Kostenlos: Der ÄFI-Newsletter

Bleiben Sie bei den Themen Impfungen und Impfentscheidung auf dem neuesten Stand!

Per E-Mail: aktuell, evidenzbasiert, verständlich

Jetzt anmelden

  • Impfaufklärung
  • Newsletter
  • Über uns

Sonder-Newsletter #78: 20 Jahre ÄFI zwischen Wissenschaft und Politik

In diesem Jahr feiern wir als ÄFI unser 20-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, einmal zurück zu schauen und zu reflektieren, wie ÄFI in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, welche Rolle unser Verein in den Debatten rund um Impfungen spielt und vor allem: wie wir als Verantwortliche unsere Aufgabe und Rolle sehen.

Wir haben uns diesen Fragen in den vergangenen Monaten intensiv gewidmet und mehrfach Rückmeldungen von außen eingeholt, um kritisch zu prüfen, welche Prioritäten für ÄFI die richtigen sind und wie wir uns positionieren. Dabei waren sowohl pointiert kritische Einschätzungen, etwa durch Politikberater und Abgeordnete, als auch konstruktiv-begleitende Stimmen durch eine Organisationsberaterin, die uns seit einiger Zeit berät. Und natürlich fließen die Rückmeldung von Mitgliedern und Newsletter-Abonnenten, die wir stetig bekommen, immer in unsere Planung mit ein.

Die Arbeit von ÄFI bewegt sich in einem komplizierten Grenzgebiet von Wissenschaft und Politik. Als Ärzte sind wir der wissenschaftlichen Erforschung und Bewertung von Impfungen, Impfstoffen und Impf-Strategien verpflichtet. Zugleich stehen diese Themen aber seit einigen Jahren verstärkt im Fokus der öffentlichen und auch politischen Debatte.
 

Was Wissenschaft und Politik unterscheidet

Wissenschaftlicher und politischer Diskurs folgen unterschiedlichen Regeln. Die wissenschaftliche Debatte ist im Idealfall interesselos: Die Beteiligten sind nur vom gemeinsamen Ziel geprägt, den wissenschaftlichen Kenntnisstand in einer bestimmten Frage zu erweitern. Argumente pro und contra verfolgen dieses gemeinsame Ziel und sind an der Sache orientiert. Nicht überzeugen, sondern gemeinsam verifizieren oder falsifizieren ist die zentrale Aufgabe. Der Opponent hat die Aufgabe, die These des Proponenten kritisch zu prüfen und so letztlich zur gemeinsamen Erkenntnis beizutragen.

Der politische Dialog dagegen ist von (im besten Fall wohlmeinenden) Interessen geprägt. Ziel ist die Gewinnung von Mehrheiten, die Überzeugung der Öffentlichkeit, der Abgeordneten oder der Medien. Daher spielen Überspitzung, provokante Slogans und Framing in der politischen Debatte eine große Rolle. Gemeinsame Ziele gibt es allenfalls auf einer abstrakten Meta-Ebene („Stärkung der Demokratie“ o.ä.), das praktische Ziel ist eher die Durchsetzung eigener Vorstellungen und Interessen. Das geschieht nicht primär durch Überzeugung des Opponenten, sondern durch Überzeugung eines Dritten: des Publikums (Medien, Zuschauer) bzw. der Wähler.

Besonders in den letzten Jahren war die Arbeit von ÄFI durch gesellschaftspolitische und gesundheitspolitische Debatten stark geprägt. In der Diskussion um die Masern-Impfpflicht begann eine Entwicklung, die sich in den Jahren danach durch die Corona-Pandemie weiter verstärkte: Wir haben unsere Stimme erhoben in Debatten, die von großer Bedeutung für weite Teile der Gesellschaft waren und die daher häufig auch stark emotionalisiert geführt wurden – und zwar von allen Seiten.

In diesen zugespitzten Diskussionen haben wir die Arbeit von ÄFI stark kampagnenartig ausgestaltet: Wir haben regelmäßig nicht nur politische Appelle und Stellungnahmen veröffentlicht, sondern immer wieder unsere Mitglieder, Newsletter-Abonnenten und uns wohlgesonnene Interessierte aufgerufen, sich an Aktionen zu beteiligen.

Vom Protest gegen die Pläne des damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn für die Masern-Impfpflicht („Die Impfpflicht können wir uns SPAHN“ 2019) über „#nichtmeinaerztetag“ 2021 und „#2ggehtgarnicht“ bis zur größten Kampagne unter dem Titel „Die Corona-Impfpflicht ist das falsche Instrument“ 2022 gab es eine lange Reihe von Mobilisierungs-Aktionen, die sich mal an die Ärzteschaft, mal an alle Interessierten richteten und durchaus hohe Wellen schlugen.


Obwohl wir wissenschaftlicher Arbeit und Methodik verpflichtet sind, haben wir hier am politischen Dialog teilgenommen. Denn hier ging es um gesundheitspolitische Entscheidungen, auf die Einfluss zu nehmen uns dringend geboten schien, insbesondere weil dabei so viele verfälschende Informationen und vermeintliche Fakten kommuniziert wurden.

Die Resonanz auf unsere Aktionen in diesen Jahren war enorm und bestätigt, dass es für die Menschen in Deutschland wichtig war und wichtig bleiben wird, dass Organisationen wie ÄFI den Menschen gesellschaftspolitisches Engagement durch Beteiligung an Aktionen ermöglichen.

Nicht zuletzt hatten diese Aktionen auch positive Auswirkungen für ÄFI: Die Zahl der Mitglieder und der Abonnements unseres Newsletters sind gewachsen, die Resonanz auf unsere Webseite und auch die Zahl der Follower in den sozialen Medien sind angestiegen. Wir sind bekannter geworden und werden auch von den Medien stärker wahrgenommen als früher.
 

ÄFI als politischer Opponent …

Aber diese Kampagnen-Orientierung hatte Auswirkungen auf die Ausgestaltung unserer Arbeit: Wir wurden immer stärker wahrgenommen als Opponenten gegen die impf-freundliche Bundespolitik. Viele Menschen erwarteten von uns, dass wir den Pfad der Mobilisierungs- und Protestaktionen weiter beschreiten und ihnen eine Möglichkeit geben, sich daran zu beteiligen.

So wichtig und notwendig diese Ebene der ÄFI-Arbeit ist (es kann keinen Zweifel geben, dass wir im Fall neuer, ähnlicher politischer Diskussionen, die die freie Impfentscheidung bedrohen, erneut aktiv werden!), so wichtig ist es doch, ehrlich anzusprechen, was dadurch schwieriger wurde.
 

… oder ÄFI als wissenschaftlicher Experte

Hier ist vor allem die Etablierung von ÄFI als unvoreingenommene, wissenschaftliche Fachorganisation im Thema Impfungen zu erwähnen. Wir haben in den vergangenen Jahren die wissenschaftliche Präzision und Substanz unserer Fachbeiträge und Stellungnahmen erhöht. Dennoch bleibt die Anerkennung dieser Kompetenz sowohl durch die medizinische Fach-Szene als auch durch die Politik bislang weitgehend aus.

In der Endphase der Corona-Pandemie haben wir entschieden, immer wieder die Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Bundestag anzuschreiben, wenn sich passende Themen und Fragestellungen ergaben. In persönlichen Briefen haben wir seitdem viermal versucht, auf Probleme hinzuweisen, Vorschläge formuliert bzw. Forderungen erhoben und Gesprächsangebote gemacht. Nur in einem einzigen Fall hat ein Abgeordneter darauf mit einer Einladung zum Gespräch reagiert. Ansonsten erhielten wir manchmal mit Textbausteinen erstellte Standard-Antworten oder es rührte sich überhaupt nichts.


In Medienberichten erleben wir immer wieder, dass wir pauschal als „Impfgegner“ abqualifiziert werden, dass uns Voreingenommenheit und Unwissenschaftlichkeit unterstellt wird, was erkennbar ohne Anhalt in der Sache ist und primär dazu dient, uns als Kritiker gesundheitspolitischer Entscheidungen mundtot zu machen.
 

Klärung unserer Rolle

Deshalb haben wir begonnen, dieses Vorgehen zu evaluieren. Dabei wurde uns deutlich, dass das stark zugespitzte Agieren in Kampagnen-Form zwar für öffentliche Resonanz in solchen „heißen Phasen“ unabdingbar ist, zugleich aber eine kommunikative Hürde sowohl gegenüber der Wissenschaft als auch gegenüber der Politik darstellt.

Im politischen Diskurs stehen wir vor anderen Aufgaben als im wissenschaftlichen – und die daraus resultierenden Anforderungen an die Ausgestaltung der Arbeit stehen in einem latenten Konflikt miteinander. Als Wissenschaftler muss unsere Argumentationsweise sachlich und interesselos sein, als politischer Akteur verfolgen wir bestimmte Interessen und Ziele.  

Wenn wir bei Fachorganisationen wie RKI, STIKO, PEI und anderen, vor allem aber bei Gesundheitspolitikern, Gehör finden wollen, muss unser Auftreten Gesprächsbereitschaft signalisieren und Türen öffnen, anstatt sie zuzuschlagen.

Wo aus Kampagnen-Sicht die polemische Zuspitzung und der Gebrauch emotionaler Slogans und Sprachbilder hilfreich erscheint, wird aus der Sicht des langfristigen Werbens für die individuelle Impfentscheidung wichtiger, die Argumente der Gegenseite ernst zu nehmen, sich mit ihnen auseinander zu setzen und dann sachlich klar die Gegenargumente zu benennen. Dies muss stets gesichtswahrend und so erfolgen, dass es für den Gesprächspartner konstruktiv bleibt. Daher ist es wichtig, dass wir als wissenschaftlich arbeitende und nicht als polemisierende Organisation auftreten.

Diese Ausrichtung ist umso schwerer umzusetzen als die anderen Akteure im politischen Feld durchweg interessengeleitet agieren, eine bestimmte Agenda durchsetzen wollen – auch gegen wissenschaftliche Evidenz. Deshalb werden sie immer wieder versuchen, uns als interessengetrieben oder voreingenommen zu diskreditieren.

Umso größer ist die Notwendigkeit für uns, in wissenschaftlicher Hinsicht unanfechtbar zu sein. An den Stellungnahmen und Äußerungen von ÄFI darf es fachlich keine Ansatzpunkte für substantielle Kritik geben

Wenn ÄFI als wissenschaftlich fundiert und nicht von politischen Interessen geleitet wahrgenommen wird, wird ein Austausch wahrscheinlicher. Folglich wird der Einfluss von ÄFI auf die Meinungsbildung der Gesprächspartner zunehmen.
 

Es geht um die freie, individuelle Impfentscheidung

Das Leitbild unseres Vereins gibt eine klare Richtung vor: Im Zentrum unserer Arbeit steht das Eintreten für die individuelle Impfentscheidung. Diese Freiheit zu erhalten und, wo sie gefährdet ist, zurückzugewinnen, muss die oberste Maxime unserer Vereinstätigkeit sein. Dazu gehört die advocacy-Arbeit für dieses Anliegen, d.h. der Austausch mit und die Einflussnahme auf politische und medizinische Entscheidungsträger und Organisationen. Dieses Ziel ist langfristiger angelegt als tagesaktuelle Kampagnen, die gleichwohl ihr Recht und ihre Bedeutung haben und behalten.

Zugleich aber wird deutlich: Die Begründung für das Eintreten für eine freie Impfentscheidung kann nur eine medizinisch-ethische sein. Sie leitet sich nicht aus wissenschaftlicher Erkenntnis ab, sondern aus der individuellen Bewertung von Impfangebot, wissenschaftlicher Erkenntnis und ärztlicher Beratung, welche die Entscheidung des Patienten respektiert.
 

Klar, sachlich und gesprächsbereit

Deshalb bemühen wir uns stärker als früher um Nuancierungen in der Außendarstellung, um differenzierte Stellungnahmen und um sachliche statt polemische Präsentation. Wir dokumentieren unsere Gesprächsbereitschaft und verzichten darauf, Beifall für zugespitzte, scheinbar eindeutige Positionierung einzuheimsen, die vielleicht kämpferische Emotionen bedient, dem Anliegen der individuellen Impfentscheidung aber nicht nützt, sondern im Gegenteil eher schadet.

Der kritischen wissenschaftlichen Prüfung und Bewertung von Impfstoffen und Impf-Konzepten tut diese Akzentuierung keinen Abbruch: In der Sache ist und bleibt ÄFI unverändert kritisch und abwägend.

Entsprechend bleibt es dabei, dass wir mit politischen Forderungen und Aktionen laut werden, wenn die individuelle Impfentscheidung in Gefahr ist oder Impfungen unsachgemäß propagiert und unkritisch beworben werden. Dafür zählen wir auch auf Ihre Unterstützung.

Jetzt spenden

Wir sind eine klare, ernstzunehmende Stimme im wissenschaftlichen und im politischen Diskurs über Impfungen und wir sind überzeugte Verfechter der individuellen Impfentscheidung.

Der Vorstand im Namen des Vereines

Dr. med. Jost Deerberg
Dr. med. Matthias Keilich
Dr. med. Alexander Konietzky

Weitere Informationen:

Hier den ganzen Newsletter #78 lesen

Hier zum Newsletter anmelden

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?