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Sonder-Newsletter #80: Willkommen zum impftelegramm!
Jede Ausgabe des impftelegramm wird einen methodischen oder medizinischen Schwerpunkt haben. Im Editorial erklären wir dazu jeweils einen zentralen Fachbegriff, der Ihnen bei der Bewertung der vorgestellten Studien helfen soll.

Im Mittelpunkt der ersten Ausgabe steht der Healthy-Vaccinee-Bias – auf Deutsch etwa „Verzerrung durch gesündere Geimpfte“.
Er kann in Beobachtungsstudien auftreten, wenn sich geimpfte und ungeimpfte Personen bereits unabhängig von der Impfung systematisch unterscheiden. Menschen, die sich impfen lassen, sind beispielsweise zu einem bestimmten Zeitpunkt häufig gesünder, weniger gebrechlich oder verhalten sich gesundheitsbewusster als Menschen, die nicht oder erst später geimpft werden. Werden solche Unterschiede statistisch nicht ausreichend berücksichtigt, können günstigere Krankheits- oder Sterblichkeitsraten fälschlich vollständig der Impfung zugeschrieben werden.
In der ersten Ausgabe beleuchten wir dazu vier Arbeiten, die in der Impfdebatte regelmäßig als „Beweis“ herangezogen werden – und bei denen die gleichen Zahlen je nach Perspektive völlig unterschiedlich interpretiert werden können. Zwei der Studien betreffen den Healthy-Vaccinee-Bias:
1. Schönberger et al. (2013) – die maßgebliche deutsche Referenzstudie zur sehr seltenen Komplikation der Masern-Erkrankung SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) und ein zentraler Baustein der Masernimpfpflicht-Debatte. Erfahren Sie, warum dieselben 31 Fälle je nach Blickwinkel mal als Argument für, mal gegen die Impfung gedeutet werden.
2. Weinmann et al. (2019) – die von STIKO und RKI häufig zitierte Studie zur Varizellen-Impfung und Gürtelrose. Sie zeigt Effekte bei Kindern – während Gürtelrose eigentlich eine Erkrankung des höheren Lebensalters ist. Was die Daten wirklich aussagen (und was sie nicht zeigen).
3. Fürst et al. (2024) – eine tschechische Analyse von 2,2 Millionen Datensätzen zur COVID-19-Impfung und Gesamtsterblichkeit. Sie liefert ein auffälliges V-förmiges Sterblichkeitsmuster und untersucht, inwieweit dieses durch den Healthy-Vaccinee-Bias beziehungsweise durch Unterschiede in der gesundheitlichen Ausgangslage von Geimpften und Ungeimpften erklärt werden kann.
4. Riedmann et al. (2025) – eine österreichische Kohortenstudie mit über 4,3 Millionen Teilnehmern, die den Healthy-Vaccinee-Bias bei zuvor infizierten Personen quantifiziert und zeigt, wie massiv er die geschätzte Impfwirksamkeit verzerrt.
Jeder Text ist bewusst kurzgehalten – für die Lektüre benötigen Sie nur wenige Minuten. Falls Sie ein Thema vertiefen möchten, haben wir die Links zu den Originalarbeiten jeweils beigefügt.
Warum lohnt sich der Blick in die Daten?
Weil Prozentzahlen ohne Kontext wenig erklären, aber viel bewirken. Mit absoluten Fallzahlen, Personenjahren und genauen Zeitverläufen können Sie Risiken plötzlich selbst einordnen – unabhängig von Pro- oder Contra-Narrativen. Genau das macht diese Analysen so wertvoll: Sie geben Ihnen das Handwerkszeug, um fundiert mitzudiskutieren oder auch mal freundlich zu widersprechen.
Das impftelegramm soll kein weiteres Meinungsblatt sein, sondern ein praktisches Werkzeug für Ärztinnen, Ärzte und interessierte Laien: zum schnellen Lesen und Bewerten.

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