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Nachlassende Wirkung der Keuchhusten-Impfung

Zuletzt ist die Zahl der Pertussis-Fälle wieder gestiegen. Allerdings gibt es keine Hinweise auf eine erhöhte Virulenz. Die Effektivität der Impfung ist eher mittelmäßig und führt nicht zu einer Herdenimmunität. Der aktualisierte Fachbeitrag mitsamt wissenschaftlichem Hintergrundpapier von ÄFI informiert über den aktuellen Wissensstand.

Keuchhusten (Pertussis) ist eine Erkrankung, die ganzjährig auftritt. Die Inzidenz ist im Herbst und Winter etwas höher. Jährlich verzeichnet man in Deutschland bis zu 25.000 Keuchhusten-Fälle, wovon ca. 56 % asymptomatisch verlaufen.

2013 wurde in Deutschland eine Meldepflicht für Keuchhusten eingeführt. Von 2013 bis 2022 tragen insgesamt 10 Todesfälle in Zusammenhang mit Keuchhusten auf, davon alleine 5 im Jahr 2016.

2024 kam es zu den seit der Einführung der Meldepflicht höchsten gemessenen jährlichen Fallzahlen (fast 24.000 Fälle). Fünf Todesfälle im Zusammenhang mit Keuchhusten (davon vier ursächlich) wurden übermittelt. Laut Robert Koch-Institut (RKI) war die Altersverteilung und Schwere der Erkrankung aber vergleichbar mit der Zeit vor der COVID-19-Pandemie – es gibt somit keine Hinweise auf eine erhöhte Virulenz.

Als Gründe für den Anstieg, der zuletzt in den meisten Industrieländern beobachtet wurde, werden der epidemische Zyklus, die verminderte Zirkulation von 2020 bis 2023 durch die Maßnahmen gegen COVID-19, die nachlassende Immunität durch die Keuchhusten-Impfung sowie nicht ausreichende Impfquoten genannt.

So wird eine evolutionäre Weiterentwicklung von Keuchhusten-Bakterien (B. pertussis) durch die Impfstoffe angeführt. Generell ist die Impfeffektivität mit 53–64 % je nach Altersgruppe maximal mittelmäßig, die Dauer des Schutzeffektes unabhängig von der Anzahl verabreichter Impfdosen mit drei Jahren recht kurz.

Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass die Umstellung von den alten, allerdings häufiger mit (auch schweren) Nebenwirkungen einhergehenden Ganzzellimpfstoffen zu den neuen azellulären Impfstoffen die Immunität verringert. Einerseits verhindern die neuen Impfstoffe nicht die Zirkulation des Bakteriums in der Bevölkerung, sodass sie auch nicht zu einer Herdenimmunität führen. Andererseits war der Ganzzell-Impfstoff wesentlich effektiver in der Reduzierung der Infektion, der Erkrankung und der Inzidenz. Außerdem hielt die Dauer des Impfschutzes länger an.
 

Relative und absolute Impfstoffwirkung bei Schwangeren

Was die Wirksamkeit der Keuchhusten-Impfstoffe betrifft, zeigt eine dänische Kohortenstudie mit nationalen Registerdaten von 215.974 lebendgeborenen Kindern (2019-2023), von denen 108.350 eine Impfung erhalten haben, die großen Unterschiede zwischen relativer und absoluter Impfstoffeffektivität gegenüber laborbestätigter Infektion auf: Beim Vergleich der Gruppen ergibt sich eine relative Risikoreduktion von 72 % (42-87 %), aber eine absolute Risikoreduktion von gerade einmal 0,021 % (9 Fälle bei den geimpften Neugeborenen, 32 Fälle bei den ungeimpften Neugeborenen).

Damit zeigt die absolute Seltenheit von Pertussis-Fällen in dieser Kohortenstudie bei einer sehr hohen Anzahl an verabreichten Impfungen einen Nutzen nur in Einzelfällen an. Im Gegensatz zu den Impfstoffen führt die Keuchhusten-Infektion zu einer starken mukosalen T-Zell-Immunität, was einen stärkeren Schutz gegen Folgeinfektionen bedingt.

Der aktualisierte Pertussis-Fachbeitrag der Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) versammelt die aktuelle Forschung. Überdies liefert er eine ausführliche Darstellung von Studien zur Wirksamkeit der verfügbaren Impfstoffe. Im wissenschaftlichen Hintergrundpapier, das neuerdings standardmäßig zu den Fachbeitragsaktualisierungen veröffentlicht wird, lässt sich die Suchstrategie und Auswertung der Evidenz durch ÄFI nachvollziehen.

Weitere Informationen:

Aktualisierter Fachbeitrag zu Keuchhusten, 27. Nov. 2025

Wiss. Hintergrundpapier zu Keuchhusten, 27. Nov. 2025

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