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Wenn der Wind sich dreht

Kurswechsel in der amerikanischen Impf-Politik: Mit seinen Personalentscheidungen will Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. für mehr Transparenz und Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie sorgen. Das könnte sich beim Thema Impfungen auch auf Deutschland auswirken.

Als US-Präsident Donald Trump Robert F. Kennedy Jr. (JFK) zum Gesundheitsminister machte, gab es einen Aufschrei in den deutschen Medien: „Ein Impfgegner für den Gesundheitsschutz?“ (Tagesschau, 29.1.2025), „… hat Verschwörungserzählungen verbreitet“ (Deutschlandfunk, 14.2.2025), „Impfgegner – Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen“ (SZ, 28.1.2025).

Kennedy, Sohn des gleichnamigen früheren Justizministers und Neffe von JFK, wurde bekannt als Anwalt für zahlreiche Umwelt- und Gesundheitsorganisationen. Er ist Kopf der Bewegung „Make America healthy again“ (MAHA – deutsch: Lasst uns Amerika wieder gesund machen). Inhalt dieses Programms, mit dem er zunächst als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl antrat, um dann ins Lager von Donald Trump zu wechseln, ist die Forderung nach radikaler Transparenz in Behörden wie FDA, CDC und NIH. Daneben vertritt er andere innovative Ansätze, wie etwa funktionale Medizin und personalisierte Therapie statt bloßer Leitlinien. (Ein Blick in das Programm lohnt sich.)

Die FDA (Food & Drug Administration) ist die Zulassungsbehörde für Arzneien, Lebensmittel und Impfstoffe, in Sachen Impfungen am ehesten vergleichbar mit dem PEI bzw. der EMA. Die CDC (Centers for Disease Control) sind die Bundesbehörde für die öffentliche Gesundheit und entspricht in etwa dem RKI. Das NIH (National Institute of Health) ist die zentrale Instanz für Forschung und Förderung, grob vergleichbar mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG.


Neues Personal für eine neue Gesundheitspolitik

Nachdem RFK kurz nach der Wahl neue Direktoren für FDA und NIH eingesetzt hatte, folgte der nächste große Schnitt: Das „Advisory Committee on Immunization Practices“ (ACIP) wurde komplett umbesetzt. Weithin der deutschen STIKO vergleichbar, ist das ACIP das US-Fachgremium für Impfempfehlungen. Wie RFK erläuterte, hatte sich das Gremium zu einem „rubber stamp club“ (deutsch etwa: Feigenblatt-Club) der Impfstoffindustrie entwickelt. Von den letzten 300 vorgelegten Impfstoffen war nicht ein einziger zurückgewiesen worden. Die Zahl der empfohlenen Impfungen für Kinder stieg von 11 im Jahr 1986 auf heute 95, so der Gesundheitsminister. Ein Grund dafür dürften die finanziellen Interessen der alten Besetzung gewesen sein, denen mehrfach Geschäftsverbindungen zur Pharmaindustrie nachgewiesen wurden.

Kennedys Maßnahme fiel drastisch aus – und ungeachtet des Aufschreis der Impf-Branche überzeugen die neuen Mitglieder mit großer Fachkenntnis. So wurde Dr. Robert Malone in die ACIP berufen, einer der Erfinder der mRNA-Technologie und der Lipidnanopartikel. Nach eigenem Impfschaden wandelte er sich zum Kritiker der mRNA-Impfungen. Auch Dr. Retsef Levi darf als profunder Kenner der Materie gelten, hat er doch mit anderen die Myokarditis-Folgen der Impfstoffe in den israelischen Gesundheitsdaten entdeckt. Dr. Martin Kulldorf dürfte vielen als Mitverfasser der „Great Barrington Declaration“ bekannt sein, die sich gegen breitangelegte Pandemiemaßnahmen und Lockdowns wandte. Er entwickelte zwei Surveillance-Systeme, die heute in der Früherfassung von Krankheitsausbrüchen und Nebenwirkungen weltweit Standard sind. Auch Dr. Cody Meissner oder Dr. Vicky Pebsworth (Autorin des Online-Video-Programms „Ask Nurse Vicky“) sind bekannte Namen in der Diskussion über Impfungen.

Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass die Rolle der ACIP eher beratend ist und letzte Entscheidungen von der CDC getroffen werden – anders als in Deutschland, wo das Wort der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) de facto entscheidet. Dr. Marty Makary, Direktor der CDC, gilt allerdings ebenfalls als kritischer Kopf und hat etwa die ACIP-Empfehlung, Thiomersal-haltige Grippeimpfstoffe künftig nicht mehr zu empfehlen, übernommen. In der Praxis bedeutet eine solche Entscheidung, dass Krankenversicherer die Kosten nicht mehr übernehmen, was für die betroffenen Impfstoffe oft das Aus bedeutet.


Gegenwind vonseiten der Pharmaindustrie

Der Wind beginnt sich also zu drehen – aber natürlich provoziert das Gegenwind. So berichtet die „Washington Post“ von gleich mehreren Ebenen, auf denen versucht wird, Kennedys Kurswechsel zu unterlaufen. Einige Bundesstaaten erwägen demnach, eigene Impfkommissionen zu etablieren, die dann anders entscheiden könnten als ACIP. Das würde jedoch erhebliche praktische Probleme aufwerfen, weil die landesweite Einheitlichkeit geopfert würde.

Außerdem wird an Krankenversicherer appelliert, ihre Erstattungsentscheidungen künftig eher vom Votum von Fachgesellschaften abhängig zu machen. Das „American College of Physicians“ ACP (Medizinervereinigung), die „American Academy of Pediatrics“ AAP (Vereinigung der Kinderärzte), die „Infectious Diseases Society of America“ IDSA (Gesellschaft zur Erforschung von Infektionserkrankungen) und auch die „Society for Maternal-Fetal Medicine“ SMFM (Gesellschaft für Mutter-Kind-Medizin) haben allesamt gegen die ACIP protestiert und sich als Alternative angeboten.

Kleiner Schönheitsfehler dabei: Sie alle werden in großem Umfang durch Pharmakonzerne finanziert. Von Pfizer über Moderna, GSK, Sanofi Pasteur bis Merck sind alle bekannten Namen dabei. Die Palette reicht von der Finanzierung von Veranstaltungen über Publikationen bis zu gemeinsamen Impfkampagnen.

Wer hierzulande darüber die Nase rümpft, dem sei allerdings gesagt: Auch der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin im September 2025 in Leipzig wird fast vollständig durch die Pharmaindustrie finanziert. Vorstandsmitglied der DGKJ ist übrigens Reinhard Berner, seines Zeichens Vorsitzender der STIKO.


Was kann Deutschland von den Veränderungen in den USA erwarten?

Zunächst leider, dass die Industrie alles in ihrer Macht Stehende versuchen wird, die Veränderungen rückgängig zu machen, RFK zu entmachten und danach erneut ihr gewogene Strukturen zu etablieren. „Die Amtsperiode stehen wir durch“, wird sich mancher Pharma-Manager sagen.

Andererseits dürften angesichts der globalisierten Strukturen der Pharmabranche die Schockwellen impfstoff-kritischer Entscheidungen auch nach Europa ausstrahlen. Ein Entzug der Zulassung für modRNA-Impfstoffe brächte wohl auch die ökonomische Grundlage für BioNTech und Moderna ins Wanken, was die Zukunft dieser Technologie sehr fraglich erscheinen ließe. Pfizer hat nach Schätzungen rund 40-50% seines Umsatzes mit Comirnaty in den USA erzielt, der Anteil Europas liegt mit 20-30% deutlich darunter.

Am wichtigsten aber erscheint Folgendes: An den Argumenten, an denen die ACIP-Fachleute ihre kommenden Entscheidungen festmachen – etwa Studien, die Impfempfehlungen in ein kritisches Licht rücken – wird die Debatte auch in Deutschland nicht vorbeikommen. Sollte die ACIP ihr vorgelegte Impfstoffe mit substantiellen Belegen als nicht empfehlenswert einstufen, müssten sich EMA und STIKO mit solchen Begründungen auseinandersetzen und erklären, warum sie ggf. darüber hinweggehen wollen.

Die weiteren Diskussionen auch hier in Deutschland dürften spannend werden. Die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) jedenfalls werden die Entwicklung kritisch im Sinne evidenzbasierter Entscheidungen begleiten.
 

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