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Keuchhusten: Trotz hoher Impfquote keine Herdenimmunität

Trotz hoher Impfquote bei Kindern nehmen Keuchhusten-Erkrankungen seit einigen Jahren wieder zu. Eine Herdenimmunität ist mit den derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffen nicht möglich. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung asymptomatisch.

Wie gefährlich ist also eine Keuchhusten-Erkrankung? Wer ist besonders gefährdet und wie sinnvoll ist eine Impfung gegen Pertussis? Solche und viele weitere Fragen beantwortet unser neuer Fachbeitrag.

Keuchhusten (Pertussis) ist eine Erkrankung, die ganzjährig auftritt. Die Inzidenz ist im Herbst und Winter etwas höher. In den letzten Jahren kam es in den meisten Industrieländern zu einem Wiederanstieg der gemeldeten Keuchhustenfälle, was Veränderungen des Bakteriums, besseren diagnostischen Möglichkeiten, aber auch einer nachlassenden Impfeffektivität bzw. Immunität zugeschrieben wird. So gibt es Hinweise darauf, dass die Umstellung von den alten Ganzzellimpfstoffen zu den neuen azellulären Impfstoffen das Abklingen der Immunität beschleunigt hat.

Für 86 bis 95 % aller Keuchhusten-Fälle ist das Bakterium Bordetella pertussis (B. pertussis) verantwortlich. Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir für B. pertussis. Das Bakterium ist hochansteckend: Die Ansteckungsrate schwankt in Haushaltskontaktstudien zwischen 58 und 100 %. Außerhalb des Haushalts, etwa in Klassenräumen, konnte in Studien eine sehr viel niedrigere Ansteckungsrate festgestellt werden.

Meist verläuft die Keuchhusten-Erkrankung symptomfrei

Die meisten Erkrankungsfälle verlaufen ohne Symptome. Eine symptomatische Erkrankung scheint für eine Übertragung nicht erforderlich zu sein. Längerer enger, wiederholter Kontakt ist für eine Übertragung ausreichend. Das Risiko für eine Übertragung ist jedoch höher, wenn die infizierte Person Husten aufweist.

Vor allem Säuglinge und ältere Menschen mit bestehender chronischer Erkrankung sind gefährdet, einen schweren Verlauf zu entwickeln. Obwohl jährlich bis zu 25.000 Fälle in Deutschland registriert werden, verzeichnete das RKI nur 10 Todesfälle seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2013 – davon alleine fünf im Jahr 2016.

Ob Stillen einen Schutz für Säuglinge vor der Keuchhusten-Erkrankung bietet, wenn die stillende Mutter nicht zuvor in der Schwangerschaft geimpft wurde, ist nicht endgültig geklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass auch nicht-geimpfte Mütter ihren Säuglingen durch das Stillen einen gewissen Schutz vermitteln.

Außerdem wird diskutiert, dass es zu einer Abstumpfungswirkung („blunting“) durch die Impfung der Mutter kommen könnte, wodurch es nach der Impfung in der Schwangerschaft womöglich zu einer verringerten immunologischen Reaktion nach der Impfung des Kindes kommt.

Die häufigste Komplikation und zugleich häufigste Todesursache nach einer Infektion mit B. pertussis ist eine sekundäre, bakterielle Lungenentzündung. Das RKI gibt an, dass bis zu 10 % der Säuglinge und älteren Menschen von Pneumonien betroffen sind. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kommt dies seltener vor.

Die Eliminierung von B. pertussis ist laut RKI aus heutiger Sicht nicht möglich. Sowohl Impfungen wie auch Infektionen bieten eine zeitlich nur sehr begrenzte Immunität. Das vorrangige Ziel der Impfstrategie in Deutschland liegt daher im Schutz gefährdeter Säuglinge und Kinder.

Keine Herdenimmunität mit aktuellen Impfstoffen möglich

In Deutschland ist kein Einzelimpfstoff gegen Keuchhusten zugelassen. Alle Impfstoffe enthalten mindestens auch eine Komponente gegen Tetanus und Diphtherie. Die Impfquote bei Schulanfängern in Deutschland lag 2018 bei ca. 93 %.

Durch die Impfung kann die Zirkulation des Bakteriums in der Bevölkerung nicht verhindert werden: Auch Geimpfte können asymptomatisch erkranken und Ungeimpfte unbemerkt anstecken. Eine Herdenimmunität kann mit den vorhandenen Impfstoffen nicht erreicht werden.

Auch die sogenannte Kokonstrategie, welche die STIKO verfolgt, verfängt nicht: Um Säuglinge zu schützen, der Impfschutz in diesem Alter aber nicht vollständig sein kann, empfiehlt die STIKO auch allen Erwachsenen im Umfeld des Säuglings, sich impfen zu lassen.

Hinsichtlich des nicht eintretenden Herdenschutzes und des vermehrten Auftretens asymptomatischer oder atypischer Keuchhusteninfektionen bei Geimpften ist der Nutzen dieser Strategie jedoch fraglich. Verschiedene Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die wichtigste Ansteckungsquelle für Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ihre vollständig geimpften Geschwister sind. Auch die WHO rät daher von der Kokonstrategie ab.

Wie andere Impfstoffe auch weisen die TDaP-Impfstoffe Aluminium als Wirkverstärker auf. Da es sich hierbei um eine allgemein als neurotoxisch anerkannte Substanz handelt, die es in der pränatalen und perinatalen Phase auf jeden Fall zu vermeiden gilt, sind unbedingt Impfstoffe ohne entsprechende Substanzen notwendig - was ebenfalls gegen die aktuellen Impf-Empfehlungen der STIKO spricht.

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