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Impf-Studien zu Schwangeren oft wenig vertrauenswürdig

ÄFI hat seinen Fachbeitrag zu „Impfungen in der Schwangerschaft“ turnusgemäß aktualisiert. Dabei stellte sich heraus: Relativ viele systematische Reviews klingen hinsichtlich ihrer Ergebnisse vielversprechend, weisen jedoch eine nur geringe Vertrauenswürdigkeit auf. Das wissenschaftliche Hintergrundpapier arbeitet diesen Umstand deutlich heraus.

Schwangere sind in Studien über die Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen grundsätzlich unterrepräsentiert. Umso mehr Bedeutung gewinnen systematische Reviews.

Um die Aussagekraft solcher Studien beurteilen zu können, greifen die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung (ÄFI) auf AMSTAR-2 zurück. Dabei handelt es sich um ein anerkanntes Instrument zur Beschreibung der Berichtsqualität von systematischen Reviews. Konkret wird mittels eines Fragenkatalogs die Evidenz und damit die Vertrauenswürdigkeit einer Studie ermittelt.

Auf Basis einer solchen Analyse trifft ÄFI schließlich die Entscheidung, eine Studie in den Fachbeitrag aufzunehmen oder nicht. Beim Thema „Impfungen in der Schwangerschaft“ hat sich nun herausgestellt, dass von den jüngst veröffentlichten Studien deutlich mehr aus- als eingeschlossen wurden.
 

Wirkung der modRNA-Impfung in der Schwangerschaft

Dies hängt mit der minderen Vertrauenswürdigkeit dieser Studien zusammen. So hat zum Beispiel die Studie von Adusei-Mensah et al. 2025 eine sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit, obwohl sich die Ergebnisse auf den ersten Blick gut lesen.

Das systematische Review mit Meta-Analyse untersuchte anhand von 15 Studien die Auswirkungen der COVID-19-Impfung während der Schwangerschaft auf geburtshilfliche und neonatale Ergebnisse. Das Resultat: Die modRNA-Impfung war mit einer Verringerung von Frühgeburten, fetalen Notlagen, angeborenen Anomalien und Einweisungen in die Neugeborenen-Intensivstation verbunden. Lediglich ein leichter Anstieg des Risikos für Schwangerschaftsdiabetes wurde entdeckt.

Die AMSTAR-2-Analyse dagegen ergab eine nur sehr niedrige Bewertung und brachte Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse auf. Die Studie verfügte zum Beispiel nicht über ein Studienprotokoll. Dadurch kann selektiv über bestimmte Endpunkte der Studie berichtet werden. Ebenso lassen sich unliebsame Ergebnisse ausschließen, da die Studienauswahl nach Sichtung angepasst werden kann.

Auch ein sog. p-Hacking lässt sich auf diese Weise betreiben. Dabei werden so lange verschiedene Berechnungsarten oder Vergleichsgruppen ausprobiert, bis das Ergebnis zufällig statistisch signifikant wird (also p < 0,05) – auch wenn da in Wirklichkeit gar kein echter Effekt ist. Studien, die ein statistisch signifikantes Ergebnis aufweisen, haben höhere Chancen, von einem Fachjournal publiziert zu werden (Publication-Bias). Aus diesen und weiteren Gründen wird ein Studienprotokoll bei systematischen Reviews als essentiell erachtet.

Ein weiteres Manko der Studie: Es existiert keine Liste mit individuellen Begründungen zum Ein- oder Ausschluss von Studien, wie es jedoch von AMSTAR-2 zur Transparenz vorgesehen ist.

Aufgrund dieser Mängel hat ÄFI die Studie nicht für seinen aktualisierten Fachbeitrag berücksichtigt. Ähnlich erging es anderen Reviews. Das ebenfalls aktualisierte wissenschaftliche Hintergrundpapier listet weitere nicht berücksichtigte wie auch die hinzugezogenen Studien mitsamt Begründungen auf.

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