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Neuer Fachbeitrag zu Polio

Die letzten Fälle von Kinderlähmung (Poliomyelitis) in Deutschland wurden 1990 registriert. Jedoch hat der Einsatz oraler Polioimpfstoffe Fälle von impfbedingter Poliomyelitis hervorgerufen: die Entstehung eines pathogenen Phänotyps, der klinisch dem Wildtyp ähnelt. Der ÄFI-Fachbeitrag beleuchtet die verschiedenen Impfstofftypen, listet die Länder mit Polio auf und diskutiert die Empfehlungen der STIKO.

Bei Polio bzw. Kinderlähmung handelt es um eine Zerstörung der Nervenzellen in der grauen Substanz des Hinterhorns im Rückenmark. 1988 wurde die Globale Initiative zur Ausrottung der Poliomyelitis (GPEI) ins Leben gerufen. Im Mai 2014 hat die WHO den öffentlichen Gesundheitsnotstand von internationaler Tragweite (PHEIC) für Polio deklariert. Dieser Notstand hält als bisher längster und einziger bis heute an.

2015 und 2019 konnten zwei der drei zirkulierenden Polio-Wildtypen eliminiert werden. In Deutschland wurde die letzte Polio-Infektion 1990 erfasst, 1992 wurden die letzten importierten Fälle gemeldet.

Aufgrund der eingesetzten oralen Polioimpfstoffe (OPV) sind inzwischen jedoch Fälle von sogenannter vakzinassoziierter Poliomyelitis (VAPP) aufgetreten. Die schnelle Wandlungsfähigkeit der Polioviren kann bei Verabreichung der OPV zur Replikation und Entstehung („Rückmutation“) eines pathogenen Phänotyps führen, der klinisch ähnlich verläuft wie der Wildtyp.

Daher werden oral verabreichte Polio-Lebendimpfstoffe (OPV) hierzulande seit 1998 nicht mehr empfohlen. Stattdessen sind drei intramuskuläre Einzelimpfstoffe gegen Poliomyelitis (IPV) verfügbar.

Weiterverbreitung durch Geimpfte möglich

Durch die Verwendung der IPV-Impfstoffe ist zwar ein zuverlässiger Schutz vor Erkrankung gegeben. Aber es gibt ein Dilemma: OPV erzeugen eine Immunität der Darmschleimhaut und führen bestenfalls zu einer Herdenimmunität, weil sie die Übertragung von Polioviren verhindern. Dies leisten die IPV jedoch nicht. Bei ihrer Verwendung macht die fehlende Darmschleimhautimmunität eine Infektion, Ausscheidung und Weiterverbreitung durch Geimpfte möglich.

Insofern ist keiner der bisher entwickelten Polio-Impfstoffe, sei es der OPV-Impfstoff oder der von der STIKO empfohlene IPV-Impfstoff, in seiner Wirkung optimal. Der ÄFI-Fachbeitrag beleuchtet dieses Problem auch anhand zahlreicher Tabellen und Grafiken und diskutiert die Empfehlungen der STIKO.

Außerdem listet er diejenigen Länder, in denen das Wildvirus oder impfstoffabgeleitete Polio-Viren noch zirkulieren. Für Reisende, die sich länger als vier Wochen in diesen Ländern aufhalten, gilt die Empfehlung einer Impf-Auffrischung.

Nach COVID-19, FSME, Gürtelrose, HPV, Masern, Meningokokken, Mumps, Röteln, Tetanus und Windpocken ist Polio der 11. Impf-Fachbeitrag. Alle Fachbeiträge werden regelmäßig anhand neuer Studienergebnisse aktualisiert.

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