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Mumps-Impfung hat die Bevölkerungsimmunität verschlechtert
Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir für Mumps-Viren, die eine außerordentlich milde Infektion bzw. Erkrankung im Kindesalter auslösen mit eher harmlosen Infektionsverläufen. Die Prognose gilt als exzellent, denn Komplikationen führen in der Regel nicht zu anhaltenden Schäden. Die allermeisten Patienten erholen sich vollständig. Todesfälle wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) in den letzten Jahren nicht registriert.
Vor Einführung der Impfstoffe in den 1970er-Jahren waren in erster Linie Kinder betroffen. Mumps war eine klassische Kinderkrankheit, mit der sich 50 % der Kinder bis zum Alter von 4-6 Jahren und 90 % der Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 14-15 Jahren infizierten. Mehr als 95 % der Erwachsenen (18-65 Jahre) wiesen neutralisierende Antikörper auf. Der häufigste Infektionsverlauf, die Parotitis, trat meist im Alter von 2-9 Jahren auf. Eine durchgemachte Infektion (ob asymptomatisch oder klinisch) schützt in der Regel ein Leben lang vor einer erneuten Mumps-Infektion.
Seit 2013 besteht laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) eine Meldepflicht an das Gesundheitsamt. Die Meldepflicht umfasst Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod sowie den direkten oder indirekten Nachweis des Mumps-Virus mit namentlicher Meldung. Allerdings hat die Meldepflicht nicht zu einer Verringerung der Mumps-Erkrankungen geführt.
Impfempfehlung gegen eine weitestgehend harmlose Kinderkrankheit
1976 wurde die Mumps-Impfung erstmals durch die STIKO empfohlen, 2001 wurde die Impfempfehlung, in der Form wie sie noch heute besteht, etabliert. Demnach soll die erste Dosis im Alter von 11-14 Monaten, die zweite Dosis im Alter von 15-23 Monate verabreicht werden. Nach 1970 geborene Personen in medizinischen Einrichtungen, bei Tätigkeiten mit Kontakt zu potentiell infektiösem Material, in Einrichtungen der Pflege, in Gemeinschaftseinrichtungen, in Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylsuchenden Ausreisepflichtigen, Geflüchteten und Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern sowie Personen in Fach-, Berufs- und Hochschulen sollen eine 2-malige MMR-Impfung erhalten.
Es ist nicht geklärt, ob die humorale oder die zelluläre Immunreaktion wichtiger für den Schutzeffekt gegen das Mumps-Virus ist. Bei anderen Paramoxyviren wie Masern oder RSV spielt die T-Zell-Immunität eine wichtige Rolle bei der Kontrolle und Elimination des Virus.
Das Mumps-Virus ist hochkontagiös, aber weniger als Varizellen oder Masern. Daher kann der Nutzen einer Impfung auf Bevölkerungsebene nur auf die Verringerung der Krankheitslast (Morbidität) abzielen. Dieses Ziel wird jedoch durch die Erkenntnisse der Impfstoffforschung zu Mumps in den letzten drei Jahrzehnten infrage gestellt.
Äußerst schlecht wirkender Mumps-Impfstoff
Zurzeit stehen vier Impfstoffe zur Verfügung, die eine Komponente gegen Mumps enthalten, davon zwei mit und zwei ohne Windpocken-Komponente. Es gibt keinen Einzelimpfstoff gegen Mumps. Stattdessen wird mit dem Mumps-Impfstoff immer mindestens auch ein Impfstoff gegen Masern und Röteln verimpft.
Die klinische Wirksamkeit der verfügbaren MMR(V)-Impfstoffe zur Verhinderung von Masern-, Mumps- oder Röteln-Erkrankungen, Hospitalisierungen oder Todesfällen wurde in den Zulassungsstudien nicht bewiesen. Was dort gemessen wurde, ist die Immunogenität, also die Fähigkeit der Probanden, nach Verabreichung des Impfstoffes Antikörper auszubilden. Die Antikörper, die durch eine Mumps-Impfung entstehen, gelten jedoch (im Gegensatz zu denen, die durch eine Masern-, Röteln- und Windpocken-Impfung entstehen) nicht als etabliertes Korrelat für den Schutz vor Mumps: Der Impfstoff gegen Mumps bietet nur eine sehr eingeschränkte Immunisierung, weshalb Forscher seit einiger Zeit einen besseren Impfstoff fordern.
Als Ursachen für die mangelhafte Effektivität der Impfung werden in erster Linie zwei Gründe angeführt: Erstens der Stammwechsel, also der Wechsel der Genotypen in den Mumps-Ausbrüchen im Vergleich zu dem im Impfstoff verwendeten Genotyp A. Meist zirkulieren andere Genotypen des Wild-Virus als der Genotyp, der vom Impfstamm abgedeckt wird. Eine Herdenimmunität konnte selbst in Ländern mit hoher Impfquote (>90 %) nicht erreicht werden. So kommt es auch in Industrienationen regelmäßig zu Mumps-Ausbrüchen.
Zweitens das Impfversagen: Durch die Impfung ist ein relevanter Teil der geimpften Personen initial nicht ausreichend geschützt (primäres Impfversagen). Zudem nimmt die Immunität im Laufe der Zeit bei geimpften Personen immer weiter ab (sekundäres Impfversagen). Studien zeigen, dass das Risiko der Mumps-Infektion mit jedem Jahr nach der MMR-Impfung um 10-27 % ansteigt. Außerdem werden zunehmend niedrigere Raten an neutralisierenden Antikörpern in der Bevölkerung trotz hoher Impfquoten festgestellt.
Impfversagen verschiebt Infektionen in kritische Altersgruppen
Durch die Impfung hat sich zwar die Inzidenz reduziert – immerhin in vielen Industrieländern um beachtliche 99 %, aber aufgrund des Impfversagens hat sich das Erkrankungsalter vom in der Regel unkritischen Kindesalter in Richtung des häufiger späten kritischen Jugendlichen- bis jungen Erwachsenenalters verschoben. Dementsprechend werden in Ausbrüchen ähnliche bis höhere Komplikationsraten von zweifach-MMR geimpften im Vergleich zu ungeimpften Personen festgestellt.
Junge Erwachsene weisen eine höhere Komplikationsrate (z. B. für Orchitis, Meningitis, Enzephalitis, Pankreatitis) pro Infektion auf, die mit dem Alter ansteigt. Wenn die Impfung nicht wirkt, ist die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Komplikation im späteren Leben höher.
Immer wieder wird auch ein sehr großer Teil an geimpften Personen (insbesondere ältere Jugendliche und junge Erwachsene) in Ausbruchssituationen dokumentiert. Außerdem können auch geimpfte Personen diese Ausbrüche auslösen. Insgesamt geht die Forschung davon aus, dass die Zahl der anfälligen Jugendlichen und jungen Erwachsenen jährlich zunehmen wird – was das Ziel weltweiter Gesundheitsbehörden zur Eliminierung von Mumps stark infrage stellt.
Daher muss die Impfstrategie der STIKO in Deutschland (aber auch in anderen Industrienationen) kritisch betrachtet werden. Einige Parameter der Bevölkerungsimmunität sind heute schlechter im Vergleich zum Zeitraum vor Einführung der Impfung. Deswegen fordern Forscher bereits seit längerem neue Impfstoffe gegen Mumps. Die eigentlich harmlose Infektion wurde zwar insgesamt seltener, durch die Altersverschiebung zugleich aber gefährlicher – das gilt für geimpfte wie für ungeimpfte Personen.
Kombi-Impfstoffe führen de facto zu einer Impfpflicht
Nicht zuletzt aufgrund der nicht erzielbaren Herdenimmunität sollte über die Verabreichung des Mumps-Impfstoffes nach Abklärung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses in der individuellen Impfberatung entschieden werden.
Der freiwillige Charakter der STIKO-Empfehlung zur Impfung gegen Mumps wird jedoch durch das Masernschutzgesetz und die aktuelle Verfügbarkeit von Impfstoffen unterlaufen: In Deutschland gibt es derzeit keinen Einzelimpfstoff gegen Mumps, sondern nur Kombinationsimpfstoffe, in denen mindestens auch Komponenten gegen Röteln und Masern vorhanden sind. Da das Masernschutzgesetz eine Immunitätsnachweispflicht gegen Masern vorsieht, herrscht also de facto auch eine Pflicht zur Impfung gegen Mumps und Röteln.
Das Bundesverfassungsgericht hat die Klagen von ÄFI gegen dieses Gesetz abgewiesen und explizit diesen Zwang zu Kombinationsimpfstoffen gebilligt. Einziger Unterschied zur Masern-Impfung: Die Immunität muss nicht durch Impfung oder Titer-Nachweis erbracht werden. Die STIKO sollte sich für eine Verfügbarkeit von Einzel-Impfstoffen einsetzen. Der staatliche Zwang zu MMR-Kombinationsimpfstoffen ist für die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) im Sinne der informierten Einwilligung nicht akzeptabel.
Ausführliche Informationen zu allen Aspekten rund um die Erkrankung und Impfung gegen Mumps inklusive zahlreicher aktueller Quellen findet sich nun im völlig neu aufgelegten Impf-Fachbeitrag der ÄFI.
Weitere Informationen:
Neuveröffentlichter Fachbeitrag zu Mumps, 21. Nov. 2025
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