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Bisher limitierte Datenlage zum Schutz der DTP-Impfung vor Demenz
Die Suche zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung umfasste den gesamten Zeitraum bis Juli 2026. Sie konzentrierte sich auf klinisch relevante Endpunkte wie Erkrankungen, schwere Verläufe, Hospitalisierungen, Todesfälle und unerwünschte Ereignisse. Das Ergebnis: Es konnten keine neuen Studien für den Fachbeitrag identifiziert werden, die den klinischen Nutzen und die Sicherheit der Diphtherie-Impfung hinreichend belastbar untersuchen.
Damit bleibt ein grundlegendes Problem der Evidenzlage bestehen: Die Wirksamkeit der Diphtherie-Impfung wurde bislang nicht in randomisierten kontrollierten Studien untersucht. Die angenommenen Schutzraten beruhen hauptsächlich auf wenig aussagekräftigen bzw. verzerrungsanfälligen Beobachtungsstudien und Antikörpermessungen.
Diphtherie-Impfung schützt nicht zuverlässig vor Infektion und Weitergabe
Zudem wird angenommen, die Impfung schütze zwar gegen das Toxin bestimmter Corynebakterien und damit vor schweren Erkrankungen, nicht jedoch zuverlässig vor Infektion, Kolonisation und Weitergabe des Erregers. Eine klassische Herdenimmunität ist deshalb unwahrscheinlich.
Das zeigt sich auch anhand der epidemiologischen Lage: Die Impfung gegen das Toxin verhindert nicht zuverlässig eine Infektion oder Besiedlung durch den Erreger. Importierte Fälle, die zu Übertragungsketten führen, sind möglich. Geimpfte können also weiterhin Keimträger sein und nicht-klassische Symptome entwickeln.
In Deutschland sind Diphtheriefälle insgesamt selten. Der deutliche Anstieg in den Jahren 2022 und 2023 betraf vor allem Hautdiphtherie bei jüngeren geflüchteten Menschen. 2024 und 2025 gingen die Fallzahlen wieder zurück. Zwar wurden inzwischen auch einzelne Übertragungen innerhalb Deutschlands festgestellt. Dennoch gibt es bislang keinen Grund anzunehmen, dass die Zahl der Diphtheriefälle langfristig in der deutschen Bevölkerung wieder ansteigen wird.
Je nach Alter unterschiedliche Erreger
Eine aktualisierte Abbildung zeigt nun die gemeldeten Diphtheriefälle nach Erkrankungsform. Ergänzend wurde erstmals die Altersverteilung nach Erregerart dargestellt: C. diphtheriae betrifft vor allem jüngere Altersgruppen und wird überwiegend von Mensch zu Mensch übertragen wird. Infektionen mit C. ulcerans betreffen überwiegend ältere Menschen und wird meist durch Tiere übertragen. Unklar ist, in welchem Umfang die derzeitigen Impfstoffe auch vor dem Toxin von C. ulcerans schützen.
Die Diphtherie-Impfquoten werden nun ebenfalls mit einer Abbildung veranschaulicht. Die Impfquote bei Schulanfängern lag seit 2005 lange bei über 95 %. Während der Corona-Pandemie wurden Kinderschutzimpfungen jedoch teilweise versäumt; die bundesweite Quote sank bis 2022 leicht auf 92,4 %. Die neue Darstellung unterscheidet zwischen der zweiten Impfdosis im Alter von 15 Monaten und einer vollständigen Impfung im Alter von fünf Jahren.

Abbildung: Diphtherie-Impfquoten in Deutschland von 2008 bis 2022 bei Kindern im Alter von 15 Monaten (2. Impfdosis) und 5 Jahren (vollständig geimpft) laut VacMap des RKI. VacMap ist ein Dashboard des RKI, das die Ergebnisse der KV-Impfsurveillance darstellt.
Wegen wissenschaftlicher Mängel nicht-berücksichtigte Studien
Die Literaturrecherche förderte auch Untersuchungen zutage, die nach wissenschaftlicher Prüfung aufgrund verschiedener Mängel keinen Eingang in den Fachbeitrag fanden.
Ein deutsches Review zur Sicherheit eines Sechsfachimpfstoffes (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Polio, Hib) folgte keiner systematischen Methodik und war daher eher als Expertenmeinung zu bewerten. Eine systematische Übersichtsarbeit zu DTP-Auffrischimpfungen wies mehrere kritische Mängel nach AMSTAR-2 auf, darunter ein nicht auffindbares Studienprotokoll, eine fehlende Liste ausgeschlossener Studien und keine Untersuchung des Publikationsbias. Eine aktuelle chinesische Sicherheitsstudie wurde ausgeschlossen, weil dort Impfstoffe verwendet wurden, die in der Europäischen Union nicht zugelassen sind.
Wie schon bei Tetanus wurde auch bei Diphtherie eine Suche nach non-spezifischen Effekten (NSE) der DTP-Impfstoffe durchgeführt. Unter NSE werden gesundheitliche Wirkungen verstanden, die über den Schutz vor der eigentlichen Erkrankung, hier also Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten, hinausgehen.
Studien aus Ländern mit hoher Kindersterblichkeit berichten wiederholt ungünstige Zusammenhänge zwischen DTP-Impfungen und der Gesamtsterblichkeit, insbesondere bei Mädchen und für den Fall, wenn ein DTP-Impfstoff zuletzt verabreicht wurde.
Für Industrieländer ist die Studienlage bislang wesentlich dünner. Die Existenz solcher Effekte gilt jedoch als plausibel und sollte nach Auffassung verschiedener Wissenschaftler bei Prüfung, Zulassung und Regulierung von Impfstoffen stärker berücksichtigt werden.
Schützt die DTP-Impfung vor Demenz?
Zuletzt tauchten auch wiederholt Vermutungen auf, wonach die DTP-Impfung durch einen non-spezifischen Effekt (NSE) auch vor Demenz schützen könnte. Bei der Literaturrecherche wurde insbesondere auch dieser mögliche Zusammenhang verfolgt. Mehrere Beobachtungsstudien und systematische Reviews berichten konsistent moderate relative Risikoreduktionen von etwa 30 bis 42 %, einzelne Beobachtungsstudien sogar von bis zu 59 %.
Besonders große US-amerikanische Kohortenstudien versuchten, zahlreiche mögliche Störfaktoren statistisch zu berücksichtigen. Die Übereinstimmung verschiedener Studien mit unterschiedlichen Designs und Methoden macht einen Zusammenhang grundsätzlich plausibel.
Ein ursächlicher Schutz vor Demenz ist damit jedoch nicht nachgewiesen. Bei den vorhandenen Primärstudien handelt es sich ausschließlich um Beobachtungsstudien, die anfällig bleiben für Residual Confounding sowie den Healthy-Vaccinee- und Frailty-Bias.
Auch die publizierten systematischen Reviews sind methodisch wenig belastbar. ÄFI bewertete ihre Vertrauenswürdigkeit nach AMSTAR-2 als niedrig bis kritisch niedrig. Teilweise wurden Primärstudien möglicherweise mehrfach berücksichtigt und die von den Autoren selbst vorgenommenen Qualitätsbewertungen mittels AMSTAR-2 waren nicht nachvollziehbar bzw. nicht korrekt und müssten erneut durch das verantwortliche Journal überprüft werden.
Benötigt werden hier insbesondere prospektive Studien, randomisierte Untersuchungen mit wiederholten kognitiven Tests und Forschung zur biologischen Plausibilität.
STIKO empfiehlt Impfung ohne eigene Prüfung der Evidenz
Neu beinhaltet der Fachbeitrag auch die Entstehung der STIKO-Empfehlung zur Diphtherie-Impfung. Die Empfehlung wurde 1972 in der ersten Veröffentlichung der STIKO erwähnt, ohne dass die Kommission eine eigene Analyse zu Wirksamkeit, Sicherheit oder Nutzen vorlegte. Offenbar wurde die bereits bestehende Empfehlung des damaligen Bundesgesundheitsamtes übernommen.
Bis heute hat die STIKO keine systematische Aufarbeitung der Evidenz zur Diphtherie-Impfung veröffentlicht; vorhanden sind in erster Linie jährlich aktualisierte Anwendungsbeschreibungen.
Weitere Informationen:
Fachbeitrag Diphtherie, 7. Aug. 2026
Wissenschaftliches Hintergrundpapier, 7. Aug. 2026
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