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HPV-Stellungnahme aktualisiert: Früherkennung verspricht mehr Erfolg als Impfkampagnen

Immer häufiger sind Stimmen zu vernehmen, die Impfkampagnen, vorzugsweise an Schulen, gegen Humane Papillomviren (HPV) fordern. Das Hauptargument der Impfbefürworter: Nur so ließe sich die Zahl der Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs eindämmen. Tatsächlich jedoch ist die Evidenzlage für die HPV-Impfung schwach und Früherkennungsprogramme versprechen weitaus größere Erfolge. In seiner aktualisierten Stellungnahme zu HPV macht ÄFI die Vorteile von Prävention deutlich.

Zwar verlaufen Infektionen mit HPV-Erregern in der Regel ohne Symptome, trotzdem sind Humane Papillomviren die Hauptursache für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und einigen seltenen Krebsarten bei Männern.

Derzeit ist verstärkt zu beobachten, dass auf Länderebene Initiativen entstehen, um HPV-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen zu bewerben. Dabei werden immer wieder Impfprogramme in Schulen ins Spiel gebracht, um die Impfquote zu erhöhen.

Den Anfang machten Veröffentlichungen einer Krankenkasse, des Deutschen Krebsforschungszentrums und von Ärzten seit Herbst 2023, gefolgt von einem Vorstoß der FDP-Landtagsfraktion in NRW. In Mecklenburg-Vorpommern unterstützt der Landtag die Landesregierung bei einer Initiative zur Förderung von HPV-Impfungen an Schulen. Bei der nationalen Impfkonferenz im Juni soll dafür geworben werden. In Niedersachsen ist an den weiterführenden Schulen ebenfalls im Juni eine Aktionswoche für Kinder und Jugendliche der Klassen 5-10 geplant. Unter dem Motto „T(w)o be safe“ wird hier für die zweifache HPV-Impfung geworben (obwohl laut einer Veröffentlichung der WHO bereits eine Impfung ausreicht).

Angesichts dieser Bestrebungen haben die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) ihre Stellungnahme zur HPV-Impfung jetzt aktualisiert. Bereits in der ersten Fassung von Januar hatten sie auf die schwache Evidenzlage bei der HPV-Impfung hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass die Impfung eine Sicherheit suggeriert, für die es keine Evidenz gibt.
 

Herausragende Rolle von Programmen zur Früherkennung

Im Gegensatz zur HPV-Impfung kommt Früherkennungsprogrammen eine herausragende Rolle zur Verhinderung von Krebserkrankungen zu: Hierdurch lassen sich Krebsvorstufen rechtzeitig entdecken und behandeln.

Der Vorteil der Früherkennung im Vergleich zur Impfung ist so groß, dass laut Berechnungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken und zu versterben, um weit über 99 Prozent gesenkt werden kann – bei geimpften und nicht geimpften Frauen gleichermaßen.

In Zahlen bedeutet dies: Ohne Früherkennung erkranken mit Impfung zehn Frauen von eintausend und vier von eintausend versterben. Mit Früherkennung jedoch erkranken und versterben sowohl bei den nicht geimpften als auch bei den geimpften Frauen jeweils weniger als eine von eintausend.

Dementsprechend wären Selbst-HPV-Tests und Erinnerungsmaßnahmen (Recall-System) für Screening-Angebote deutlich wirksamer als eine flächendeckende Impfung.

Die neue ÄFI-Stellungnahme zur HPV-Impfung stellt diese und weitere aktuelle Studienergebnisse zusammen. Die Schlussfolgerung von ÄFI: Durch die flächendeckende HPV-Impfung wird ein Surrogat von Sicherheit erzeugt. Jugendliche sollten vielmehr die Möglichkeit einer fairen, informierten Aufklärung erhalten, um Bewusstheit für ihr Verhalten entwickeln zu können.

 

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