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Impf-Empfehlung gegen Tetanus ohne Aufarbeitung der Evidenz durch die STIKO
Es ist kaum zu glauben, aber ausgerechnet zur Tetanusimpfung, die in Deutschland als eine der selbstverständlichsten Impfungen gilt, gibt es weiterhin keine Studien, welche die Wirksamkeit der Impfung in klinischen Studien untersuchen. Vorherrschend sind lediglich Studien, die Antikörper-Spiegel messen.
1972 wurde die Impfempfehlung gegen Tetanus erstmals erwähnt – in der ersten Publikation der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Bundesgesundheitsblatt. Damals schrieb die Kommission: „Die nachfolgende Aufstellung (einschl. Tab.) ersetzt die Empfehlungen des Bundesgesundheitsamtes von 1968. Die Erweiterung des Impfkataloges (Masern, Röteln, Mumps) sowie neuere Erfahrungen machten die Überarbeitung notwendig.“
Gründe oder gar den Nutzen der Impfung gegen Tetanus legte sie nicht dar – sie übernahm einfach die Empfehlung des ehemals bestehenden Bundesgesundheitsamtes. Bis heute ist keine systematische Aufarbeitung der Evidenz zur Tetanus-Impfung durch die STIKO erfolgt. Dementsprechend gibt es auch keine Stellungnahme zur Wirksamkeit, Sicherheit oder non-spezifischen Effekten, sondern nur jährliche Aktualisierungen der Empfehlungen inklusive Anwendungsbeschreibungen.
Mehr Hinweise auf non-spezifische Effekte der Impfung
Während die Tetanus-Impfung trotz solch gravierender Mängel heute selbstverständlich ist, mehren sich die Hinweise auf non-spezifische Effekte (NSE).
Eine wachsende Studienzahl beschäftigt sich mit Fragen, ob diese NSE nur für Entwicklungsländer oder auch für Industrieländer gelten, welchen Unterschied das Geschlecht, die Reihenfolge und der Zeitpunkt der Impfung dabei spielen.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts mehren sich solche Forschungsarbeiten. Im Jahr 2003 hat sich erstmals die WHO mit dem Thema auseinandergesetzt und ist ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass NSE wahrscheinlich sind. Zu den Impfungen, die eine Komponente gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP) enthalten, ist bekannt, dass diese die allgemeine Sterblichkeit insbesondere bei Mädchen erhöhen und das vor allem auch dann, wenn diese Impfung zuletzt verabreicht wurde (z. B. im Vergleich zu einem Lebendimpfstoff wie MMR).
Neuere Studien (inkl. randomisierten-kontrollierten Studien) können diese Beobachtungen mit seltenen Ausnahmen für Entwicklungsländer grundsätzlich bestätigen. In Industrieländern sind NSE bisher weniger gut untersucht worden – konnten aber dort beispielsweise anhand der MMR-Impfung bestätigt werden.
STIKO empfiehlt mehr Tetanus-Impfungen als die WHO
Vor diesem Hintergrund steht die STIKO-Empfehlung im Widerspruch zur Tetanusimpfung der WHO und neueren Studien. Für einen vollständigen Schutz empfiehlt die WHO nur 6 Impfungen: Drei davon im ersten halben Lebensjahr, beginnend im Alter von sechs Wochen, im Abstand von mindestens vier Wochen. Die drei Auffrischungen sollten im Alter von 12-23 Monaten, vier bis sieben Jahren und neun bis 17 Jahren erfolgen, wobei immer vier Jahre Abstand dazwischen liegen sollten. Danach sind keine Impfungen mehr vorgesehen.
Die STIKO hingegen empfiehlt Auffrischimpfungen im Erwachsenenalter alle 10 Jahre. Die WHO wiederum schreibt davon, dass höchstens eine Auffrischung nach 30 Jahren in Betracht gezogen werden kann. So auch mehrere Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass nach einer Grundimmunisierung im Kindesalter Auffrischungen im Erwachsenenalter keinen Nutzen haben, das Nutzen-Risiko-Profil verschlechtern und zusätzlich hohe Kosten verursachen.
Der aktualisierte Fachbeitrag sowie das wissenschaftliche Hintergrundpapier von ÄFI diskutieren den aktuellen Forschungsstand zur Tetanus-Impfung und liefern Begründungen dafür, warum Studien aufgenommen bzw. ausgeschlossen wurden.
Weitere Informationen:
Fachbeitrag zur Tetanus-Impfung, 24. Juni 2026
Wissenschaftliches Hintergrundpapier, 24. Juni 2026
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