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Medien schlagen Alarm wegen steigender Keuchhusten-Fälle: Ist mehr Impfen die Lösung?

In den Medien werden gerade die vermehrten Keuchhusten-Fälle thematisiert. Tatsächlich sind in diesem Jahr bereits mehr Fälle (laut SurvStat@RKI Stand 20. Juni 2024: 17.982 Fälle) als ganz 2019 aufgetreten. Ist das ein Grund zur Beunruhigung? Und können die verfügbaren Impfstoffe dieses Problem eindämmen?

Bei dem Keuchhusten-Erreger handelt es sich um ein Bakterium (Bordetella pertussis), das vor allem für Säuglinge (unter 6 Monaten) und seltener auch Menschen mit Komorbiditäten gefährlich werden kann. Als häufigste Komplikation gilt die Lungenentzündung (Pneumonie), welche meist mit einer sekundären Infektion (z. B. Pneumokokken, Streptokokken oder Haemophilus influenzae) einhergeht. Ob es Folgeerscheinungen (z. B. Asthma) nach einem schweren Verlauf gibt, ist nicht eindeutig und wird nach wie vor diskutiert.

Eine Eradikation des Erregers ist definitiv nicht möglich – innerhalb der Gesellschaft wird es also immer in einem gewissen Ausmaß zur Zirkulation des Bakteriums kommen. Auch die Impfstoffe können daran nichts ändern. Geimpfte Menschen können weiter asymptomatisch erkranken und ungeimpfte Menschen anstecken. Damit ist auch die Möglichkeit einer Herdenimmunität vom Tisch.
 

Geringere Immunität

Aufgrund der eher niedrigen Wirksamkeit (53 bis 64 %) gegen Infektionen und der recht kurzfristigen Wirkung – hochwertige Studien konnten unabhängig vom Impfschema nur eine Wirkdauer von bis zu drei Jahren feststellen – sind die Keuchhusten-Impfstoffe vergleichsweise ineffektiv.

Wer über die (In-)Effektivität der Impfung Bescheid weiß, wird sich dementsprechend nicht wundern, dass es (selbst bei hoher Impfquote von 93 % bei den Schuleingangsuntersuchungen 2018) zu einer nachlassenden Immunität in der Bevölkerung gekommen sein könnte. Da es inzwischen als gesichert gilt, dass asymptomatische Keuchhusten-Träger in der Bevölkerung häufig verbreitet sind, werden die Kontaktbeschränkungen und Lockdowns während der COVID-19-Pandemie durch weniger natürliche Infektionen ihr Übriges dazu beigetragen haben. Ein Nachholeffekt ist mehr als wahrscheinlich, wie auch das European Center for Disease Prevention and Control in einem 2024 veröffentlichten Bericht schreibt.
 

Neue Impfstoffe sind notwendig

Bei der Frage nach den steigenden Fallzahlen muss auch beachtet werden, ob es sich dabei um schwere Erkrankungs- und Todesfälle handelt. Laut Prof. Dr. Horst von Bernuth von der Charité Berlin sind Todesfälle in Deutschland nach wie vor selten. Beunruhigend ist die aktuelle Situation also eher nicht, zumal sich die Entwicklung steigender Infektionszahlen trotz hoher Impfquoten in anderen Ländern wie den Niederlanden bereits seit längerer Zeit angekündigt hat. Als Gründe dafür werden von den niederländischen Behörden strukturelle Veränderungen des Bakteriums angegeben.

Auch in Deutschland könnten Infektionen noch häufiger werden, wenn sich das Bakterium durch die Impfung evolutionär weiterentwickelt und so keine ausreichende Schutzwirkung mehr erzielt wird. Wenn also Medien und Behörden im Gleichklang trotz hoher Impfquoten in Deutschland zu mehr Impfungen aufrufen, müsste im gleichen Atemzug die Notwendigkeit der Entwicklung neuer sicherer und wirksamer Impfstoffe genannt werden. Denn die anvisierten Ziele sind mit den vorhandenen Impfstoffen nach aktuellem Sachstand nicht erreichbar.

Neue Keuchhusten-Impfstoffe befinden sich bereits in Entwicklung, darunter auch einer auf Basis der mRNA-Technologie. Eine erste Tierstudie dazu wurde im Journal npj Vaccines (nature) veröffentlicht. Nach den Erfahrungen mit den COVID-19-Impfstoffen Comirnaty und Spikevax bleibt zu hoffen, dass die Evaluation durch die Zulassungsbehörden nicht erneut komplett unkritisch hinsichtlich der bisher nicht am Menschen zugelassenen Lipidnanopartikel (ALC-0315, ALC-0159) und der modifizierten mRNA-Herstellung ausfällt.

Sollte es jedenfalls in den kommenden Monaten und Jahren wieder zu einer geringeren Anzahl an Infektionen kommen, dann sicherlich nicht wegen der aktuellen Impfstoffe, sondern auch und gerade deshalb, weil sich die Immunität in der Bevölkerung nach den Restriktionen während der COVID-19-Pandemie erholt.

Weitere Informationen:

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