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Fachbeitragsaktualisierungen mit Systematik
Dieser Ansatz, der erstmals mit der jüngsten Aktualisierung des Fachbeitrags zu COVID-19 umgesetzt wird, zeigt das Engagement des Vereins, hochgradig evidenzbasierte Informationen für individuelle Impfentscheidungen bereitzustellen.
Die Methodik basiert auf sieben klar definierten Arbeitsschritten, die einen robusten und öffentlich nachvollziehbaren Prozess gewährleisten. Diese Vorgehensweise ist vergleichbar mit der Arbeitsweise der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI). Durch die Einbindung vielfältiger Informationsquellen und eine peer-review-ähnliche Überprüfung durch die Wissenschafts-AG (Wiss.-AG) des Vereins bietet die Methodik einen besonderen Mehrwert.
Sieben Schritte für Evidenz und Transparenz
Der Prozess beginnt im ersten Schritt mit der Sichtung des Fachbeitrags hinsichtlich Kongruenz, Aktualität und Lesbarkeit, wobei Aktualisierungen von Abbildungen und kleinere sprachliche Fehler (z. B. Grammatik) direkt behoben werden. Darauf aufbauend werden im zweiten Schritt Themenschwerpunkte festgelegt. Für COVID-19 betraf dies die Impfstoffeffektivität und Long-COVID/Post-COVID. Die Priorisierung wird unter Angabe von Gründen (z. B. hohe Relevanz und aktuelle Studienlage) im Hintergrundpapier erörtert.
Die Literatursuche und -verwaltung, der dritte und zentrale Schritt der Methodik, nutzt neben verschiedenen Informationsquellen, wie der internen Gruppe der Wiss.-AG und Social-Media-Beiträgen (z. B. über X), vor allem systematische Literaturrecherchen.
Um in mehreren Datenbanken (wie PubMed und Clinicaltrials.gov) Literatur systematisch finden zu können, werden die Themenschwerpunkte nach dem PICO-Schema dargestellt und in ein Block-Building überführt. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass die genutzten Suchbegriffe in ein geordnetes Schema gebracht werden, welches die für die Fragestellung nützliche Literatur präzise von der nicht nützlichen trennt. Schließlich kann nicht jede Studie zur COVID-19-Impfung oder Long-COVID/Post-COVID gesichtet werden. Mehr über das PICO-Schema und Block-Building erfahren Sie übrigens in unserer Fortbildung.
Dieses Verfahren ist auch für Nicht-Mediziner und -Wissenschaftler interessant, da es selbstständig angewandt werden kann, indem die im Hintergrundpapier aufgelisteten Formeln kopiert und in den Datenbanken eingegeben werden können. Ergänzt wird dieses Verfahren durch Citation-based Suchmethoden (z. B. Durchsicht des Literaturverzeichnisses relevanter Literatur), explorative Suchen zu anderen Themen (wie Therapiemöglichkeiten) und grauer Literatur (Veröffentlichungen wie Dissertationen und Stellungnahmen von Institutionen, die nicht über das klassische Verlagswesen veröffentlicht wurden).
Die Inklusion und Exklusion von Literatur als vierter Schritt folgt den strengen Kriterien der evidenzbasierten Medizin, nach der nur die Studien mit der besten externen Evidenz genutzt werden sollten. Darum wurden nachvollziehbar im Hintergrundpapier zur Fachbeitragsaktualisierung von COVID-19 Studien wie Ma et al. (2025) wegen methodischer Stärke eingeschlossen, während wissenschaftliche Untersuchungen mit geringer Evidenz, wie einer Studie, die den Einfluss der COVID-19-Impfung auf das Darmmikrobiom untersucht hat (Teilnehmerzahl n=4), ausgeschlossen wurden.
Im fünften Schritt folgt schließlich die Beschreibung der gefundenen Studien, wie sie im Fachbeitrag aufgeführt werden sollen – jeweils mit Angaben, an welcher Stelle die Ergänzung folgen soll. Für die Auswertung werden ggf. auch anerkannte Instrumente zur Beschreibung der Berichtsqualität von Studien genutzt, wie etwa AMSTAR-2 für systematische Reviews.
Die Wiss.-AG, derzeit bestehend aus drei Medizinern und drei wissenschaftlichen Mitarbeitern, übernimmt im sechsten Schritt eine peer-review-ähnliche Funktion und gewährleistet Qualität durch Rücksprachen und Diskussionen. Für die Aktualisierung des COVID-19-Fachbeitrags wurden beispielsweise noch neue Studien wie etwa die OkaPII-Studie des RKI über die Influenza- und COVID-19-Impfquote von Mitarbeitern im Gesundheitswesen oder von Kim et al. (2025) zum Zusammenhang zwischen COVID-19-Impfstoffen und verschiedenen Krebsarten diskutiert und ergänzt.
Die finale Übernahme im siebten Schritt inklusive einer öffentlichen Ankündigung, Angabe des alten Beitrags im Web-Archiv und einer Aktualisierung der „Kurz gesagt“ Zusammenfassung schließen den Prozess ab.
Vergleich zur STIKO
Der neue Ansatz von ÄFI bietet Vorteile wie Transparenz durch Offenlegung der Methodik, Zugang zu unterschiedlichen Informationsquellen und eine Überprüfung, die das Vertrauen der Leserinnen und Leser in die wissenschaftliche Arbeit des Vereins stärkt. Im Vergleich zur STIKO hebt ÄFI die Einbindung aktueller Diskussionen, vielfältiger Informationsquellen und die Regelmäßigkeit der Überprüfung hervor, was die Arbeit besonders zugänglich und relevant für Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten macht.
Weitere Informationen zur wissenschaftlichen Arbeit des Vereins finden sich hier, eine Erläuterung der Arbeitsweise der STIKO mit ausführlicherem Vergleich zu ÄFI hier.
Weitere Informationen:
Hintergrundpapier zur COVID-19-Fachbeitragsaktualisierung, Sep. 2025
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