impfstoff hinzu, der nicht mehr das vollständige Spikeprotein, sondern nur zwei Teile dessen kodiert. Dadurch ist eine geringere modRNA-Dosis enthalten. Mit mCombriax® wurde außerdem ein kombinierter COVID-19- und Influenza-Impfstoff für Personen ab 50 Jahren zugelassen, der dieselbe Technologie wie mNexspike® enthält.

Bei beiden Impfstoffen ist jedoch zu beachten, worauf die Zulassungsevidenz tatsächlich beruht. mNexspike® wurde in einer Phase-III-Studie gegen Spikevax® untersucht. Praktisch alle Teilnehmer waren zuvor bereits gegen COVID-19 geimpft. Der neue Impfstoff erfüllte das vorgegebene Kriterium der Nichtunterlegenheit gegenüber Spikevax® – eine Überlegenheit wurde jedoch nicht nachgewiesen. Auch die Immunogenität war ähnlich bis leicht höher. Da kein echtes Placebo verwendet wurde, gibt es aus dieser Studie keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis für zuvor ungeimpfte Menschen. Die Sicherheitsbeobachtung war zudem zu kurz und die Studienpopulation zu klein, um seltene schwere Nebenwirkungen wie Myokarditis oder Perikarditis zuverlässig zu untersuchen.

Bei mCombriax® handelt es sich dagegen im Wesentlichen um eine Immunogenitätsstudie. Eine klinische Wirksamkeit gegen COVID-19 lässt sich daraus nicht ableiten. Hinzu kommt, dass nicht mCombriax® selbst untersucht wurde, sondern ein anderer, in Zusammensetzung und Herstellungsverfahren verwandter Kombinationsimpfstoff. Wie weit sich beide Präparate genau entsprechen, wird in der Fachinformation nicht näher aufgeschlüsselt.
 

Schutz vor Infektion weiterhin nicht relevant

Auch bei den an neuere Virusvarianten angepassten Impfstoffen bleibt die begrenzte Dauer der Schutzwirkung ein zentrales Problem. Eine 2026 veröffentlichte US-amerikanische Studie untersuchte den KP.2-Impfstoff bei Bewohnern von Langzeitpflegeeinrichtungen mit einem Durchschnittsalter von 76 Jahren. Nach etwa vier Monaten lag die berechnete Impfstoffeffektivität gegen Hospitalisierung oder Tod noch bei 53 Prozent. Ein Schutz gegen Infektion war zu diesem Zeitpunkt dagegen nicht mehr nachweisbar.

Schon frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Wirksamkeit der angepassten Impfstoffe mit dem Auftreten neuer Omikron-Sublinien deutlich abnimmt. Diese Problematik bleibt damit auch bei den neueren Impfstoffgenerationen bestehen.
 

Neue Daten aus aktiven Meldesystemen

Einen weiteren Schwerpunkt der Aktualisierung bilden neue Daten zur Impfstoffsicherheit aus aktiven Meldesystemen in England, Kanada und den USA. Anders als passive Spontanmeldesysteme fragen diese Systeme Teilnehmer gezielt nach gesundheitlichen Ereignissen nach der Impfung.

  • In einer englischen prospektiven Überwachungsstudie suchten 1,84 Prozent der mehr als 30.000 COVID-19-geimpften Teilnehmer nach eigener Angabe medizinischen Rat. 0,28 Prozent berichteten über eine Hospitalisierung, 0,15 Prozent über eine Behinderung und 0,073 Prozent über ein lebensbedrohliches gesundheitliches Ereignis.
  • Das kanadische Überwachungssystem CANVAS erfasste mehr als 567.000 geimpfte Erwachsene und zusätzlich eine kleinere ungeimpfte Vergleichsgruppe. Vorübergehende gesundheitliche Beeinträchtigungen waren nach der Impfung je nach Impfstoff und Dosis häufiger als bei Ungeimpften. Schwerere Ereignisse wie Notaufnahme- oder Krankenhausbehandlung lagen dagegen insgesamt in einer ähnlichen Größenordnung. Nach statistischer Korrektur war das Risiko nur nach Spikevax® erhöht.
  • Im US-amerikanischen V-safe-System mit Daten von 9,6 Millionen Geimpften nahmen innerhalb der ersten Woche nach einer modRNA-Impfung etwa 0,8 bis 1,2 Prozent der Erwachsenen medizinische Versorgung in Anspruch. Notfallbehandlungen wurden bei etwa 0,1 bis 0,2 Prozent und Hospitalisierungen bei höchstens 0,1 Prozent angegeben.

Wichtig: Diese Angaben dürfen nicht mit kausal bestätigten Impfnebenwirkungen gleichgesetzt werden. Selbstselektion, Reporting-Bias und teilweise fehlende Vergleichsgruppen schränken die Aussagekraft ein. Gleichzeitig verdeutlichen die Daten aber, wie wichtig eine aktive Sicherheitsüberwachung als Ergänzung zu passiven Spontanmeldesystemen ist. 

Vor diesem Hintergrund bleibt die fehlende Veröffentlichung der deutschen SafeVac-2.0-Daten besonders problematisch. Die vom Paul-Ehrlich-Institut initiierte Studie wäre für einen Vergleich mit den inzwischen publizierten Daten aus England, Kanada und den USA von erheblichem Interesse.
 

Myokarditis: Neue Registerstudien bestätigen das bekannte Problem

Auch das bereits bekannte Risiko für Myokarditis und Perikarditis wurde im Rahmen neuer großer Registerstudien weiter untersucht.

In einer norwegischen populationsbasierten Studie wurden alle 4,1 Millionen Einwohner einbezogen, die mindestens eine Dosis Comirnaty® oder Spikevax® erhalten hatten. Von 349 begutachteten möglichen Myokarditisfällen wurden 177 als wahrscheinlich impfbedingt beurteilt. Daraus ergab sich eine Häufigkeit von rund 4,5 Fällen pro 100.000 Geimpften bzw. etwa einem Fall pro 22.000 Geimpften. Eine Untererfassung kann dennoch nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere milde Fälle an impfbedingter Myokarditis könnten übersehen werden – langfristig aber zu Problemen führen (s. hier).

Zwei weitere große Registerstudien bestätigen das Signal auch bei Kindern und Jugendlichen. Larsen et al. fanden nach der zweiten modRNA-Dosis ein mehr als fünffach erhöhtes Inzidenzratenverhältnis für Myokarditis und Perikarditis. In einer zusätzlich durchgeführten selbstkontrollierten Analyse bestätigte sich das Ergebnis. In der englischen OpenSAFELY-Studie traten bei 12- bis 15-Jährigen sämtliche beobachteten Myokarditis- und Perikarditisfälle in den geimpften Gruppen auf. Gleichzeitig waren schwere COVID-19-Verläufe in dieser Altersgruppe insgesamt sehr selten. Todesfälle wurden nicht beobachtet.

Neu ergänzt wurden im Fachbeitrag außerdem mögliche Signale für unter anderem plötzlichen sensorineuralen Hörverlust, Polymyalgia rheumatica (eine entzündlich-rheumatische Erkrankung) und Heuschnupfen nach der COVID-19-Impfung. Dabei handelt es sich überwiegend um Beobachtungsdaten. Eine Kausalität lässt sich daraus bislang nicht ableiten, Verzerrungsrisiken und Störfaktoren müssen beachtet werden. Die Studienlage zum Zusammenhang zwischen der COVID-19-Impfung und Herpes Zoster bleibt insgesamt weiterhin konfliktbehaftet.
 

COVID-19-Impfung und Krebs: Signal bleibt, Kausalität ungeklärt

Besonders ausführlich wurde von ÄFI die Studienlage zum möglichen Zusammenhang zwischen COVID-19-Impfung und Krebs erneut geprüft. Anlass hierfür war unter anderem die bereits im Fachbeitrag dargestellte südkoreanische Studie von Kim et al. (2025), die inzwischen mit einem „Expression of Concern“ (Hinweis auf Bedenken) versehen und wissenschaftlich kritisiert wurde.

Die Studie verglich nach statistischem Matching knapp 600.000 Ungeimpfte mit 2,3 Millionen Geimpften. Innerhalb eines Jahres lag die Krebsinzidenz in der geimpften Gruppe höher; absolut betrug der Unterschied rund neun Fälle pro 10.000 Personen. Für einzelne Krebsarten wurden teils deutlichere statistische Assoziationen berichtet. Eine konsistente Dosis-Wirkungs-Beziehung zeigte sich allerdings nicht. Im wissenschaftlichen Hintergrundpapier findet sich eine umfassende Analyse der Stärken und Schwächen der Studie. Darunter:

  • Geimpfte und Ungeimpfte wurden teilweise in unterschiedlichen Kalenderperioden beobachtet.
  • Unterschiede bei Arztbesuchen und Krebsvorsorge können zu einem Detection-Bias führen.
  • Zudem fehlen wichtige Einflussfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, BMI oder genetische Risiken. 
  • Auffällig ist außerdem, dass Unterschiede bei einzelnen Krebsarten bereits sehr früh nach Beobachtungsbeginn auftraten – zu einem Zeitpunkt, zu dem eine durch die Impfung neu entstandene Krebserkrankung biologisch kaum plausibel wäre.

Die Effektstärke mancher beobachteter Endpunkte macht es jedoch zugleich schwierig, die Ergebnisse vollständig auf Verzerrungsrisiken zurückzuführen. ÄFI bewertet die Studie deshalb weiterhin als hypothesengenerierendes Sicherheitssignal, nicht als Nachweis dafür, dass COVID-19-Impfungen Krebs verursachen. Hinzu kommen weitere Studien, die das Thema untersucht haben.

Beispielsweise fand ein aktuelles Scoping Review mit 69 Publikationen ebenfalls wiederkehrende Berichte über verschiedene hämatologische und solide Tumorerkrankungen nach COVID-19-Impfung oder Infektion. Die Literatur wird jedoch stark von Fallberichten und Fallserien geprägt. Ein erhöhtes Risiko lässt sich bisher insgesamt weder quantifizieren noch kausal nachweisen.
 

Einfluss der Impfstoffe auf die Gesamtsterblichkeit: Ergebnisse stark von Verzerrungen abhängig

Noch deutlicher wird die Schwierigkeit der Interpretation bei Studien zur Gesamt- und Übersterblichkeit.

Eine niederländische Registerstudie fand in den ersten 21 Tagen nach COVID-19-Impfung zunächst eine deutlich niedrigere Gesamtsterblichkeit. Auf den ersten Blick könnte dies als starker Schutzeffekt erscheinen. Auffällig war jedoch, dass auch die Nicht-COVID-19-Sterblichkeit unmittelbar nach der Impfung fast im gleichen Maße zurückging. Das lässt sich biologisch kaum durch die Impfung erklären und spricht für einen ausgeprägten Healthy-Vaccinee-Bias (HVB): Schwer kranke, gebrechliche oder unmittelbar vor dem Tod stehende Menschen erhalten eine Impfung seltener als gesündere Personen. Da das Ausmaß dieses Healthy-Vaccinee-Bias nicht quantifiziert werden kann, lässt sich aus der beobachteten niedrigeren Mortalität nicht bestimmen, ob die Impfung das kurzfristige Sterberisiko tatsächlich senkte, unverändert ließ oder ob sogar ein kleinerer risikoerhöhender Effekt durch die Selektion gesünderer Geimpfter überlagert wurde.

Weitere Studien zeigen zusätzliche Verzerrungsmöglichkeiten. Je nachdem, ab welchem Zeitpunkt eine Person nach der Impfung statistisch als „geimpft“ gezählt wird, können frühe Todesfälle einer anderen Gruppe zugerechnet werden. Daneben spielen Survivor-Bias, Kalenderzeiteffekte, Unterschiede im Gesundheitszustand und eine unvollständige Erfassung von Vorerkrankungen eine erhebliche Rolle.

Auch japanische Analysen fanden je nach Alter und Anzahl der Impfdosen sehr unterschiedliche Mortalitätsmuster. Bei älteren Personen zeigte sich mit zunehmender Zahl der Impfungen teilweise eine niedrigere Mortalität, bei jüngeren Altersgruppen dagegen teilweise ein Anstieg nach fünf oder mehr Dosen. Die Daten erlauben wegen zahlreicher unbeobachteter Störfaktoren jedoch weder den Nachweis eines schädlichen noch eines schützenden kausalen Effektes wiederholter Auffrischungsimpfungen.

Der Einfluss der COVID-19-Impfung auf die Gesamtsterblichkeit bleibt damit weiterhin ungeklärt. Klarer wird vielmehr, wie stark entsprechende Beobachtungsstudien durch zeitabhängige Selektions- und Klassifikationsverzerrungen beeinflusst werden können.

Im Zuge dieser Neubewertung wurden auch zwei zurückgezogene Arbeiten erneut geprüft. Die Meta-Analyse von Marchand et al. wurde aufgrund erheblicher Probleme der Datengrundlage und Methodik aus dem Fachbeitrag entfernt. Die Studie von Mostert et al. zur Übersterblichkeit in 47 westlichen Ländern bleibt dagegen mit deutlicher Kennzeichnung ihrer Limitationen enthalten. Ihre deskriptiven Daten zur Übersterblichkeit sind von der Frage nach deren Ursachen zu trennen: Einen kausalen Beitrag der COVID-19-Impfung kann die Studie nicht nachweisen. Gleichzeitig bleibt die Beobachtung valide, dass die Übersterblichkeit in vielen Industrienationen trotz COVID-19-Impfkampagnen ab 2021/2022 erhalten blieb.
 

STIKO schränkt COVID-19-Impfempfehlung ein

ÄFI berichtete bereits darüber, dass die STIKO ihre COVID-19-Impfempfehlung im Juli 2026 erneut eingeschränkt hat. Die Impfung wird nun regulär für Personen ab 75 Jahren sowie für Menschen mit erhöhtem Risiko empfohlen. Dazu zählen weiterhin Schwangere mit erhöhtem Risiko für Komplikationen. Die limitierte Datenlage für Schwangere sowie die zahlreichen zu den modRNA-Impfstoffen detektierten Sicherheitssignale sprechen aus Sicht der Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. für eine vollständige Rücknahme der COVID-19-Impfempfehlung durch die STIKO. 
 

Ausführliche Studienbewertungen im wissenschaftlichen Hintergrundpapier

Die aktuelle Literatur zeigt damit kein leicht zu interpretierendes Bild zu den COVID-19-Impfstoffen. Einerseits liegen inzwischen wesentlich mehr Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit der COVID-19-Impfstoffe vor als noch zu Beginn der Impfkampagne. Andererseits stammen viele der neuen Erkenntnisse aus Beobachtungsstudien, deren Ergebnisse durch Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften, zeitabhängige Verzerrungen, uneinheitliche Endpunkte und andere methodische Probleme erheblich beeinflusst werden können.

Gerade deshalb veröffentlicht ÄFI mit der Aktualisierung erneut ein wissenschaftliches Hintergrundpapier. Darin werden nicht nur die in den Fachbeitrag aufgenommenen Studien ausführlich dargestellt, sondern auch ausgeschlossene Arbeiten und die jeweiligen Gründe für deren Nichtberücksichtigung. Zum Beispiel wurden auch zwei systematische Reviews zu Long- bzw. Post-COVID überprüft und ausgeschlossen. Bei systematischen Reviews erfolgt zusätzlich eine Bewertung nach AMSTAR-2. Eine ausführliche Einordnung der einzelnen Studien einschließlich ihrer Stärken und Limitationen findet sich im nun bereits zweiten wissenschaftlichen Hintergrundpapier zu COVID-19.

Weitere Informationen:

COVID-19-Fachbeitrag, 7. Sep. 2026

Wissenschaftliches Hintergrundpapier, 7. Sep. 2026

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