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HPV: Späterer Impftermin, vermehrt Früherkennung

Neue Studien deuten auf die direkte Wirkung der HPV-Impfung zur Verringerung von Gebärmutterhalskrebs hin. Jedoch sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Hingegen scheint Früherkennungsprogrammen eine besondere Bedeutung zuzukommen. Aufgrund neuer Forschungsergebnisse hat ÄFI seinen Impf-Fachbeitrag zu HPV aktualisiert.

Humane Papillomviren (HPV) können die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs auslösen. Die HPV-Impfung wird derzeit immer breiter propagiert. Die wissenschaftliche Evidenz zeichnet jedoch kein so klares Bild.

In der Tat liefern inzwischen nicht mehr nur Modellierungsstudien Hinweise darauf, dass die HPV-Impfung die Inzidenz von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) direkt verringert. So zeigt eine schwedische Registerstudie eine relative Risikoverringerung von 88 Prozent für Frauen, die sich vor dem Alter von 17 Jahren haben impfen lassen.

In einer englischen Beobachtungsstudie konnte herausgefunden werden, dass je früher die Impfung erfolgte, desto höher war auch die relative Verringerung der Gebärmutterhalskrebsraten verglichen mit der ungeimpften Referenzkohorte.

Eine schottische bevölkerungsbasierte Beobachtungsstudie zeigt: Bei Frauen mit HPV-Impfung zwischen 14 und 22 Jahren wurde eine signifikante Verringerung der Inzidenz im Vergleich zu ungeimpften Frauen festgestellt. Die Ergebnisse lassen zudem darauf schließen, dass bereits eine Dosis des Impfstoffes im Alter von 12 bis 13 Jahren sehr effektiv ist.

Einschränkend gilt es jedoch bei all diesen Studien zu bedenken, dass Gebärmutterhalskrebsfälle allgemein sehr selten waren, sodass bestimmte Zusammenhänge (etwa zwischen der Anzahl Impfdosen und dem Risiko für Gebärmutterhalskrebs) gar nicht erst berechnet werden konnten.

Überdies haben diese Studien Frauen nur bis zu ihrem 30. Lebensjahr untersucht. Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Erkrankung lediglich in ein höheres Lebensalter verschoben wird, wenn z. B. die Immunität nachlässt oder andere HPV-Typen pathogener werden.

Schließlich wurde bei allen Untersuchungen nur die relative Risikoverringerung (RRR) berechnet: Hierbei wird nicht berechnet, mit welcher generellen Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Ereignis bei einem Menschen in einer bestimmten Zeit eintritt.

Dies wird durch die absolute Risikoreduktion (ARR) bestimmt. Bezüglich HPV wird das absolute Erkrankungs- und Sterberisiko innerhalb der nächsten zehn Jahre durch das Zentrum für Krebsregisterdaten des RKI in allen Altersgruppen sehr niedrig angegeben.

Abbildung: Erkrankungs- und Sterberisiko in Deutschland nach Alter, ICD-10 C53, Datenbasis 2019 (Zentrum für Krebsregisterdaten, 2023).

Problem Replacement nach Impfung: Mehr HPV-Serotypen

Ein weiterer Aspekt spricht gegen allgemeine und wiederholte HPV-Impfungen: das Replacement-Phänomen. Eine Studie mit Real-World-Daten aus Finnland gibt hier gute Anhaltspunkte. Zwar wurde ein starker Rückgang der Serotypen 16 und 18 durch die Impfung erzielt, zugleich konnte aber auch eine höhere Diversität an HPV-Serotypen gemessen werden.

In Gemeinden, in denen nur Frauen oder niemand geimpft wurde, gab es schwächere oder keine typenspezifischen Herdeneffekte, sodass das Replacement hier nicht nachgewiesen werden konnte. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums halten es für möglich, dass die Serotypen 16 und 18 künftig durch andere Hochrisikotypen ersetzt werden.

Im Vergleich zur Impfung scheint der Prävention und hier insbesondere Früherkennungsprogrammen eine herausragende Rolle zuzukommen. Der wichtigste Vorteil ist, dass Krebsvorstufen rechtzeitig entdeckt und behandelt werden können. So sind belastende Behandlungen (Operationen, Bestrahlung, Chemotherapie) vermeidbar. Ohne Früherkennung sind die Raten nach den Daten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) deutlich höher.

Einziger Nachteil durch Screenings sind Überbehandlungen, also durchgeführte Operationen am Gebärmutterhals (Konisationen), die gar nicht nötig gewesen wären, weil die Vorstufen sich möglicherweise von alleine zurückgebildet hätten bzw. gutartig gewesen wären.

Nur eine Impfung, aber später?

Auch eine Veröffentlichung der WHO gibt zu denken. Hier wird konstatiert, dass – anders als in Deutschland von der STIKO bisher empfohlen ist – eine (!) Impfung gegen HPV ausreicht, um eine gute Immunität zu erzeugen. Die Impfung ließe sich demnach in eine spätere Lebensphase verschieben, in der Jugendliche an der Entscheidung beteiligt werden können.

Der neue ÄFI-Fachbeitrag zu HPV diskutiert die neuesten Studienergebnisse und liefert ein ausführliches Quellenverzeichnis für weiterführende Informationen.

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