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HPV-Impfung: Weiterhin kein Nachweis über Schutz vor Gebärmutterhalskrebs im relevanten Krankheitsalter
Die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung (ÄFI) haben ihren Impf-Fachbeitrag zu HPV auf den neuesten Stand gebracht. Mittels einer umfangreichen Suchstrategie wurden zwei neue systematische Reviews der Cochrane-Gesellschaft zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung identifiziert und einbezogen, außerdem ein systematisches Review zur Sicherheit der Impfung und eine große Beobachtungsstudie zur Wirksamkeit. Sechs Beobachtungsstudien wurden zu weiteren potentiellen Effekten der Impfung (Herdenimmunität, Replacement, Kreuzimmunität) inkludiert.
Im Gegenzug fanden zwölf Studien, darunter auch drei systematische Reviews, keinen Eingang in den Fachbeitrag. Zu den Gründen zählen u. a. mangelndes Vertrauen in die Qualität der Berichterstattung, eine zu geringe Teilnehmerzahl oder fehlende Übertragbarkeit auf die deutsche Bevölkerung.
Das wissenschaftliche Hintergrundpapier zum Fachbeitrag gibt ausführliche Auskunft zur Berücksichtigung oder zum Ausschluss der Studien.
Seltenheit der Erkrankung verhindert Analyse
Vor allem eines bleibt festzustellen: Es gibt weiterhin keinen Nachweis über einen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs durch die Impfung im relevanten Krankheitsalter, sprich für Frauen im mittleren Alter (das durchschnittliche Erkrankungsalter von Frauen mit Gebärmutterhalskrebs liegt bei 55 Jahren). Nach wie vor werden viele eher wenig aussagekräftige Studien zum Schutz vor hochgradigen Krebsvorstufen veröffentlicht.
Eine neue schwedische Kohortenstudie nutzte Gebärmutterhalskrebs zwar als Endpunkt und wies einen Untersuchungszeitraum von 17 Jahren auf. Aufgrund der Seltenheit dieser Erkrankung konnte jedoch keine von Krebsvorstufen separate Analyse dazu durchgeführt werden. Außerdem waren die Teilnehmerinnen am Ende der Nachbeobachtung gerade einmal zwischen 24 und 37 Jahre alt.
Cochrane-Studien eher unkritisch
Die beiden neuen Studien von Cochrane – ein systematisches Review zu RCTs und eines zu Beobachtungsstudien – zeigen vor allem Altbekanntes auf: Bei HPV ist die in der Fachwelt renommierte Gesellschaft eher unkritisch.
Ein vorheriges systematisches Review von Jørgensen et al. (2020) kam aufgrund der einbezogenen Studien (24/50 erhaltene klinische Studienberichte) in der Analyse zu dem Ergebnis, dass schwere Störungen des Nervensystems (Posturales Tachykardiesyndrom – POTS; komplexes regionales Schmerzsyndrom – CRPS) signifikant häufiger nach der HPV-Impfung im Vergleich zum Placebo auftraten.
Obwohl die Cochrane-Autoren mehr Studienberichte als Jørgensen et al. (2020) erfassten (33/60 erhalten), waren sie nicht in der Lage, eine solche Analyse vorzunehmen. Es ist unklar, warum dies der Fall gewesen ist. Sie gaben nicht einmal an, wie viele Patienten in den 33 klinischen Studienberichten beobachtet wurden. Dennoch fiel ihr Resümee eindeutig aus: In den Studien wurden keine Sicherheitsbedenken festgestellt.
Die im zweiten systematischen Review analysierten Beobachtungsstudien waren gar nicht erst darauf ausgelegt, Schäden über eine längerfristige Nachbeobachtung zu erkennen. Zudem waren die Studien stark verzerrungsanfällig: Von 20 Studien, die über das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs berichtet haben, wiesen 9 ein kritisches, 7 ein schweres und 4 ein moderates Verzerrungsrisiko auf.
Das British Medical Journal berichtete darüber, dass die Studienautoren „sagten, sie wollten hochwertige Daten weitergeben, um Falschinformationen in den sozialen Medien entgegenzuwirken, die einen massiven Einfluss auf die Impfquoten hatten“. Und so gelangten die Studien-Autoren zu dieser Schlussfolgerung: „Es gibt Hinweise darauf, dass die HPV-Impfung das Risiko der häufigsten in den sozialen Medien gemeldeten Nebenwirkungen nicht erhöht“. Besagte „hochwertige Daten“ hat das Cochrane-Review aber gar nicht enthalten.
Verdacht auf Replacement-Effekt
Neue Studien erhärten den bisherigen Verdacht auf ein Replacement, also den Ersatz von dominanten HPV-Genotypen durch andere, bisher nicht dominante Genotypen. Eine amerikanische Studie mit Daten des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) mit über 9.040 Frauen über 18 Jahren fand bei Impfung nach dem ersten Geschlechtsverkehr ein um 48 % höheres Risiko für Hochrisiko-HPV-Infektionen. Ebenso einen 59%igen Anstieg der HPV66-Prävalenz bei Geimpften, während andere Genotypen rückläufig oder stabil waren.
Gleichzeitig liefern neue europäische Studien aus Schweden, Finnland und den Niederlanden Hinweise auf mögliche Herdeneffekte zur Reduktion von HPV-Infektionen. Eine schwedische Registerstudie zeigte anhand von mehr als 800.000 HPV-Screening-Tests aus den Jahren 2014-2023 und einer Impfquote von 82-83 % einen 99%igen Rückgang von HPV-18 bei geimpften gegenüber ungeimpften Frauen.
Zu den Stärken und Schwächen dieser Studien finden sich weitere Angaben im Fachbeitrag sowie im wissenschaftlichen Hintergrundpapier.
STIKO-Bulletins: Fehlende Daten zur direkten Verhinderung von Krebs
Außerdem enthält der Fachbeitrag nun auch eine Analyse der vier relevanten Epidemiologischen Bulletins, in denen die Ständige Impfkommission (STIKO) aufgrund der von ihr analysierten Datenlage die Impfempfehlung gegen HPV eingeführt oder geändert hat.
Besonders interessant ist, dass sich durch alle vier Bulletins folgende beiden kritischen Aspekte ziehen: fehlende Daten zur direkten Verringerung von Krebs sowie Transparenzmängel bei den durchgeführten (systematischen) Reviews.
Neue Tabellen zu Zulassungsstudien inklusive Risikoreduktion
Der aktualisierte Fachbeitrag wartet zudem mit neu hinzugefügten Tabellen zu den Zulassungsstudien der Impfstoffe auf. Diese enthalten auch Angaben über die relative und absolute Risikoreduktion sowie die number needed to vaccinate (NNV).
Eine weitere Abbildung zeigt nun die Impfquote gegen HPV. Im Vergleich zu anderen Impfungen ist diese relativ niedrig, was wahrscheinlich auch dem Impfalter geschuldet ist.
Alle Quellenangaben finden sich im Fachbeitrag und im wissenschaftlichen Hintergrundpapier.
Weitere Informationen:
Aktualisierter HPV-Fachbeitrag, 16. März 2026
Wiss. Hintergrundpapier zu HPV, 16. März 2026
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