Kostenlos: Der ÄFI-Newsletter

Bleiben Sie bei den Themen Impfungen und Impfentscheidung auf dem neuesten Stand!

Per E-Mail: aktuell, evidenzbasiert, verständlich

Jetzt anmelden

  • Impfaufklärung
  • STIKO
  • Wissenschaft

Adjuvantien: Wirkungen und Sicherheit von Aluminium und Lipidnanopartikeln weitgehend unklar

Aluminiumadjuvantien sind zwar pharmakologisch wirksam, aber ihre Sicherheit ist weitgehend unklar, langfristige Auswirkungen sind unbekannt. Bei Lipidnanopartikeln gibt es massive Sicherheitssignale, die nach und nach erforscht werden. ÄFI hat seinen Fachbeitrag zu diesen beiden relevanten Adjuvantien nun aktualisiert. Das mitveröffentlichte wissenschaftliche Hintergrundpapier gibt einen Einblick in die Literaturrecherche und Auswertung durch ÄFI.

Adjuvantien sind pharmakologisch wirksame Begleitstoffe, welche die Wirksamkeit (Immunogenität) von Impfstoffen verbessern sollen. Der ÄFI-Fachbeitrag fokussiert auf die Adjuvantien Aluminium und Lipidnanopartikel (LNP).

Eine neue Studie zur Risikobewertung der Aluminiumexposition beim Menschen anhand eines physiologisch basierten toxikokinetischen Modells kommt zu dem Ergebnis, dass die vollständige Aluminium-Aufnahme aus Impfstoffen (Absorption) geschätzt etwa ein Jahr dauert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Aluminiumsalze kristalline, unlösliche Komplexe bilden und sich nicht sofort im Gewebe über die Phagozytose auflösen. Es wird somit bis zu ein Jahr lang Aluminium im Körper langsam freigesetzt.

Da Aluminium sich als Element nicht einfach in Luft auflösen kann, bleiben nach der Aufnahme und Lösung aus den Komplexen in die Antigen-präsentierenden Zellen zwei Möglichkeiten: die Anreicherung im Organismus oder die Ausscheidung.


Studien zu Aluminium mit geringer Validität

Dass die Folgen der Aluminiumzufuhr über Impfstoffe weiterhin unklar ist, liegt auch darin begründet, dass Studien zur klinischen Sicherheit von einem sehr hohen Verzerrungsrisiko betroffen sind, die vorhandene Evidenz also nur eine sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit aufweist.

Ein Beispiel dafür ist eine neue im Fachjournal Annals of Internal Medicine publizierte Kohortenstudie mit nationalen Registerdaten (Dänemark) zum Zusammenhang zwischen Aluminium-haltigen Impfungen und chronischen Krankheiten in der Kindheit. Der Datensatz umfasst über 1,2 Millionen Kinder, die zwischen 1997 und 2018 geboren wurden und im Alter von 2 Jahren noch lebten. Die Entwicklung von 50 chronischen Erkrankungen – darunter Autoimmunerkrankungen, atopische oder allergische Erkrankungen und neurologische Entwicklungsstörungen – wurde hinsichtlich der kumulativen Aluminiumzufuhr überprüft. Für keine der 50 Erkrankungen konnte ein Zusammenhang festgestellt werden. Doch die Studie wurde von anderen Experten hinsichtlich ihrer Validität stark kritisiert.

So bemängelten der Aluminium-Forscher Christopher Exley, die Impfstoffforscherin Christine S. Benn und der Psychologe Christoph Kuhbandner das methodische Vorgehen, eine Addition der Angaben des Aluminium-Gehalts der Hersteller für eine Schätzung der Exposition zu verwenden, anstatt komplett ungeimpfte Kinder mit geimpften Kindern zu vergleichen. Ohne Vergleich mit einer Null-Exposition sei keine Dosis-Wirkung-Beziehung überprüfbar.

Weitere Kritikpunkte anderer Forscher ist ein sogenannter Healthy Vaccinee Bias, wonach sich Familien mit einem besseren Gesundheitszustand oder einer stärkeren Einhaltung der Vorsorgeuntersuchungen eher an die Impfpläne halten. Außerdem seien wichtige Aspekte wie der Zeitpunkt der Impfung und das Körpergewicht nicht in die Analyse einbezogen worden. Dabei wurde in mehreren Studien der Einfluss der Verzögerung der ersten Impfdosis mit einem Aluminium-haltigen Impfstoff auf das niedrigere Risiko der Entwicklung atopischer Dermatitis bestätigt.
 

Weitere klinische Studien zu Aluminiumsalzen sind unbedingt notwendig

Forscher einer neuen Analyse zu den Zulassungsstudien des HPV-Impfstoffes Gardasil® kommen zu dem Ergebnis, dass das Vorgehen des Impfstoffherstellers Merck, der Kontrollgruppe ein Aluminium-haltiges Placebo zu verabreichen, unethisch war und mehrere unrichtige Angaben gegenüber den Studienteilnehmern gemacht wurden, was die informierte Einwilligung beeinträchtigte.

Mehrere Studienteilnehmer, die der Placebo-Gruppe zugeordnet wurden, entwickelten chronische und behindernde Erkrankungen. Dabei war die Nutzung von Aluminium in der Placebo-Gruppe mit keinerlei Vorteil verbunden. Im Gegenteil: Dieses Vorgehen hat die Datenintegrität stark beeinträchtigt. Peter C. Gøtzsche, einer der Gründerväter der Cochrane-Gesellschaft, beschreibt dieses Vorgehen als Betrug. (Weitere Informationen zum Hintergrund finden sich auch im ÄFI-Fachbeitrag zu HPV)

Daraus folgt, dass neue RCTs notwendig sind. Ansonsten werden auch neue systematische Reviews zu einzelnen Impfungen in der Vertrauenswürdigkeit ihrer Evidenz immer eingeschränkt bleiben.
 

Geänderte STIKO-Empfehlung: Geringere Aluminium-Belastung

Über die vor Kurzem erfolgte Entscheidung der STIKO, die Impfempfehlung gegen Meningokokken C für Kinder aufzuheben und stattdessen eine Impfung für Jugendliche gegen Meningokokken die Serotypen A, C, W und Y zu empfehlen, haben wir hier berichtet. Auch wenn diese neue Impfempfehlung aufgrund extrem niedriger Krankheitszahlen kritisiert werden kann, so hat sie doch auch etwas Gutes: Während in den Meningokokken-C-Impfstoffen Aluminium als Adjuvans enthalten ist, ist dies für die Meningokokken-ACWY-Impfstoffe nicht der Fall. Somit reduziert sich die Aluminium-Belastung für Kinder bis zum Alter von 5-6 Jahren (U9) um 0,3-0,5 mg Aluminium auf 2,715 bis 5,3 mg. Auch wenn die STIKO diesen Vorteil nicht explizit bei ihrer Rücknahme der Impfempfehlung erwähnt hat, so ist dies dennoch erwähnenswert.
 

Lipidnanopartikel führen direkt zu systemischen Impfreaktionen

Bei Lipidnanopartikeln (LNPs) sieht die Lage ähnlich wie bei den Aluminium-Adjuvantien aus. Mittels LNPs als Adjuvant soll die modRNA in die Wirtszelle eingeschleust und im Zytoplasma per Biosynthese in das Spikeprotein übersetzt werden. Über diesen Mechanismus sowie die adversen Reaktionen der LNPs ist erstaunlich wenig bekannt.

Große Kohortenstudien mit über 99 Millionen Teilnehmern konnten bereits starke Sicherheitssignale bei den mRNA-COVID-19-Impfstoffen entdecken, so etwa zu Myokarditis und Perikarditis, die mit den entzündlichen Eigenschaften der LNPs in Zusammenhang stehen. Eine 2025 veröffentlichte randomisierte, aktiv gegen einen Influenza-Impfstoff-kontrollierte Phase-1-Studie konnte erstmals anhand des Zytokinprofils nachweisen, dass die systemischen Impfreaktionen der modRNA-Impfstoffe direkt auf die LNPs zurückzuführen sind.

Problematisch ist überdies das Unwissen über die Auswirkungen der Biodistribution von Stoffen wie der modRNA, die über die Lipidnanopartikel transportiert wird. Studien zeigen, dass LNPs die modRNA aus den COVID-19-Impfstoffen systemisch auf die Muttermilch und über die Plazenta übertragen. Nicht geklärt ist, welche klinischen Auswirkungen dies für geimpfte Stillende bzw. Schwangere hat. Ebenso sind die möglichen Auswirkungen und Reaktionen der Plazenta und des Fötus auf die mRNA des Impfstoffs noch unbekannt.

Dass die klinischen Auswirkungen der Biodistribution nicht vor Marktzulassung geklärt wurden, die Biodistribution selbst nicht bekannt war, ist nicht anders als fahrlässig hinsichtlich der Sicherheitsstandards zu bezeichnen. Weitere Informationen dazu finden sich auch im ÄFI-Fachbeitrag zu Impfungen in der Schwangerschaft.
 

Fachbeitragsaktualisierung mit Hintergrundpapier

Wie in den letzten Monaten angekündigt wird fortan jede Fachbeitragsaktualisierung durch ein wissenschaftliches Hintergrundpapier begleitet. Dort finden interessierte Leserinnen und Leser beispielsweise ausführliche Informationen zur Suchstrategie und zur Auswertung der Literatur. Durch das transparente Vorgehen wollen die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) eine Überprüfbarkeit der Ergebnisse ermöglichen und das Vertrauen in die wissenschaftliche Arbeit des Vereins stärken. Das Hintergrundpapier steht im Anhang des jeweiligen Fachbeitrags als PDF zum Download zur Verfügung.

Weitere Informationen:

Aktualisierter Fachbeitrag zu Adjuvantien, 26. Nov. 2025

Wiss. Hintergrundpapier zu Adjuvantien, 26. Nov. 2025

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?