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US-Behörden verwendeten statistische Methoden, die Sicherheitssignale unterdrückten

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und die Food and Drug Administration (FDA) sind die wichtigsten US-Behörden, die die Sicherheit der COVID-Impfstoffe kontrollieren sollten. Das British Medical Journal (BMJ), eine der weltweit führenden medizinischen Zeitschriften, deckte nun auf, dass beide Behörden eine statistische Methode verwendeten, die fälschlicherweise keine signifikanten Sicherheitssignale feststellte. Sie wurden über den Fehler in ihrem Verfahren informiert, haben diese Information aber unterdrückt.

Diese Geschichte besteht aus zwei Teilen: einer methodischen Analyse und einem investigativen Krimi.

Der methodische Teil

Bereits zu Beginn der Impfkampagne (Januar 2021) hatte die CDC vor, zwei Verfahren zur Überwachung der Impfstoffsicherheit anzuwenden. Nennen wir sie der Einfachheit halber die Methoden A und B. Wichtig ist, dass die Methode A entgegen dem Kontrollauftrag bis Mitte 2022 nicht angewendet wurde, und auch danach nur kurzfristig, so dass ein großer Teil der öffentlich zugänglichen Sicherheitsstatistik auf den Ergebnissen der Methode B beruhte. Diese aber hatte einen gravierenden Haken.

Was war das Problem? CDC und FDA benutzen die Daten des freiwilligen Meldesystems VAERS, dessen Angaben schlecht kontrollierbar sind und wahrscheinlich unter einem Underreporting, sprich einer hohen Dunkelziffer leiden. Deswegen kann ein direkter Vergleich zwischen den VAERS-Daten und der erwarteten Häufigkeiten ein und derselben Komplikation zu erheblichen Datenverzerrungen führen. Um diese Schwierigkeit zu beseitigen, wird stattdessen die Methode verwendet, in der die Häufigkeit einer Nebenwirkung (z. B. einer allergischen Reaktion) eines bestimmten Präparats mit der Häufigkeit derselben Nebenwirkung nach der Anwendung anderer Präparate verglichen wird. Man kann dies für verschiedene Zeiträume berechnen. Die FDA tat dies wöchentlich.

Man erkennt leicht: Die Methode sollte gut funktionieren, solange in der Anwendung viele verschiedene Medikamente sind, die völlig verschiedene chemische und biologische Effekte haben. Was aber passiert, wenn die meisten Medikamente, die innerhalb einer Woche angewendet werden, die gleiche Nebenwirkung erzeugen? Offensichtlich wird auch eine sehr hohe Nebenwirkungsrate nicht entdeckt, weil sie bei allen Medikamenten ähnlich hoch ist.

VAERS beinhaltet nur die Daten über Impfstoffe. In den USA wurden während der COVID-Impfkampagne zwei davon – die von BioNTech/Pfizer und von Moderna – in solchen Mengen verwendet, dass alles andere zum Hintergrundrauschen wurde. Grob gesagt hat die Methode B nichts anders gemacht, als nur diese zwei Impfstoffe miteinander zu vergleichen. Die zwei basieren aber auf dem gleichen Prinzip und haben ein ähnliches Profil der Wirkungen und Nebenwirkungen. Kein Wunder also, dass das System kein Sicherheitssignal feststellen konnte. 

Methode A, das sogenannte Proportional Reporting Ratio (PRR), funktioniert anders: Es vergleicht, ob bestimmte unerwünschte Ereignisse nach den COVID-19-Impfstoffen anteilig häufiger gemeldet wurden als nach anderen, nicht gegen COVID-19 gerichteten Impfstoffen. Dadurch war sie in dieser Situation weniger anfällig für das beschriebene „Maskierungsproblem“.

Ausführlicher und präziser findet sich eine Analyse dessen, was sich in solchen Fällen abspielt, im Artikel von Harpaz et al. (2022) „Signaling COVID-19 Vaccine Adverse Events“ in der Zeitschrift Drug Safety, 45(7):765–780, https://doi.org/10.1007/s40264-022-01186-z.
 

Der Krimi-Teil

Am Erscheinungsdatum des Artikels von Harpaz et al. (2022) erkennt man, dass das Problem spätestens schon Mitte 2022 bekannt war. Eine der Autoren des Artikels, Dr. Ana Szarfman, meldete sich beim verantwortlichen Abteilungsleiter von FDA, Dr. Peter Marks, und schlug eine Korrektur vor, mit der die Fehler vermieden und Sicherheitssignale gefunden werden sollten. Schließlich war es seltsam, dass z. B. die Rate einer Komplikation plötzlich um das 20-, 50- oder gar 100-Fache anstieg, aber das Überwachungssystem immer dasselbe meldete: Kein Sicherheitssignal!

Zunächst haben Marks und seine Mitarbeiter Szarfman zu einer Konferenz eingeladen, wo sie ihre Daten darstellte. Ihre korrigierte Methode zeigte deutliche Sicherheitssignale für fast alle untersuchten „unerwünschten Effekte“ einschließlich Tod. Die FDA-Leute gaben ihr aber keine definitive Antwort. Nachdem sie wieder und wieder Marks angeschrieben hatte, bekam Szarfman von einem anderen verantwortlichen FDA-Vertreter, Graig Zinderman, einen Brief mit den folgenden Worten: 

„Wir schreiben Ihnen mit der höflichen Bitte, auf Berichte und Datenanalysen über Nebenwirkungen der COVID-Impfstoffe zu verzichten. […] Wir verstehen, dass Exploration neuer Ansätze für Sie von Interesse ist und auch die Methodologie verbessern könnte. Doch aus unserer Sicht soll die standardisierte, prognostizierbare und bewährte Methode zur intensiven Überwachung über längere Zeiträume verwendet werden. Wenn wir während der bereits laufenden Impfkampagne Parameter anpassen, die die Sensitivität gegenüber Sicherheitssignalen erhöhen oder senken, kann dies zur Verwirrung und zu unerwünschten Folgen (z. B. was das Vertrauen in die Impfstoffe betrifft) führen“ (Übers. d. Verf.). 

Inzwischen schrieb Marks einem anderen Abteilungschef von der FDA Folgendes: „Eine Statistikerin aus Ihrer Abteilung, Ana Szarfman, hat entschieden, als Teil ihrer Arbeit für die FDA die VAERS-Daten selbständig zu analysieren. Sie tut es aber nicht im Kontakt mit unseren Statistikern. Im Gegenteil wurde sie darum gebeten, aufzuhören, weil ihre Strategie Konflikte verursachen kann, die die impfgegnerische Rhetorik nähren. Das verursacht ein Problem, das wir im Laufe der Pandemie schon hatten, das dann anscheinend verschwand, aber jetzt zurückkommt. Können wir mal darüber reden?“ (Übers. d. Verf.).

Marks hat dieses „Problem“ nicht näher definiert. Bestand es darin, dass Menschen unbedingt geimpft werden sollten, sie es aber nicht tun würden, wenn ihnen die richtigen Daten über die Nebenwirkungen (einschließlich Tod, s. o.) bekannt wären? Darüber lässt sich nur spekulieren.

Die Direktorin der CDC, Rochelle Walensky, wurde noch 2022 gefragt, warum die angekündigte Methode A nicht zur Anwendung kam. Könnte der Vergleich zwischen den Ergebnissen von A und B vielleicht auf den Fehler aufmerksam machen? Walensky antwortete, dass diese Methode an einem kleineren Datensatz (laut BMJ-Bericht 13 Wochen) geprobt wurde, und dass die Ergebnisse ähnlich waren wie bei der (wie wir jetzt wissen, fehlerhaften) Methode B.

Das aber stimmt nicht. Das BMJ hat Zugang zu diesem Datensatz erhalten und die Daten analysiert. Es zeigten sich Hunderte Sicherheitssignale, am stärksten für Myokarditis und Perikarditis, Fazialisparese und Tinnitus (da sie jede der 13 Wochen ein Sicherheitssignal generierten). Es gab sogar mehr Sicherheitssignale als bei der Methode B in der von Szarfman korrigierten Version. Die Methode B in der FDA-Version ergab am gleichen Datensatz kein einziges Sicherheitssignal. 

Das BMJ hat Marks, Walensky, Zinderman und einige weitere FDA- und CDC-Funktionäre in diesem Zusammenhang um Stellungname gebeten. Keiner hat geantwortet. Alle diese Personen sind nicht mehr auf ihren Posten.

BMJ-Originalartikel:

Willman, D. US officials knew covid vaccine safety system was flawed—but turned aside the FDA doctor who alerted them. British Medical Journal, 394, e100806. http://doi.org/10.1136/bmj-2026-100806

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