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Die versteckten Impfstoffwarnungen in Faucis Tagebuch
Ende 2020 wurde der Öffentlichkeit eine Geschichte großen wissenschaftlichen Triumphs verkauft. Die FDA [Food and Drug Administration, US-Behörde für die Zulassung von Medikamenten und Impfstoffen, Anm. d. Übers.] hatte die ersten COVID-Impfstoffe zugelassen, die Fernsehsender zeigten Mediziner, Pfleger und Krankenschwestern, die die Ärmel hochkrempelten, und die Verantwortlichen im Gesundheitswesen drängten Millionen Menschen, sich impfen zu lassen – mit der Zusicherung, dass dieser Pieks den Weg zurück zu einem normalen Leben ebnen werde.
In Dr. Anthony Faucis persönlichem Tagebuch aber formierte sich eine erschreckend andere Realität: Schon wenige Wochen nach der Zulassung der ersten Impfstoffe diskutierten Faucis engste wissenschaftliche Mitarbeiter nicht darüber, wie die Impfungen die Pandemie beenden würden – sondern darüber, ob kommende Virusvarianten das Ganze nicht ganz schnell untergraben würden.
Der Öffentlichkeit wurden diese Diskussionen allerdings vorenthalten.
Am 9. Januar 2021, weniger als einen Monat, nachdem der erste COVID-19-Impfstoff die Notfallzulassung in den USA erhalten hatte, dokumentiert Fauci eine Unterredung mit Dr. David Ho, Virologe an der Columbia University. Dieser hatte begonnen, durch die Impfung erzeugte Antikörper gegen die neu aufgekommenen Virusvarianten aus Großbritannien und Südafrika zu testen – und die ersten Resultate erbrachten „verstörende Daten“.
Fauci fasst das Gespräch wie folgt zusammen: „Es sieht so aus, als werde der Impfstoff umgangen. Wir müssen uns darauf einstellen, den Impfstoff anzupassen, wenn die Beobachtung sich bestätigt.“
Während die Öffentlichkeit also noch die Ankunft der Impfstoffe feierte, begann Faucis innerster Kreis schon, die Dauer ihrer Nutzbarkeit in Zweifel zu ziehen.
Drei Tage später, am 12. Januar, vertieften sich die Sorgen, als Fauci notierte, dass die südafrikanische Variante eine zwei- bis dreifache Verringerung der Schutzwirkung der durch die Impfung erzeugten Antikörper mit sich brachte.
Bald darauf stellte Fauci Überlegungen an, Finanzmittel von Bill Gates heranzuziehen, um die Entwicklung varianten-basierter mRNA-Impfstoffe der neuesten Generation zu beschleunigen. Im Gespräch mit Journalisten hingegen machte Fauci nur die kurze, zurückhaltende Bemerkung, dass „die Varianten gewisse Auswirkungen haben könnten … vielleicht sogar auf den Impfstoff. Das wissen wir nicht.“
Am 14. Januar eskalierten die Warnungen hinter verschlossener Tür, als Ho Fauci eine Nachricht sandte und warnte: „Die Varianten werden wirklich zu einem großen Problem.“ Ho hatte einen „erheblichen“ Rückgang der neutralisierenden Wirkung quer durch alle Serumproben festgestellt, mit denen er arbeitete, was ihn darin bestätigte, dass die aufkommenden neuen Virusvarianten „die Effektivität der gegenwärtigen Impfstoffe untergraben“ und dass weitere neue Varianten „die derzeit verwendeten monoklonalen Antikörper und Impfstoffe nutzlos werden lassen könnten.“
Aber anstatt der Öffentlichkeit reinen Wein einzuschenken, was diese wissenschaftlichen Unsicherheiten betraf, tat die offizielle Kommunikation in den folgenden Wochen das genaue Gegenteil: Man äußerte sich in wachsendem Maße zuversichtlich. Die Medien griffen dieses Narrativ begeistert auf, wie etwa MSNBC-Moderatorin Rachel Maddow, die den Zuschauern versicherte: „Das Virus endet mit jedem Geimpften!“
Fauci blies in dasselbe Horn der Illusion, als er am 16. Mai 2021 bei der CBS-Sendung „Face the Nation“ auftrat. Er erklärte, dass jemand, der sich impfen lasse, „für das Virus eine Sackgasse wird. Das Virus wird nirgendwohin gelangen.“
Diese Versprechungen hatten verheerende Konsequenzen im wirklichen Leben. Sie schürten falsche Erwartungen, beeinflussten individuelle Gesundheitsentscheidungen und sie wurden später zur moralischen Leitlinie für aggressive Impfpflichten, die Millionen Menschen vor die Wahl stellten, sich impfen zu lassen oder ihre Existenz zu verlieren.
Im Laufe des Juni und Juli fanden die wissenschaftlichen Bedenken vom Januar zunehmend auch den Weg in die Öffentlichkeit. Impfdurchbrüche wurden immer häufiger und in Faucis Tagebuch findet sich die Eintragung, dass israelische Daten zeigten: Der Schutz vor Ansteckung durch den Impfstoff von BioNTech/Pfizer war auf 64 % gesunken. Zugleich deuteten britische Daten auf einen abnehmenden Schutz auch vor Übertragung des Virus.
Am 2. August 2021 erschien Fauci schließlich im Oval Office, um Präsident Joe Biden von der schwindenden Effektivität der Impfung und der Notwendigkeit von Booster-Impfungen zu berichten. Dieser hingegen war komplett auf das Thema Impfskepsis fokussiert, so dass Fauci notierte, der Präsident werde zunehmend ungeduldig, dass es so lange dauere, bis der Impfstoff die volle Zulassung der FDA erhalte.
Die vollständige Zulassung des Pfizer-Impfstoffes am 23. August 2021 schließlich ebnete den Weg für weitreichende Befugnisse der Behörden [hinsichtlich Impfpflichten, Anm. d. Übers.] und Booster-Kampagnen. Aber Faucis Versuche, die Impfpolitik zu beeinflussen, waren damit nicht beendet.
Wochen später votierte die Impf-Fachkommission der CDC, ACIP [Advisory Committee on Immunization Practices, vergleichbar der deutschen STIKO, Anm. d. Übers.], gegen allgemeine Booster-Empfehlungen für junge gesunde Erwachsene, was Fauci veranlasste, diese Entscheidung in Frage zu stellen.
Am 23. September 2021 notierte Fauci, er habe CDC-Direktorin Rochelle Walensky „geradezu anbetteln“ müssen, dieses Votum zu überstimmen. Tue sie es nicht, so Fauci, sei das „ein fataler Fehler“ und schrieb als Erläuterung dazu: „Das Weiße Haus zählte darauf, dass mein Einfluss sie veranlassen werde, das Richtige zu tun.“ Am nächsten Morgen protokollierte Fauci seinen Sieg. Walensky hatte tatsächlich ihre eigenen Experten überstimmt. „Schau an, Rochelle hat auf mich gehört“, schrieb er in sein Tagebuch.
Das Tagebuch von Anthony Fauci dokumentiert die tiefe Kluft zwischen Erkenntnissen, die er für sich behielt, und seinen öffentlichen Äußerungen. Im privaten Tagebuch dokumentierte er die Beeinträchtigung des Schutzes durch Antikörper, die zunehmende Immunflucht neuer Varianten und den politischen Druck rund um die Impfpolitik. Öffentlich aber strahlte er unerschütterliche Zuversicht aus – so lange, bis niemand mehr die Tatsachen zu ignorieren vermochte.
Über unsere Autorin
Die Debatte um Impfungen und Impfempfehlungen ist längst keine nationale mehr. Nicht erst seit der Corona-Pandemie arbeiten internationale Organisationen von WHO bis GAVI daran, Impfpolitik zu globalisieren.
Besonders spannend sind die gegenwärtigen Entwicklungen in den USA. Kaum jemand beobachtet und kommentiert sie genauer und treffsicherer als Maryanne Demasi. Die australische Medizinerin und Journalistin arbeitete lange beim australischen Fernsehsender ABC und hinterfragt seit Jahren Narrative in der Gesundheitspolitik, von Statinen bis zur Pandemiepolitik. Sie ist exzellent vernetzt und hat gute Kontakte zu vielen Koryphäen der amerikanischen Gesundheitspolitik.
Zuletzt wurde Demasi mit dem „Australians for Science and Freedom Award for Science” für ihre unabhängige und kritische Arbeit ausgezeichnet. Wer an ihren hervorragenden Texten interessiert ist, dem sei ein Abonnement ihres (englischsprachigen) Substack-Blogs empfohlen:

Artikel von Maryanne Demasi bei ÄFI:
Der modRNA-Erfinder, der Fauci warnte, 13. Aug. 2026
Amerika schreibt das Impfschema für Kinder neu, 27. Jan. 2026
Weitere Informationen:
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