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Wirksamkeit, Schutzdauer und Strategie der Keuchhustenimpfung
Seit den Coronajahren verzeichnet Deutschland einen deutlichen Wiederanstieg bei den Erkrankungszahlen von Keuchhusten (Pertussis). Vor allem 2024 wurde eine hohe Zahl von Fällen (rund 25.000) registriert. Das geht aus der Aktualisierung des Impf-Fachbeitrags zu Keuchhusten der Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung (ÄFI) hervor.

Als mögliche Ursachen werden in der Forschung vor allem die nachlassende Immunität nach Impfung, die Impfstrategie und Veränderungen des Krankheitserregers B. pertussis diskutiert.
Bei den Impfstoffen steht die Wirksamkeit der azellulären Impfstoffe (ohne Erregerzellen) im Vordergrund. So zeigen europäische Beobachtungsstudien kurz nach vollständiger Grundimmunisierung bei Kleinkindern teilweise sehr hohe relative Wirksamkeiten. In einer französischen Studie lag die geschätzte Wirksamkeit nach vollständiger Grundimmunisierung bei 93 % gegen Keuchhusten-bedingte Krankenhausaufenthalte, eine niederländische Studie ermittelte bei 12- bis 35 Monate alten vollständig geimpften Kindern 98 % gegen laborbestätigten Keuchhusten.
Begrenzte Schutzdauer der Pertussis-Impfung
Allerdings lässt die Wirkung der Impfung innerhalb weniger Jahre nach, worauf bereits systematische Reviews und Meta-Analysen hingewiesen hatten. Neue Daten aus den Niederlanden stützen dieses Ergebnis: Trotz hoher Wirksamkeit nach der Grundimmunisierung können später erneut Keuchhusten-Erkrankungen auftreten. Hinzu kommt, dass die vorhandenen azellulären Impfstoffe die Zirkulation von B. pertussis nicht zuverlässig unterbrechen und daher keine klassische Herdenimmunität erzeugen.
Der Fachbeitrag stellt die erheblichen Unterschiede in Abhängigkeit von Alter, Anzahl der Impfdosen, Abstand zur letzten Impfung und Endpunkt heraus. Das wissenschaftliche Hintergrundpapier gibt tieferen Einblick in die methodischen Grenzen der drei neuen Beobachtungsstudien.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf möglichen non-spezifischen Effekten (NSE) der Impfung. Darunter werden gesundheitliche Wirkungen verstanden, die über den Schutz vor der eigentlichen Erkrankung hinausgehen. Dies können günstige als auch ungünstige Wirkungen sein.
Solche Effekte wurden besonders häufig bei Impfstoffen untersucht, die Komponenten gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTP) enthielten. Der Fachbeitrag enthält daher nun einen Abschnitt zu NSE von DTP-Impfungen.
Dabei zeichnen sich Hinweise darauf ab, dass der Impfstatus oder die Reihenfolge der Impfungen mit einer höheren Gesamtsterblichkeit bei Mädchen einhergehen könnte. Auch könnte die Impfung zu ungünstigeren Ergebnissen führen, wenn DTP die zuletzt verabreichte Impfung war, etwa im Vergleich mit einer nachfolgenden Masernimpfung.
Auf der anderen Seite wurden auch positive NSE nach der Keuchhusten-Impfung untersucht. So zum Beispiel ein möglicher Zusammenhang zwischen einer DTP-(bzw. Tdap)-Impfung im Erwachsenenalter und einem geringeren Demenzrisiko.
Einschränkend muss jedoch betont werden, dass die Evidenz zu allen genannten möglichen NSE überwiegend aus Beobachtungsdaten und häufig aus Ländern mit hoher Kindersterblichkeit stammt und nicht ohne Weiteres auf die heutigen azellulären Pertussis-Impfstoffe in Deutschland übertragbar sind.
Wissenschaftliche Begründung der STIKO für ursprüngliche Keuchhusten-Impfung fehlt
Schließlich beleuchtet der Fachbeitrag auch wichtige Änderungen in der Keuchhusten-Impfstrategie der Ständigen Impfkommission (STIKO). Die wissenschaftlichen Begründungen wurden ergänzt und betreffen: die Wiedereinführung der Säuglingsimpfung, Auffrischungen im Kindes- und Jugendalter, die Erwachsenenimpfung und die Einführung des 2+1-Impfschemas.
Besonders interessant: Es zeigt sich, dass es keine ausführliche Begründung der ursprünglichen Pertussis-Impfung durch die STIKO gibt. Erst im Laufe der Zeit hat die Kommission die Nutzen-Risiko-Bewertung angepasst.
So hat die STIKO selbst auf die begrenzte Schutzdauer der Impfung hingewiesen. Außerdem stellte die Kommission selbst fest, dass sich die Erwartungen an bevölkerungsbezogene Effekte der aP-Impfstoffe nur teilweise erfüllt haben. Bei der Umstellung 2020 schätzte die STIKO für Deutschland jährlich etwa fünf zusätzliche Pertussiserkrankungen und eine zusätzliche Hospitalisierung bei Säuglingen, stellte dem aber die Vorteile eines vereinfachten Impfschemas gegenüber.
Alle Informationen zum Thema finden sich in der gebotenen Ausführlichkeit im Fachbeitrag sowie im dazugehörigen wissenschaftlichen Hintergrundpapier.
Weitere Informationen:
ÄFI-Fachbeitrag zu Keuchhusten (Pertussis), 2. Okt. 2026
Wissenschaftliches Hintergrundpapier zu Keuchhusten, 2. Okt. 2026
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