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  • Impfungen & Impfentscheidung

Wozu eine allgemeine Impfempfehlung gegen Rotaviren?

Rotaviren sind weit verbreitet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass jedes Kind mindestens eine Infektion durchmacht. Diese verläuft entweder asymptomatisch oder in Form einer gut behandelbaren Magen-Darm-Erkrankung. Die Impfung wiederum dient lediglich dem Ziel, die Erkrankungsrate, nicht aber die Todesfälle zu verringern. Die rotavirusspezifische Mortalität könnte in Industrieländern ohnehin kaum geringer sein. Umso fragwürdiger ist die allgemeine Impfempfehlung der STIKO für Säuglinge ab sechs Wochen. Der neue ÄFI-Fachbeitrag zu Rotaviren gibt Antworten.

Eine Rotavirus-Infektion verläuft bei Kindern in bis zu der Hälfte der Fälle symptomlos. Treten aber Symptome auf, lässt sich die Infektion klinisch nicht von anderen Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenteritis) unterscheiden, die durch andere Erreger (Noroviren, enterische Adenoviren, Astroviren, Escherichia coli, Salmonellen) hervorgerufen werden.

Erwachsene sind eher selten mit Rotaviren infiziert. Entwickeln sie Symptome (v. a. Reisende und immungeschwächte Personen), kommt es zu Übelkeit, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Bauchkrämpfen, Durchfall und Fieber.

Bei Säuglingen und Kleinkindern verlaufen Rotaviren-Gastroenteritiden oft schwerer. Aufgrund von Durchfall und Erbrechen kann es hier eher zu einer raschen Dehydration mit Schock und Elektrolytstörung kommen. Daher gelten Flüssigkeits- und Elektrolytmanagement, Ernährungsmanagement und der Einsatz von Probiotika als wichtigste Behandlungsansätze.

Rotaviren sind sehr umweltresistent. Auf Händen überleben sie mindestens vier Stunden, auf Umgebungsoberflächen Tage bis Wochen, in Trinkwasser und Freizeitgewässern sogar mehrere Wochen. Die Übertragung erfolgt in erster Linie fäkal-oral, ebenso durch Schmierinfektionen, kontaminiertes Wasser und Lebensmittel.

Für die Übertragung gilt Saisonalität als wichtiger Faktor: Bei kaltem und trockenem Wetter werden im Vergleich zu warmem und feuchtem Wetter nicht nur mehr Kinder infiziert, sondern es kommt auch zu mehr Einweisungen ins Krankenhaus.

STIKO empfiehlt Rotaviren-Schluckimpfungen für alle ab sechs Wochen

2006 wurden die beiden Impfstoffe Rotarix® und RotaTeq® in Deutschland zugelassen. Es handelt sich dabei um Schluckimpfungen mit einem oralen Lebendimpfstoff. Seit 2013 empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) standardmäßig mehrere Impfungen für Säuglinge ab einem Alter von sechs Wochen.

Jedoch gibt es nur wenige Argumente, die für eine Empfehlung der Rotavirus-Impfung als Standardimpfung sprechen, wie die Senkung der Krankheitslast in Ländern mit geringer Kindersterblichkeit.

Allgemeine Impfempfehlung? Rotavirus-Infektionen lassen sich gut behandeln

Dagegen überwiegen die Bedenken gegen eine allgemeine Impfempfehlung, wie sie die STIKO ausspricht. So liegen keine ausreichenden Daten zur Verringerung der Sterblichkeit vor. 90 Prozent der Kinder bis zum Alter von drei Jahren und fast jedes Kind bis zum Alter von fünf Jahren machen eine Rotavirus-Infektion durch. Anschließend sind wohl mehr als ein Drittel gegen die Infektion und 87 Prozent gegen schweren Durchfall geschützt.

Nach der Impfung kann es vermehrt zu lebensbedrohlichen Darminvaginationen (Einstülpung eines Darmanteils) kommen. Außerdem können sich Kontaktpersonen des Impflings bis zu sieben Tage nach der Impfung mit dem Impfvirus infizieren.

Anders als in Entwicklungsländern sind in Industrieländern Todesfälle nach einer Rotavirus-Infektion eine Rarität. Auch in Deutschland lässt sich die Krankheit gut behandeln, was ein Impfprogramm auf nationaler Ebene fragwürdig macht – zumal die Impfung eine starke Kostenerhöhung im Gesundheitswesen bedeutet. ÄFI empfiehlt statt eines allgemeinen Impfprogramms eine individuelle Impfberatung. Letztlich macht das unklare Kosten-Nutzen-Verhältnis eine Neubewertung der Impfstoffe, wie es in Frankreich 2015 der Fall gewesen ist, notwendig.

Alles zu Erkrankung, Impfung und den STIKO-Empfehlungen inklusive umfangreichem Quellenverzeichnis im Rotaviren-Fachbeitrag von ÄFI. Das erweiterte Glossar wartet inzwischen mit knapp 400 verständlich erklärten Fachbegriffen auf.

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