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Newsletter #79: Wie transparent sind Impfstoffsicherheit und Impfempfehlungen?
Auch die Impfstoffüberwachung in den USA wirft Fragen auf. Eine Recherche der Fachzeitschrift British Medical Journal (BMJ) zeigt, dass die US-Behörden CDC und FDA während der COVID-19-Impfkampagne ein statistisches Verfahren verwendeten, das Sicherheitssignale nur unzureichend erkennen konnte. Eine FDA-Statistikerin machte intern auf das Problem aufmerksam und entwickelte eine empfindlichere Auswertung. Sie wurde jedoch aufgefordert, diese Arbeit einzustellen. Mit einem anderen, von der CDC ursprünglich selbst vorgesehenen Verfahren zeigten sich im selben Datensatz zahlreiche Sicherheitssignale.
Beide Fälle haben einen gemeinsamen Kern: Behördliche Bewertungen sind wichtig – sie sollten aber in Bezug auf ihre Daten und Methoden nachvollziehbar sein. Je transparenter ihre Grundlagen sind, desto besser lassen sich ihre Aussagen bewerten.
Um Transparenz geht es auch in der Doktorarbeit unseres wissenschaftlichen Mitarbeiters Tristan Nolting. Im ersten Schritt wurde nun das Protokoll seiner Übersichtsarbeit zum vergleichenden Nutzen von Kinderimpfungen im Fachjournal BMJ Open veröffentlicht. Im Interview erläutert Nolting, warum nicht nur untersucht werden sollte, ob Impfungen für sich genommen wirken. Ebenso sei es wichtig, welchen Beitrag verschiedene Impfungen zur Verringerung von Erkrankungen und Todesfällen in ganzen Bevölkerungen geleistet haben – und wo die vorhandenen Daten solche Vergleiche überhaupt zulassen.
Unsere Gastautorin Maryanne Demasi beschäftigt sich ebenfalls mit der Frage, was öffentlich bekannt war und was nicht. In Anthony Faucis Tagebuch finden sich bereits Anfang 2021 interne Warnungen, dass neue Virusvarianten den Schutz der gerade eingeführten COVID-19-Impfstoffe unterlaufen könnten. Öffentlich wurde gleichzeitig wesentlich größere Zuversicht vermittelt. Demasi zeichnet nach, wie erstaunlich weit interne Diskussionen und öffentliche Kommunikation bisweilen auseinanderlagen.
Mehr als fünf Jahre nach Beginn der Impfkampagne bleibt auch die wissenschaftliche Bewertung der COVID-19-Impfstoffe in Bewegung. Wir haben deshalb unseren Fachbeitrag umfassend aktualisiert. Neue Sicherheitsdaten und große Beobachtungsstudien erweitern die Datenbasis – beantworten aber längst nicht alle Fragen. Gerade beim langfristigen Nutzen-Risiko-Verhältnis bleiben Unsicherheiten, die transparent benannt werden sollten.
Eine solche kontinuierliche Aufarbeitung wissenschaftlicher Literatur ist aufwendig. Studien müssen gesucht, geprüft, miteinander verglichen und verständlich aufbereitet werden. Wenn Sie diese unabhängige und differenzierte Arbeit unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihre Spende.
Schließlich haben wir auch unseren Fachbeitrag zur Polioimpfung überarbeitet. Neben neuen Daten zur Sicherheit und einer systematischen Untersuchung der sogenannten non-spezifischen Effekte haben wir untersucht, wie die STIKO ihre Polio-Impfempfehlung wissenschaftlich begründet hat. Eine systematische Herleitung der grundsätzlichen Empfehlung für den heute verwendeten Impfstoff lässt sich in den ausgewerteten öffentlichen Unterlagen nur eingeschränkt nachvollziehen. Das bedeutet nicht, dass die Impfung unwirksam wäre. Es zeigt aber, warum auch etablierte Empfehlungen transparent begründet und regelmäßig anhand der aktuellen Evidenz überprüft werden sollten.
Unsere Umfrage aus dem Newsletter #77 zur Einrichtung einer Online-Fortbildungsplattform hat eine enorme Resonanz gefunden. Dafür unseren herzlichen Dank! Ihre Antworten und Anregungen liefern uns wichtige Informationen für die Gestaltung dieses Angebotes.
Ihr ÄFI-Team
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