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Der mRNA-Erfinder, der Fauci warnte

Vier Jahre, bevor er es als „absolut unmöglich“ bezeichnete, dass mRNA aus den Impfstoffen im Körper verbleiben könne, teilte Nobelpreisträger Drew Weissman in einem privaten Gespräch Anthony Fauci mit, dass er in seinem eigenen Labor besorgniserregende Entdeckungen gemacht habe.

Vorbemerkung von ÄFI

Der Vorsitzende des US-Ausschusses für innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten (HSGAC), Senator Rand Paul, erhielt im Zuge seiner Untersuchung der COVID-19-Pandemie eine Tagebuch-Sammlung von persönlichen Gedanken, Beobachtungen und Notizen, die Anthony Fauci von Dezember 2019 bis Dezember 2022 angefertigt hat.

Fauci war bis zu seinem Ausscheiden Ende 2022 jahrzehntelang der Leiter der US-Bundesforschungseinrichtung für Infektionskrankheiten (NIAD) und medizinischer Chefberater verschiedener US-Präsidenten, zuletzt auch von Joe Biden. In dieser Funktion erläuterte er öffentlich die wissenschaftliche Seite der Pandemiepolitik.

Faucis Tagebücher lagen auf verschiedenen Computersystemen des US-Gesundheitsministeriums und zugehöriger Behörden und waren damit zugänglich. Ende Juli 2026 veröffentlichte Paul eine große Sammlung der Einträge – kurz vor Faucis Anhörung im Senatsausschuss, bei der dieser jede inhaltliche Antwort unter Berufung auf den 5. Verfassungszusatz verweigerte.

Eine der zentralen Fragen lautet: Hatte Fauci privat Zweifel an bestimmten Aspekten der Pandemiepolitik – etwa zur Sicherheit und Wirkung der neuartigen modRNA-Impfstoffe –, die er gegenüber der Öffentlichkeit allenfalls am Rande oder gar nicht formulierte?

Unsere Gastautorin Maryanne Demasi geht darauf in Zusammenhang mit der Frage ein, inwiefern die COVID-19-Impfstoffe und die Lipidnanopartikel im Körper verbleiben und ob insbesondere gebärfähige und schwangere Frauen gefährdet sein könnten.
 

Gastbeitrag von Maryanne Demasi

Im Jahr 2025 sprach Nobelpreisträger Drew Weissman voller Vertrauen über die mRNA-Technologie, die er maßgeblich miterfunden hatte. Seine Antwort auf die Frage, ob genetisches Material oder Lipidnanopartikel (LNP) aus den COVID-19-Impfstoffen im Körper länger verbleiben oder sich über die Injektionsstelle hinaus ausbreiten könnten, war eindeutig: „Das ist absolut unmöglich … Die RNA ist nach ein paar Tagen verschwunden“. Weissman erhielt im Jahr 2023 den Nobelpreis für Medizin für die Erfindung der mRNA-Technologie [gemeinsam mit Katalin Karikó, Anm. d. Übers.].

Vier Jahre zuvor jedoch und hinter verschlossenen Türen klang seine Botschaft ein wenig anders.

Kürzlich von US-Senator Rand Paul veröffentlichte Dokumente belegen, dass Weissman in privaten Nachrichten Anthony Fauci über besorgniserregende Befunde seines eigenen Labors in Kenntnis setzte. Diese Befunde führten zu heftigen Debatten unter einigen der erfahrensten Impfstoff-Forscher des NIH [National Institute of Health, Anm. d. Übers.], bevor sie schließlich in Faucis persönlichem Tagebuch auftauchten.
 

Technologie noch in der Entwicklung

Als die Pandemie ausbrach, waren mRNA-Impfstoffe eine in Entwicklung befindliche Technologie. Noch zwei Jahre zuvor veröffentlichten Weissman und einige seiner Kollegen eine Übersicht in der Zeitschrift Nature Reviews Drug Discovery.

Einerseits priesen sie das Potenzial der mRNA-Technologie an, andererseits verwiesen sie auch auf unbewältigte Hürden, etwa die mangelnde Stabilität der RNA, unerwünschte Immunreaktionen und die Schwierigkeit, das genetische Material in die richtigen Zellen zu transportieren.

Obwohl die ersten Tierversuche durchaus vielversprechende Resultate zeitigten, waren die Ergebnisse der frühen Studien am Menschen nur mäßig und veranlassten die Autoren zur Zurückhaltung bei den Erwartungen an die Technologie.

Des Weiteren stellten sich gewichtige Fragen hinsichtlich der Sicherheit von mRNA-Impfstoffen bei Schwangeren, weil schwangere Frauen von den entscheidenden Studien durch Pfizer und Moderna ausgeschlossen waren. Die Zulassungsbehörden mussten sich mit Daten aus Tierversuchen zufriedengeben, die Daten zur Wirkung auf Menschen wurden erst durch die praktische Anwendung erhoben.

Vor diesem Hintergrund muss die direkte Kontaktaufnahme Weissmans mit Fauci bewertet werden.
 

Fauci durch neue Daten alarmiert

Am 8. Februar 2021 schrieb Weissman per E-Mail an Fauci: „Ich möchte Dich auf neue Daten hinweisen, die wir gewonnen haben.“ Er berichtete von der Beobachtung, dass mRNA-LNP, die trächtigen Mäusen injiziert wurden, deren Placenta durchwanderten und in den Fötus eindrangen, wo sie virale Proteine produzierten und so eine Immunreaktion im Fruchtwasser auslösten. In nicht-trächtigen Mäusen reicherten sich die LNP im Uterus und in den Eierstöcken an.

Zwar kamen bei diesen anfänglichen Experimenten intravenöse Dosen zur Anwendung, die etwa um den Faktor 100 höher waren als eine Standardimpfung, aber die Ergebnisse deckten sich mit der breiten Forschung.

Schon 2013 hatten französische Wissenschaftler nachgewiesen, dass Lipidnanopartikel sich in Organen wie den Eierstöcken anreichern können und deutlich gemacht, wie wichtig es ist, zu verstehen, wie sich verschiedene mRNA-Transportmethoden im Körper auswirken.

Diese Befunde spiegelten sich auch in den aufsichtsrechtlichen Unterlagen für COVID-19-Impfstoff-Studien wider, die aufzeigten, dass die mRNA transportierenden Lipidnanopartikel sich in Organen anreichern, unter anderem in den Eierstöcken.

Weissman wollte ein klinisch relevanteres Szenario testen. Daher plante er, die Studie mit intramuskulären (i. m.) Injektionen zu wiederholen, wie es der normalen Vorgehensweise bei Impfungen entspricht.

„Wir warten mit der Veröffentlichung der Ergebnisse, bis die Studien abgeschlossen sind“, schrieb er an Fauci und verwies darauf, dass er bereits die Federal Drug Administration FDA, die Unternehmen Moderna und BioNTech/Pfizer sowie die DARPA [Defense Advanced Research Projects Agency, eine US-Behörde für neuartige Militärtechnologien, die maßgeblich die mRNA-Forschung vorangetrieben hatte, Anm. d. Übers.] informiert habe.

Fauci antwortete noch am gleichen Abend: „Es wäre interessant zu sehen, welche Wirkungen [bei Mäusen] auftreten könnten, wenn Mengen verabreicht werden, die Menschen intramuskulär erhalten würden.“

Drei Wochen später, am 1. März 2021, schrieb Weissman ihm zurück und hängte einen vertraulichen Bericht an. „Hier sind die Untersuchungen zur intramuskulären Verabreichung der für den Menschen bestimmten Dosis bei trächtigen Mäusen. Wir sind immer noch besorgt wegen der Ergebnisse.“

Innerhalb einer Stunde hatte Fauci den Bericht an Dr. John Mascola, den Direktor des „Vaccine Research Centre“ des NIH, weitergeleitet: „Lass uns darüber reden.“ Mascola leitete den Bericht sofort an sein Führungsteam zur Prüfung weiter.
 

Offizielle Zurückweisung

Ungeachtet der Rolle Weissmans als führender mRNA-Pionier verwarfen die NIH-Mitarbeiter die Bedenken umgehend. Karin Bok, leitende Beraterin für die Impfstoffentwicklung beim NIH, wies die Studie sofort zurück. „Ich habe keine Kommentare oder Bedenken“, schrieb sie. Die Ergebnisse seien normal für Studien an Mäusen und es sei folgerichtig, dass die mRNA die Injektionsstelle verlasse und sich im Körper verteile, „die Placenta eingeschlossen“.

Mit dieser persönlichen Einschätzung befand sie sich in scharfem Widerspruch zur offiziellen Außendarstellung zu dieser Zeit, die der Öffentlichkeit stets versicherte, die Impfstoff-Substanz verbleibe größtenteils im Bereich der Injektionsstelle, also im Arm.

Bok fügte hinzu, Geburtshilfe-Experten, die für die Empfehlungen des CDC [Centers for Disease Control and Prevention, Anm. d. Übers.] verantwortlich seien, seien sich „bereits bewusst, dass mRNA den Fötus erreichen könnte.“

Dr. Emily Erbelding, die Direktorin der „Division of Microbiology and Infectious Diseases“ bei NIAID [National Institute of Allergy and Infectious Diseases, Anm. d. Übers.], reagierte ähnlich ablehnend auf Weissmans Bedenken. „Ich weiß nicht, was Drew Weissman damit bezwecken will“, schrieb sie und merkte an, dass die regulatorische Zuständigkeit bei der FDA liege [und nicht beim NIH, zu dem das NIAID gehört, Anm. d. Übers.]. 

Die Kluft war frappierend: Einer der Erfinder der mRNA-Technologie war der Überzeugung, die Erkenntnisse bedürften dringend weiterer Untersuchungen, aber die leitenden Offiziellen sahen keinen Grund zur Besorgnis.
 

Weissman wollte an die Öffentlichkeit

Auch wenn seine Mitarbeiter die Untersuchungen abtaten, war Fauci weiterhin unwohl – vor allem, weil Weissman eine Pressekonferenz plante. In seinem privaten Tagebuch notierte Fauci, dass sowohl die FDA als auch die beiden Impfstoffhersteller Weissmans Beobachtungen für „unzutreffend“ hielten.

Normalerweise hätte die Angelegenheit damit beendet sein können. Aber Fauci war bewusst, welcher PR-Albtraum drohte, wenn Weissman mit diesen Beobachtungen an die Öffentlichkeit gehen würde. „Wir können sie aus offensichtlichen Gründen nicht einfach abwimmeln“, notierte er. „Wenn sie eine Pressekonferenz abhalten, wird das ein riesiges Durcheinander auslösen.“ Stattdessen hoffte er auf eine Wiederholung der Untersuchungen „mit gegenteiligen Ergebnissen“.

Das Thema erreichte schnell die höchsten Regierungsebenen. Am gleichen Abend rief Jeff Zients, der COVID-19-Chefberater des Weißen Hauses, Fauci an, um die Situation mit ihm zu besprechen. Fauci wies darauf hin, dass die FDA ihre Sicherheitsdaten öffentlich klarstellen müsse.

Nach diesem Eintrag verlief die Angelegenheit aber offenbar im Sande. Faucis Tagebuch enthält keine weiteren Einträge zu Weissmans Entdeckungen oder ob weitere Studien sie widerlegten.
 

Was veränderte sich?

Zwischen 2021 und 2025 veränderte sich Weissmans öffentliche Position dramatisch. Im März 2021, nach Abschluss der Intramuskulär-Untersuchungen, sagte er zu Fauci und dessen Kollegen, er habe ernsthafte Bedenken wegen der Ergebnisse. Dieser vertrauliche Bericht wurde nie veröffentlicht, und nach meiner Kenntnis gab es auch keine peer-reviewte Überprüfung der Untersuchungsergebnisse.

Im September 2025 allerdings ließ Weissman keinerlei Bedenken mehr erkennen. Die COVID-19-Arbeitsgruppe der CDC, geleitet von MIT-Professor Retsef Levi, hatte Bedenken geäußert hinsichtlich der „weiten Verbreitung und deutlich längeren Verweildauer von Spike-Proteinen, mRNA und Lipidnanopartikeln im Körper“. Von STAT [renommiertes Online-Magazin zu Gesundheits- und Medizinthemen, Anm. d. Verf.] daraufhin um eine Einschätzung befragt, antwortete Weissman, das sei schlicht schlechte Wissenschaft. „Das ist vollkommen unmöglich. Die RNA ist nach ein paar Tagen verschwunden. Wenn man eine dem Impfstoff entsprechende Dosis verimpft, sieht man die RNA im Muskel, im abführenden Lymphknoten, aber das war’s.“

Welche Beweise haben also Weissmans private Bedenken in öffentliche Gewissheit verwandelt? Die von Senator Rand Paul veröffentlichten Dokumente beantworten diese Frage nicht.

Aber in der Zeit zwischen beiden Statements erhielt Weissman den Nobelpreis für Medizin und wie veröffentlichte Finanzunterlagen zeigen, stellte BioNTech seinem Labor rund 2,48 Mio. US-Dollar für Forschungsarbeit zur Verfügung.

Tatsächlich zeigen die veröffentlichten Unterlagen, dass an einer kritischen Wegmarke der globalen Impfkampagne eine der Schlüsselfiguren in der Entwicklung der mRNA-Technologie in privatem Rahmen bestürzende Untersuchungsergebnisse hinsichtlich COVID-19-Impfungen bei trächtigen Tieren zur Sprache brachte. Und dass diese Bedenken hinter verschlossenen Türen von leitenden Verantwortlichen im Gesundheitswesen kurzerhand zur Seite gewischt wurden, ohne dass die Öffentlichkeit je davon erfuhr.
 


 

Über unsere Autorin

Die Debatte um Impfungen und Impfempfehlungen ist längst keine nationale mehr. Nicht erst seit der Corona-Pandemie arbeiten internationale Organisationen von WHO bis GAVI daran, Impfpolitik zu globalisieren.

Besonders spannend sind die gegenwärtigen Entwicklungen in den USA. Kaum jemand beobachtet und kommentiert sie genauer und treffsicherer als Maryanne Demasi. Die australische Medizinerin und Journalistin arbeitete lange beim australischen Fernsehsender ABC und hinterfragt seit Jahren Narrative in der Gesundheitspolitik, von Statinen bis zur Pandemiepolitik. Sie ist exzellent vernetzt und hat gute Kontakte zu vielen Koryphäen der amerikanischen Gesundheitspolitik.

Zuletzt wurde Demasi mit dem „Australians for Science and Freedom Award for Science” für ihre unabhängige und kritische Arbeit ausgezeichnet. Wer an ihren hervorragenden Texten interessiert ist, dem sei ein Abonnement ihres (englischsprachigen) Substack-Blogs empfohlen:

https://blog.maryannedemasi.com
 

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